«Wir mussten sie auf den Balkon sperren»

Ein Ehepaar soll mehreren Personen Geld schulden. Als die Gläubiger die beiden konfrontierten, eskalierte die Situation. Die Polizei schritt ein.

Ein Wohnungskauf endete am Dienstag für ein Rentnerpaar mit einem Eklat und einem Polizeieinsatz.

Ein Wohnungskauf endete am Dienstag für ein Rentnerpaar mit einem Eklat und einem Polizeieinsatz.

(Bild: 20 Minuten)

Monatelang hat ein Ehepaar aus Pratteln Wohnungsbesitzern vorgegaukelt, deren Wohnungen kaufen zu wollen. Wie 20 Minuten am Freitag berichtet, seien die beiden Rentner aus dem eigenen Zuhause geworfen worden und logierten daraufhin in Hotels, ohne die Rechnungen zu bezahlen.

Den Betroffenen wurde es zu bunt: Sie lockten das Pärchen in eine Falle. Unter dem Vorwand, mit ihnen darüber sprechen zu wollen, welche Möbel das Paar zusammen mit der 1,9-Millionen-Franken-Wohnung übernehmen könnte, lud eine Frau aus Liestal BL die beiden am Dienstag zu sich nach Hause ein.

Das Paar hatte der Liestalerin zugesichert, ihre Wohnung kaufen zu wollen. Als es um die Bezahlung ging, sei sie von den beiden wochenlang hingehalten worden, sagte die Frau gegenüber 20 Minuten. Sie sei misstrauisch geworden und habe begonnen, zu recherchieren.

Sie war nicht die einzige Betroffene

Bald fand sie heraus, dass das Ehepaar nicht nur sie zum Narren hielt: Einem Wohnungsbesitzer aus Liestal erging es gleich. Er habe sogar extra für das Paar zusätzliche 22'000 Franken in die Wohnung investiert.

20 Minuten hatte Einsicht in den Chatverlauf zwischen dem Verkäufer und dem Ehepaar: «Bekomme von meiner Schwester die Hälfte des Geldes. Sie ist momentan aber nicht erreichbar», schrieb der Ehemann etwa.

Plötzlich tauchten die Gläubiger auf

Die Eigentümerin der 1,9-Millionen-Franken-Wohnung erfuhr auch von den Hotel-Eskapaden des Paars und kontaktierte die Betroffenen. Gemeinsam schmiedeten sie den Plan, um das Paar zu konfrontieren.

So kam es, dass das Rentnerpaar am Dienstag wie verabredet die Eigentümerin in deren Wohnung traf, später aber sowohl der Inhaber der zweiten Wohnung, die sie angeblich kaufen wollten, sowie die Managerinnen der beiden geprellten Hotels auftauchten.

Der 75-jährige Ehemann sei daraufhin so aggressiv geworden, dass die Anwesenden beschlossen, ihn und seine Ehefrau auf den Balkon zu sperren und die Polizei zu rufen. Auch gegenüber den Beamten und seiner Frau habe er sich aggressiv verhalten.

Für schlechte Zahlungsmoral bekannt

Die beiden Hotelmanagerinnen sagten gegenüber 20 Minuten, dass sie Anzeige gegen das Paar erstatten wollen. Sie glauben nicht, dass die Rechnungen je bezahlt werden. Die Wohnungsbesitzer halten die Situation für aussichtslos, weswegen sie keine rechtlichen Schritte einleiten.

Laut einem Einwohner seiner ehemaligen Wohngemeinde bezieht das Paar seit mindestens zehn Jahren immer wieder Leistungen, für die es nicht bezahlt. Dafür sei es im Dorf bekannt.

Recherchen von 20 Minuten ergaben, dass allein der Mann seit Anfang Jahr Betreibungen in der Höhe von über 55'000 Franken anhäufte.

«Sie bekommen das Geld nächste Woche»

Auf Nachfrage sagt der 75-Jährige zu 20 Minuten: «Wir haben keine finanziellen Probleme, wir könnten uns eine Wohnung leisten.»

Warum er die Wohnungen nicht kaufte und nicht einmal die Anzahlungen überwies, will er nicht sagen. Er sei sich aber nicht bewusst, aussergewöhnliche Sonderwünsche in Bezug auf die eine Wohnung geäussert zu haben.

Die Konfrontation diese Woche sei eine unnötige Eskalation gewesen: «Ich wurde mit falschen Angaben in die Wohnung gelockt, dort wurde ich bedrängt. Die Hotels bekommen das Geld nächste Woche. Ich bin kein Zechpreller.»

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