Tagesrekord: 20,35 Meter

Amüsante Rede, Safari im Erntewagen, Kirschensteinspucken. Wäre es nur etwas kühler gewesen.

Wer sich beim Kirschensteinspucken in Wintersingen qualifiziert hat, darf an die Schweizer Meisterschaften in Zürich.

Wer sich beim Kirschensteinspucken in Wintersingen qualifiziert hat, darf an die Schweizer Meisterschaften in Zürich.

(Bild: Pino Covino)

«Für mich bedeutet die Kirsche schlicht Heimat.» Der Hemmiker Autorin Barbara Saladin war es vorbehalten, am Chirsifescht in Wintersingen die Festansprache zu halten.

Saladin strich heraus, welch prägende Wirkung diese Frucht, die einst der Feldherr Lucullus vom Schwarzen Meer nach Europa gebracht haben soll, auf das Baselbiet noch immer hat. Sie lieferte einige Zahlen und schliesslich noch ein umweltpolitisches Statement.

Dass Kirschensorten Namen wie Muttenzer, Schauenburger oder Gelterkinder tragen, weise auf die Bedeutung der Kirsche für das Baselbiet hin, folgerte Saladin. «Lange war die Steinobsternte eine wichtige Erwerbsquelle der Landbevölkerung, was sich in den Baselbieter Sagen niederschlug.» Zum Beispiel in jener vom Kirschengeist vom Tschoppenhof, der es nicht ertrug, wenn jemand Kirschbäume fällte.

Von Bauern und Beratern

Die Zahlen waren so imposant wie amüsant. Etwas weniger als 3000 Personen seien es, die im Baselbiet noch von der Landwirtschaft lebten. Das entspreche etwa 2 Prozent der Erwerbstätigen oder der Anzahl Unternehmensberater im Kanton. Im Jahr 2018 seien in der Schweiz auf 58'673 Aren Kirschen gepflückt worden. Mehr als ein Viertel dieser Fläche liege im Baselbiet.

Politisch wurde es, als es ums Fressen ging. «Ich weiss nicht, wieso ich Rindfleisch aus Uruguay essen soll», es gebe doch genügend Rinder in der Umgebung. Es sei doch nicht nötig, Spargel aus Peru zu importieren, Erdbeeren und Äpfel aus Chile. Sie esse lieber Baselbieter Rinder und Kirschen, belaste nicht unnötig die Umwelt und unterstütze die heimische Wirtschaft.

Enormer Zusatzaufwand und schlaflose Nächte

«Unsere Kirsche hat es im Laden immer schwerer, denn ihr gegenüber steht eine riesige Palette an exotischen Früchten», bestätigte Stefan Ritter, Präsident des Vereins Öffentlichkeitsarbeit Baselbieter Obst. Früchte, die von weit her kommen, oft unreif geerntet werden müssen, um den langen Transport zu überstehen. Für die Baselbieter Kirsche spreche «Geschmack, Aussehen, Frische, Regionalität und Saisonalität».

Stefan Ritter sprach von einem der besseren Erntejahrgänge, den das Baselbiet gerade ins Trockene bringe. Ende April, Anfang Mai sorgten noch drei frostige und feuchte Wochen mit zusätzlich etwas Schnee für besorgte Obstbauern. «Das führte in vielen Obstbetrieben zu enormem Zusatzaufwand und schlaflosen Nächten», wusste Ritter.

Unschlagbarer Meister

Die heissen 37 Grad lockten das Publikum nicht in Scharen auf den Hof Breitfeld oberhalb Wintersingen. Wer trotzdem kam, durfte auf einer Kirschen-Safari in Erntewagen durch eine Niederstammanlage einiges an Wissenswertem über die Kirschenproduktion erfahren. Ein Streichelzoo und eine Spielolympiade unterhielten die Kinder, während die «Alphorngruppe am Waldrand» für die Musik sorgte.

Stattliche 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beteiligten sich am Kirschensteinspucken. In der Kategorie der Damen triumphierte Jeanette Niklaus. Ihr Stein flog 11,70 Meter weit.

Die Königin der Früchte

Der amtierende Schweizer Meister, Gustav Gantenbein, war unantastbar in der Kategorie Herren. Er spuckte im Final 19,99 Meter weit, in der Qualifikation gar 20,35 Meter. In der Kategorie Kinder bis Jahrgang 2004 siegte David Brunner mit 9,84 Metern. Sie alle dürfen an den Schweizer Meisterschaften vom 4. Juli im Hauptbahnhof von Zürich teilnehmen.

«Das Fest ist der perfekte Botschafter für die Königin der Früchte», lobte die Baselbieter Regierungspräsidentin Monica Gschwind. Was die Bauern leisten, nannte Gschwind «wirklich einen Krampf», bezeichnete die Landwirte gleichzeitig als «sehr innovativ». Sie verriet, dass sie gerne mit dem Rennvelo durchs Baselbiet fahre, wenn die Kirschbäume blühen. Unvergesslich geblieben sei ihr, wie sich vor zwei Jahren die Baselbieter und die Zuger Exekutive trafen, und beide hatten als Geschenk Kirsch im Gepäck. Monica Gschwind sagte mit einem Lächeln zum Publikum: «Ich liebe die Kirsche in allen Formen heiss.»

Basler Zeitung

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