Zweisprachige Matur wird fortgeführt

Der zweisprachigen Maturitätslehrgang der Kantone Baselland und Jura ist so erfolgreich, das aus dem Pilotprojekt ein festes Bildungsangebot werden soll

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(Bild: Florian Bärtschiger)

Vier Jahre lang haben die Kantone Baselland und Jura gemeinsam einen Versuch mit einem zweisprachigen Maturitätslehrgang durchgeführt. Das Pilotprojekt mit dem Dauer-Sprachbad war so erfolgreich, dass es nun fester Bestandteil im Bildungsangebot der zwei Kantone wird.

Gestartet worden war das Projekt mit zweisprachigen Klassen 2012. Der Unterricht erfolgt die ersten zwei Jahre am Gymnasium Laufen und dann zwei Jahre am Lycée in Pruntrut, wo jeweils auch die Maturitätsprüfung abgelegt wird. In jeder Klasse sitzen je zehn deutsch- und französischsprachige Schülerinnen und Schüler.

Inzwischen haben zwei Klassen auf diesem Weg die Hochschulreife erlangt. Nun haben die Baselbieter Regierung und das Parlament des Kantons Jura beschlossen, diesen landesweit einmaligen Lehrgang als definitives Bildungsangebot weiterzuführen, wie die Baselbieter Bildung-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) am Mittwoch mitteilte.

Hervorragende Sprachkompetenzen

Gemäss BKSD verhilft der bilinguale Maturitätslehrgang den Absolventinnen und Absolventen zu hervorragenden Sprachkompetenzen. Dazu tragen neben zwei Jahren Schulbesuch im anderen Sprachgebiet auch mehr als 1700 Unterrichtslektionen in der Partnersprache bei. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Bund vorgibt.

Wichtigstes Element beim Sprachenerwerb ist für Isidor Huber, den Rektor des Gymnasiums Laufen, jedoch die systematische Arbeit in sogenannten Schüler-Tandems. Dadurch befinden sich die Jugendlichen in einem permanenten Sprachbad. Das Interesse am bilingualen Maturitätslehrgang ist nach Angaben Hubers dermassen gross, dass am Gymnasium Laufen ein Numerus Clausus eingeführt werden musste. Für die zehn Plätze, die Hubers Schule in der zweisprachigen Klasse zur Verfügungen stehen, gehen teilweise mehr als 20 Bewerbungen ein.

Nicht zwingend die besten Zeugnisse nötig

Über die Zulassung entscheidet neben der Vornote in Französisch, Deutsch und Mathematik ein Eintrittsgespräch. Laut Huber schaffen es nicht zwingend die Jugendlichen mit den besten Zeugnisnoten, sondern jene, die wirklich wollen.

Und die meisten, die aufgenommen werden, halten auch bis zum Schluss durch, obwohl sie ein weitaus strengeres Programm auf sich nehmen als «normale» Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Nicht zuletzt haben die «Zweisprachigen», die meist zwischen 15 und 19 Jahre alt sind, für zwei Jahre einen deutlich längeren Schulweg. Dafür erhalten sie vertieften Einblick in eine andere Kultur.

Seit dem Start des Pilotprojekts wurde pro Jahr eine Klasse gebildet. Nach Angaben Hubers steht nun auch die Bildung eines zweiten Klassenzugs zur Diskussion.

«Hochstehendes Niveau»

Für den Kanton Baselland mit seiner angespannten Finanzlage wäre dies auch wirtschaftlich interessant. Wegen unterschiedlicher Schulstrukturen machen die deutschsprachigen Schüler im bilingualen Lehrgang die Matur ein Jahr früher als sonst in Baselland üblich.

Den Vorwurf, dass er mit einem zweiten zweisprachigen Klassenzug bei der Bildung sparen würde, müsste sich der Kanton Baselland kaum gefallen lassen. Eine Evaluation bescheinigt den zweisprachigen Klassen gemäss Communiqué nämlich ein «hochstehendes fachliches Niveau». Und der erste Jahrgang habe 2016 bei der Maturitätsprüfung «klar überdurchschnittlichen Resultate» erzielt.

amu/sda

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