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Trockenheit dörrt Wiesen und Weiden aus

Baldiger Regen kann noch viele landwirtschaftliche Kulturen retten – für den Futterbau kommt jedoch jede Hilfe zu spät.

Braune Felder: Nach dem Schnitt werden die Felder sofort braun, und es wächst kein Gras mehr nach. Auch der Mais leidet schon erheblich.
Braune Felder: Nach dem Schnitt werden die Felder sofort braun, und es wächst kein Gras mehr nach. Auch der Mais leidet schon erheblich.
Dominik Plüss

Der Mais ist vor allem im oberen Baselbiet im Trockenheitsstress. Die Pflanzen rollen die Blätter zusammen, um sich zu schützen. Und nach dem Einbringen des Dürrfutters, des sogenannten Emds, werden die Wiesen sofort braun. Im Futterbau der Landwirtschaft herrscht derzeit Alarmstimmung; denn dass auf Wiesen und Weiden dieses Jahr noch weitere Erträge anfallen, ist sehr unwahrscheinlich.

Mit der Konsequenz, dass es dann im Winter an Dürrfutter fehlt. «Kommt der Regen bald, kann die Katastrophe in der regionalen Landwirtschaft durchaus noch aufgehalten werden, ausser im Futter- und im Feldgemüsebau», sagt Andreas Buser, Leiter der Abteilung Spezialkulturen im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain (LZE).

Feldgemüse gedeiht derzeit nur noch mit Bewässerung. Und Letztere scheitert inzwischen an der Unmöglichkeit der Wasserentnahme aus Fliessgewässern. «Vieles in der Landwirtschaft hängt davon ab, was in den nächsten zwei Wochen geschieht», sagt Andreas Buser. Klar sei aber, dass es nun Regen brauche und zwar viel.

Nur junge Rebstöcke in Gefahr

So etwa lässt sich die gegenwärtige Situation der unter Hitze und Trockenheit leidenden regionalen Landwirtschaft beschreiben. Es gibt aber auch positive Nachrichten: Eine grosse Kirschenernte konnte noch rechtzeitig eingebracht und vermarktet werden. Und auch beim Getreide waren gute Erträge zu verzeichnen. Doch jetzt könnte es problematisch werden. Im Moment ist die Zwetschgenernte voll im Gange. Zwar konnten die Zwetschgenbäume noch bewässert werden. An den Früchten aber sind laut Andreas Buser teilweise schon schorfartige Hitzeschäden festzustellen. Das Ausmass sei aber noch nicht abschätzbar.

Noch keine Alarmstimmung herrscht im Rebbau. «Die Ertragsreben halten solche Bedingungen in der Regel problemlos aus», sagt Andreas Buser, der im Baselbiet auch Rebbaukommissär ist. Das trifft allerdings nicht für junge Reben in den ersten zwei bis drei Jahren zu. Diese sind im Moment gefährdet, vor allem dann, wenn sie auf Schotterböden stehen, die kaum Wasser speichern können.

Festzustellen ist jedoch laut Andreas Buser, dass der Reifeprozess bei den Trauben inzwischen zum Stillstand gekommen ist. Nachdem bei den roten Sorten dieses Jahr schon sehr früh die Farbe von grün zu blau zu wechseln begann, sind seit rund einer Woche keine Änderungen mehr festzustellen.

Mit einer rekordfrühen Weinernte sei jedenfalls in diesem Jahr nicht zwingend zu rechnen. Zudem gilt im Weinbau: Die Hitze im Hochsommer macht den guten Jahrgang noch nicht aus. Ja, sie könnte im schlimmsten Fall sogar Sonnenbrandschäden oder Notreife zur Folge haben.

Noch kaum negativ in Erscheinung getreten ist in diesem Sommer die Kirschessigfliege. Laut Buser hat sie vor allem die nicht gepflückten Früchte an den Hochstamm-Kirschbäumen heimgesucht. Grundsätzlich sei aber heisses und trockenes Wetter nicht ideal für die Kirschessigfliege.

Noch wenig kann der Spezialist aus dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain zu den Äpfeln sagen. Grundsätzlich würden Hochstammbäume aber tief wurzeln und seien nicht so trockenheitsanfällig. «Und Tafelapfelbäume in Anlagen werden bewässert», sagt Buser.

Immer wieder Trockenheit

Wie beim Wald stellt sich aber auch in der Landwirtschaft die Frage nach einem Strukturproblem. Noch sei die Lage nicht mit derjenigen von 2003 zu vergleichen, wird in Meteorologenkreisen geltend gemacht. In den letzten zehn Jahren waren aber immer wieder Trockenheitsperioden zu verzeichnen, 2011, 2015 und 2017. Laut dem Agronomen aus dem LZE ist es durchaus möglich, dass die Sommer heisser und trockener geworden sind. «Vielleicht sind wir aber sensibler geworden», sagt Andreas Buser.

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