Mord von Metzerlen vor Aufklärung

Metzerlen

Drei Bandenmitglieder der Pink Panther sollen Ivo Borer erschlagen haben.

Ivo Borer hatte jahrelang die Geschicke seines Wohnorts geleitet.

Ivo Borer hatte jahrelang die Geschicke seines Wohnorts geleitet.

Bereits im Jahr 2011 haben die Ermittlungsbehörden einen Ver­däch­tigen im Mordfall Metzerlen ermittelt. Dies teilte gestern die Solothurner Staatsanwaltschaft mit. Warum es sieben Jahre dauerte, bis die Ermittlungsbehörden ihren Fahndungserfolg kommunizierten, bleibt rätselhaft. Die Sprecherin der Solothurner Staatsanwaltschaft, Cony Zubler, sprach von «ermittlungstaktischen Gründen», die ausschlaggebend gewe­sen seien.

Tatsächlich gelang es den Strafverfolgungsbehörden im April dieses Jahres, «einen weiteren Tatverdächtigen in Holland zu verhaften», wie die Solothurner Staatsanwaltschaft mitteilt.

Beim 2011 ermittelten möglichen Täter handelt es sich um einen 41-jährigen Serben. Er wurde im Februar 2017 in die Schweiz überstellt, nachdem er in Frankreich eine Strafe abgesessen hatte. Er befindet sich jetzt in Untersuchungshaft. Über die Identität des zweiten, in Holland verhafteten Mannes schweigt sich die Solothurner Staatsanwaltschaft vorderhand aus.

Soldaten aus dem Balkan-Krieg

Die beiden Männer, die den früheren Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein, Ivo Borer (71), in dessen Haus überfallen und brutal er­schlagen hatten, werden den Pink Panthers zugerechnet. Zudem gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass noch eine weitere Person in den tödlich endenden Raubüberfall involviert war. Die entsprechenden Ermittlungen laufen deshalb weiter.

Bei den Pink Panthers handelt es sich um eine gut organisierte und schlagkräftige osteuropäische Bande, die seit fast zwei Jahrzehnten für zum Teil aufsehenerregende Überfälle in der Schweiz und anderen Ländern verantwortlich gemacht wird. Sie besteht aus ehemaligen Balkankrieg-Soldaten und plant ihre Einsätze jeweils minutiös, weshalb es in den meisten Fällen kaum Verletzte gibt. Ihren Namen Pink Panther erhielten die Räuber, weil analog zu einem gleichnamigen Film von 1963 in einer Beute ein Ring im Wert von einer halben Million Franken gefunden wurde – versteckt in einer Cremedose. Der Bande werden rund 150 Mitglieder zugeordnet.

Die gemeinhin auch als «Meisterdiebe» bekannt gewordenen Kriminellen überfielen im April 2013 schwer bewaffnet das Juweliergeschäft Türler am Zürcher Paradeplatz. Mit Spezialwerkzeugen schlugen sie die Vitrinen ein, stahlen Schmuck im Millionenwert und flüchteten in einem Sportwagen.

2008 wird ihnen ein «Jahrhundert-Kunstraub in der Zürcher Sammlung Bührle» angelastet. Gestohlen wurden Gemälde im Gesamtwert von rund 180 Millionen Franken. Als Lösegeldanzah­lung waren den Räubern 1,4 Millionen Euro übergeben worden. Immerhin konnten die Bilder später beschlagnahmt und ihren rechtmässigen Besitzern zurückgegeben werden.

2003 hatten die Pink Panthers in Antwerpen ein Schliessfach des Antwerp Diamond Centres geleert und 120 Millionen Franken erbeutet. Zehn Jahre später stahlen wie während einer Diamenten-Ausstellung im Hotel Carlton in Cannes Schmuck in ähnlich hohem Wert.

Bis Ende 2017 sollen die Pink Panthers insgesamt 22 Juwelierläden in der Schweiz überfallen haben. Ihre kriminellen Aktivitäten haben längst ein globales Ausmass erreicht. So werden sie auch für Diebstähle in Asien und den Golfstaaten verantwortlich gemacht.

Ins künstliche Koma versetzt

Wie letztlich drei Bandenmitglieder ihren Weg nach Metzerlen fanden, bleibt unklar. Da einer der mutmasslichen Täter anschliessend in Frankreich einsass, ist davon auszugehen, dass sie über das hintere Leimental ins benachbarte Elsass unterwegs waren, als sie in Borers Haus einbrachen, wo sich der CVP-Politiker wehrte und niedergeschlagen wurde. Denkbar ist, dass die Täter als aktive Pink Panther anhand von DNA-Spuren, die sie bei früheren Überfällen hinterlassen hatten, überführt werden konnten.

Der schwer verletzte Borer wurde von seiner Ehefrau gefunden und ins Universitätsspital Basel gefahren. Dort wurde er in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nie mehr erwachte. Borer starb am 15. Juli 2010.

Basler Zeitung

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