Firmen sollen auf E-Autos setzen

Die Hürden für einen Umstieg auf Elektrofahrzeuge sinken für baselstädtische Firmen: Der Kanton subventioniert den Kauf, und der Gewerbeverband vermittelt diverse Testfahrzeuge eine Woche lang gratis.

Der Strom bei den Industriellen Werken Basel (IWB) kommt aus erneuerbaren Quellen.

Der Strom bei den Industriellen Werken Basel (IWB) kommt aus erneuerbaren Quellen.

(Bild: Martin Regenass)

«Ich bin mir ernsthaft am Überlegen, ob ich mir einen kleinen Elektrolieferwagen und ein Elektrovelo anschaffen soll», sagt Caspar Kerdijk. Der Gartenbauer vom Thiersteinerrain in Basel steuert seine Kunden bis anhin noch mit einem Auto mit konventionellem Antrieb an. «Ich habe es bis jetzt noch nicht für nötig befunden, ein Elektroauto zu kaufen. Dass es allerdings keine Abgase ausstösst, überzeugt mich als Unternehmer.»

100-prozentige Elektroautos sind in der Stadt nicht häufig gesehen. Von den rund 65 000 eingelösten Autos waren 2017 ganze 191 reine Elektroautos – ein Anteil von 0,3 Prozent. Der Gewerbeverband Basel-Stadt, die Industriellen Werken Basel (IWB), das Amt für Umwelt und Energie (AUE) sowie mehrere Garagisten aus der Region möchten diese bescheidene Anzahl nun etwas anheben.

Dafür hat der Regierungsrat am letzten Dienstag Fördergelder von 548 000 Franken bewilligt. Diese stammen aus dem Energie-Förderabgabe Fonds, den die Basler Einwohner und Firmen über den Strompreis berappen. Neun Prozent der sogenannten Netzkosten für den Strom speisen diesen Fonds.

Wie Tobias Spring, Co-Leiter Energie und Ressourcen beim Gewerbeverband, gestern vor Medien und Gewerbetreibenden erklärte, können sich an Elektroautos interessierte Unternehmen aus Basel-Stadt für die Anschaffung eines mit Strom betriebenen Fahrzeugs aus diesem Topf einen Zustupf holen. Er beträgt 20 Prozent des Kaufpreises eines Elektroautos oder aber höchstens 5000 Franken.

Der Betrag wird auch ausbezahlt, wenn eine Firma ein Auto leasen will. «Wir wollen mit dieser Aktion die psychologischen Hürden beim Kauf von Elektroautos senken», sagt Spring. Ein wichtiger Punkt hierbei sei, dass die am Projekt beteiligten Garagen den Unternehmen die Elektroautos für jeweils eine Woche zu Testzwecken zur Verfügung stellten.

«Wir wollen mit der Aktion in erster Linie eine Situation kreieren, wo die Unternehmen merken, dass das Fahren von Elektroautos Spass macht», sagte Spring. Darauf könnten rationale Fragen und Bedenken zu Preis oder Reichweiten mit einer Akkuladung ausgeräumt werden.

Auch dreirädrige Gefährte

Bei den Garagisten sind die Garage Keigel, das Autohaus Wederich Donà, die Gundeli-Garage, VRBikes, die Garage Hollenstein, der Tesla Store Basel, Easyvelo oder die Garage Müller vertreten. Die Palette von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen reicht von Lieferwagen, Personenwagen bis hin zu Elektro-Scootern oder dreirädrigen Kleintransportern.

Die Fragen in der gestrigen Runde drehten sich denn auch um die tatsächlichen Umweltbelastungen, die Reichweiten von Elektrofahrzeugen oder die Qualität der Akkus.

Garagist Martin Müller, der in Zwingen Nissan-Vertragshändler ist und einen Lieferwagen anbietet, kritisierte die Diskussion über die Reichweite als Ansatz, ob ein E-Auto in der Stadt Sinn mache oder nicht. «Ein Malerbetrieb, der in die Stadt fährt, um fünf Stunden Wände zu bemalen, dem reichen 200 Kilometer Reichweite im Tag völlig aus», sagt Müller. Am Abend könne er das Elektroauto dann an die Steckdose hängen und den Akku aufladen.

Fehlende Ladestationen

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Unternehmer einen eigenen Einstellplatz hat mit einer Ladestation. Ein Punkt, der wohl mitverantwortlich ist, dass in der Stadt im 2017 erst 191 vollelektrische Autos eingelöst waren. Viele Autos, nicht nur von Unternehmen, sondern auch private, stehen in blauen Zonen, wo es keine Möglichkeit gibt, ein Elektroauto aufzuladen.

Eine Schwierigkeit für Roland Hunkeler von der Elektrizitäts AG EAGB. Er hat sich vor drei Jahren überlegt, für die Monteure Elektroautos anzuschaffen. «Damals entsprachen elektrische Lieferwagen allerdings noch nicht unseren Ansprüchen», sagt Hunkeler. Erschwerend komme hinzu, dass die Mitarbeiter die Autos nach Hause nehmen. «Dann haben sie womöglich nicht die Möglichkeit, die Autos über Nacht aufzuladen.»

Dies zu ändern und bessere Bedingungen mit neuen Ladestationen zu den bestehenden 41 im Kanton für die Elektromobilität zu schaffen, ist Aufgabe des AUE und der IWB. Wie Dominik Keller, stellvertretender Leiter des AUE, erklärte, wolle das Amt bis Mitte Jahr ein Gesamtkonzept vorlegen, wie es mit dem Bedarf an Ladestationen im Kanton Basel-Stadt aussehe.

«Der Pluspunkt für die Elektromobilität in der Stadt ist, dass Elektroautos lokal keine Abgase ausstossen», sagte Keller. Der Strom müsse allerdings zu hundert Prozent erneuerbar produziert sein, was bei den IWB mit den Wasserkraft-, Solarkraftwerken und Windparks der Fall sei.

Basler Zeitung

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