Die Äpfel sind der Kälte entkommen

Im Baselbiet werden zurzeit Birnen und Äpfel geerntet. Nach der schlechten Steinobsternte hoffen die Baselbieter Bauern auf eine gute Kernobsternte. Erwartet werden weniger Früchte als sonst, die jedoch eine hohe Qualität haben.

Verglichen mit der diesjährigen Steinobsternte sieht die laufende Kernobsternte ziemlich gut aus. Denn die Steinobsternte war miserabel. «Der verhehrende Kälteeinbruch vom 23. März dauerte ohne Unterbruch bis Ende April und führte dazu, dass mehr als die Hälfte der Blüten erfroren», sagt Hansueli Wirz, der Präsident des Baselbieter Obstverbandes. Somit lag die Ernte des Steinobstes im Sommer beträchtlich unter der Erwartung der Baselbieter Bauern.

Anders als das Steinobst, das im Frühling blüht und im Sommer gepflückt wird, blühen die Äpfel und Birnen Ende Frühling und werden erst im Herbst geerntet. Dadurch entkamen sie auch dem Kälteeinbruch. Trotzdem verläuft die Ernte der Äpfel und Birnen bisher nicht so, wie die Bauern sie gerne gehabt hätten. Mengenmässig fällt die diesjährige Kernobsternte schlechter aus als letztes Jahr. Laut der Ernteschätzung 2008 des Schweizer Obstverbandes wird in diesem Jahr bei den Schweizer Apfelkulturen mit 132 640 Tonnen eine knapp 15 Prozent geringere Ernte erwartet als im Vorjahr. Bei den Birnenkulturen wird mit rund 15 500 Tonnen eine nahezu halb so grosse Ernte geschätzt wie im vergangenen Jahr. «Grund für die geringere Menge ist wahrscheinlich, vor allem bei den Birnen, die letztjährige Grossernte,» sagt Martin Linemann, Zuständiger für den Obst- und Weinbau im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Denn die Fruchterträge an fruchtenden Bäumen schwanken im zweijährigen Rhythmus, bei dem jede zweite Ernte gut und jede andere Ernte schlechter ausfalle, sagt Linemann.

«Die Menge der geernteten Äpfel und Birnen variieren von Dorf zu Dorf», sagt Wirz. Denn die Bäume im Oberbaselbiet blühen aufgrund von kleinen Temperaturunterschieden später als die Bäume des unteren Baselbiets. Somit hätten sie noch mehr Zeit, sich zu entwickeln. Durch die späte Blütezeit entgehen die Bäume den Kälteeinbrüchen des Frühlings. «Die Ernte im Oberbaselbiet fällt darum meist besser aus als die des Unterbaselbiets», so Wirz. Die Qualität der Birnen und Äpfel habe aber nicht nachgelassen, sondern eher zugenommen. Durch vermehrtes Spannen von Hagelschutznetzen konnten die Bauern dieses Jahr gröbere Regenschäden vermeiden. «Damit bleiben die Früchte schön und verkaufen sich besser», so Hansueli Wirz.

Aus der Region.

«Die meisten Bauern im Baselbiet verkaufen ihre Früchte im Direktverkauf ab dem Hof», sagt Wirz. Dass der Verkauf an Filialen abnimmt, spüren die Grossverteiler nicht. «Wir können immer noch genügend Kernobst aus der Region zum Verkauf anbieten», sagt Dieter Wullschleger, Pressesprecher der Migros Basel. Dieses werde auch als «aus der Region» gekennzeichnet. Im Moment bestehe also kein Grund zur Sorge. Es könne passieren, dass das Angebot an qualitativ geeigneten Früchten aufgrund von Fäulnis oder sonstigen Krankheiten zu klein werde. Denn die Nachfrage nach Produkten aus der Region wird immer grösser. «In diesem Fall würden wir Äpfel aus den restlichen Regionen der Schweiz einkaufen.» Diese trügen dann allerdings nicht das Label «aus der Region».

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt