Weihnachten schon im Oktober

Beide Basel freuen sich, dass Münchenstein bis 2028 zum neuen Uni-Standort wird.

Frohe Botschaft. Die Regierungsräte (v.l.n.r.) Lauber (CVP), Reber (Grüne), Gschwind (FPD), Ackermann (Grüne), Herzog (SP) und Cramer (LDP).

Frohe Botschaft. Die Regierungsräte (v.l.n.r.) Lauber (CVP), Reber (Grüne), Gschwind (FPD), Ackermann (Grüne), Herzog (SP) und Cramer (LDP).

(Bild: Nicole Pont)

Martin Furrer

Zum gemeinsamen «O du fröhliche»-Singen erscheinen die Magistraten in festlicher Kleidung. Die Anzüge sind dunkel, die Hemden strahlend weiss, die Mienen heiter. Es ist Oktober und das Licht draussen mild – im Saal Universum des Hotels Victoria in Basel aber herrscht Weihnachtsstimmung.

Am Gabentisch sitzen die basel-städtische Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann sowie Regierungs-Vizepräsidentin Eva Herzog und Regierungsrat Conradin Cramer. Aus dem Kanton Basel-Landschaft sind Regierungspräsidentin Monica Gschwind, Regierungs-Vizepräsident Isaac Reber und Regierungsrat Anton Lauber angereist.

Politisch gemischter Chor

Ackermann zündet keine Kerze an. Sie eröffnet die Feier mit fast schon protestantischer Schlichtheit: «Wir freuen uns!» Cramer stimmt umso euphorischer in den Freudengesang ein: «Ein historischer Tag!» Und Gschwind jubelt: «Ein grosser Erfolg!» Die sechs Magistraten vereinen sich zu einem politisch gemischten Chor, der an diesem Donnerstagmorgen antritt, um gemeinsam eine frohe Botschaft zu verbreiten: Münchenstein wird neuer Standort der Universität Basel.

Fast unbeschränkt Platz

«Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Staatsvertrages zur gemeinsamen Trägerschaft beginnt für die beiden Kantone und die Universität ein neues Kapitel», sagt Gschwind, die wie ihre Kolleginnen und Kollegen mit grossen Worten nicht spart. Die Regierungen beider Basel hätten einen «visionären Entscheid» zugunsten einer «zukunftsorientierten Bildungspolitik» gefällt. Damit werde «die Verankerung der Universität Basel im Kanton Basel-Landschaft massgeblich gestärkt».

Der Entscheid sei ein «sichtbares Zeichen der bikantonalen Trägerschaft». Er bringe «die Identifikation mit unserer Universität Basel zum Ausdruck». Fast meint man, Sternenstaub von der Decke herabrieseln zu hören.

Münchenstein als Uni-Standort – was heisst das konkret? Es bedeutet, dass sich bis 2028 die juristische und die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni in einem Neubau auf dem Dreispitz-Gelände niederlassen werden – einem Ort, wo noch «fast unbeschränkt Platz vorhanden ist», wie Reber sagt.

In zehn Jahren werden rund 2600 Jus- und Ökonomie-Studierende ins Gebäude einziehen. Sie können dann die Nachbarschaft teilen mit zwei weiteren Bildungs-Institutionen – dem Campus der Künste der Fachhochschule Nordwestschweiz, der heute schon dort angesiedelt ist, und der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, die spätestens 2021 ebenfalls auf den Dreispitz ziehen wird.

Die Politiker sind stolz auf diesen «neuen, attraktiven Cluster im Bereich Hochschulen», der zwar auf Baselbieter Boden, aber faktisch noch in der Stadt angesiedelt ist. Cramer frohlockt: «Auf dem Dreispitz in Münchenstein spürt man schon jetzt die dynamische Stimmung, die dort herrscht.» Er spricht von einem «urbanen Land-Standort».

Auch Liestal und Allschwil seien im Fokus gestanden, sagt Gschwind. Münchenstein habe sich aber unter anderem durchgesetzt, weil es verkehrstechnisch optimal liege und das Dreispitz-Areal «erhebliche Entwicklungsreserven» biete. Selten sah man sechs Regierungsmitglieder aus zwei Kantonen in derart grosser Eintracht zusammensitzen. Süsser die Glocken nie klangen.

Selbst beim Finanziellen, das in der Vergangenheit häufig Anlass zu Zank und Streit war, hat man sich offensichtlich in Minne gefunden.

Neues Rechnungsmodell

Lauber und Herzog erläutern, dass das Defizit der Uni künftig nicht mehr von beiden Kantonen hälftig getragen wird. Neu kommt ein Modell zur Anwendung, das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der beiden Basel berücksichtigt.

Bei der Berechnung stützt man sich auf den vom Bund erhobenen «standardisierten Steuerertrag», der unter anderem das Steuerpotenzial des Kantons berücksichtigt. Zehn Prozent des Restdefizits wird künftig der Kanton Basel-Stadt als Abgeltung des Standortvorteils tragen.

Am Schluss der Veranstaltung sind die Mienen noch heiterer als zu Beginn. Kein Wunder, angesichts der schönen Bescherung.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt