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Liebesglück und Parteienzank in den Trennungswirren

Jonas Breitenstein (1828–1877) schrieb in alemannischer Mundart und war in beiden Basel zu Hause.

Martin Stohler
Jonas Breitensteins Dichtung kommt vor allem zur Geltung, wenn man sie laut vorliest.
Jonas Breitensteins Dichtung kommt vor allem zur Geltung, wenn man sie laut vorliest.
zvg

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen rund um die Kantonstrennung von 1833 warfen seinerzeit tiefe Gräben zwischen Basel-Stadt und Baselland auf. Mit der vollständigen Trennung auf Staatsebene waren aber keineswegs alle anderen Beziehungen abgebrochen. Dies lässt sich exemplarisch am Leben und Werk des Pfarrers, Armenpflegers und Dichters Jonas Breitenstein (1828–1877) aufzeigen.

Breitenstein wurde 1828 im Baselbieter Dorf Ziefen geboren. Dort besuchte er bei seinem Vater die Primarschule. Anschliessend absolvierte er in Liestal die Bezirksschule. 1846 trat er ins Basler Pädagogium, das heutige Gymnasium am Münsterplatz, ein. Nach der Matura studierte er Theologie in Basel und Göttingen. Von 1852 bis 1870 war Breitenstein Pfarrer der Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen. Vor der Kantonstrennung wäre das nicht möglich gewesen. Als die Landschaft noch zu Basel gehörte, waren nämlich nur Basler Stadtbürger zum Pfarramt zugelassen. Daneben war Breitenstein für den Baselbieter Armenerziehungsverein tätig. 1870 gab Breitenstein – er hatte mit acht Kindern eine grosse Familie zu ernähren – seine Pfarrstelle auf und war bis zu seinem Tod im Jahr 1877 als vollamtlicher Sekretär der Freiwilligen Armenpflege in Basel tätig.

Ein zartes Pflänzlein

Auch als Dichter war Jonas Breitenstein in den beiden Basler Halbkantonen zu Hause. So dreht sich Breitensteins 1863 erschienenes Idyll «Der Her Ehrli» um ein Basler Fräulein und einen Baselbieter, der in Basel eine Anstellung als Handlungsgehilfe gefunden hat. An einem heiteren Sonntagmorgen kommen die beiden jungen Leute auf dem Margarethenhügel zufällig ins Gespräch miteinander. Die zwei finden einander offensichtlich sympathisch, gehen aber ihres Weges, ohne Namen und Adresse auszutauschen. Vielleicht wäre das damals auch nicht ganz schicklich gewesen. Doch auch ohne Whatsapp finden die beiden jungen Leute einander wieder und gehen schliesslich den Bund der Ehe ein.

Dies alles erzählt Breitenstein «in alemannischer Mundart» und in Hexametern, die munter dahersprudeln. Auch in Breitensteins Idyll «'S Vreneli us der Bluemmatt» geht es – neben der Politik im jungen Kanton Baselland – um die Liebe. Dieses Mal keimt sie zwischen Jokeb, der in Basel Medizin studiert, und dem Vreneli vom Bluemmatthof auf. Dummerweise haben die beiden Väter – der Bluemmattbauer und der Dorfdoktor Brun – politisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne und sind gar verfeindet.

Breitenstein spielt hier auf die heftigen Parteikämpfe an, die das Baselbiet in den 1860er-Jahren erschütterten. Dabei sympathisierte Breitenstein mit den regierungstreuen und auf Achtung der Ordnung bedachten Kreise, während deren Gegner als Schwauderi und Intriganten daherkommen. Zum Schluss kommt es doch noch zur Versöhnung zwischen Doktor Brun und dem Bluemmattbauern, und Vreneli und Jokeb können heiraten.

Filmreife Szene

Breitensteins Idyllen sind voller Naturschilderungen, die uns auch heute noch ansprechen. Oft sind seine Schilderungen gar filmreif. Etwa wenn Doktor Brun in einer stürmischen Regennacht an ein Krankenbett gerufen wird, losmarschiert, den Filzhut auf dem Kopf und eine Zigarre im Mund, und sich im finsteren Wald verläuft. Und als er schliesslich zu einem Bauernhof gelangt, muss er sich eines angriffigen Hofhunds erwehren. Wie sich herausstellt, handelt es sich beim Bauernhof um die Bluemmatt. Und bald macht Pfarrer Breitenstein den Leserinnen und Lesern auch klar, dass eine höhere Macht Doktor Bruns Schritte dorthin gelenkt haben dürfte. Neben solchen Szenen leben Breitensteins Idyllen von ihrer Sprache und dem Zauber der Mundart. Dieser kommt besonders schön zur Geltung, wenn man Breitensteins Dichtung laut vorliest oder sich als Hörbuch anhört.

Die beiden Idyllen finden sich im Band 1 und 2 der vom Ortsmuseum Binningen und dem Dichter- und Stadtmuseum Liestal herausgegebenen Werke Jonas Breitensteins.

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