Zum Hauptinhalt springen

Sterbehelferin Erika Preisig findet, ein begleiteter Freitod solle möglich sein

Pfarrer und Spitalseelsorger Gerhard Gerster und Sterbehelferin Erika Preisig sprachen in Muttenz an einem von der EVP organisierten Anlass über die verschiedenen Wege des Sterbens.

«Hilfe beim Sterben oder Hilfe zum Sterben?», fragte am Mittwochabend die EVP Muttenz-Birsfelden und lud mit Gerhard Gerster und Erika Preisig zwei Persönlichkeiten ein, die im gleichen Feld auf unterschiedliche Art und Weise wirken.

Als evangelisch-reformierter Pfarrer und Seelsorger im Felix-Platter-Spital und Betreuer der Mobilen Seelsorge und von Spiritual Care – beides interreligiöse Gemeinschaftsprojekte – begleitet Gerhard Gerster Menschen im Rahmen der Palliative Care, in der versucht wird, auf dem letzten Lebensabschnitt Schmerzen, Atemnot und Ängste zu lindern. Die Baselbieter Ärztin Erika Preisig ist mit ihrem Verein Lifecircle und der Stiftung Eternal Spirit schweizweit als Sterbehelferin bekannt. Da prallen verschiedene Weltanschauungen aufeinander, mochte man sich denken. «Ihre Haltungen sind nicht ganz so gegensätzlich, wie es anfänglich schien», merkte nach den beiden Referaten ­Organisatorin Corina Schweighauser von der EVP an. «Beiden geht es darum, das Lebensende so angenehm wie möglich zu ­gestalten.»

Erika Preisig betonte dann auch mehrfach, wie wichtig ihr als Ärztin Palliative Care sei. Das dahin gehende Angebot müsse ausgebaut werden. Die Option des begleiteten Freitods solle aber möglich sein. «Mir ist wichtig, dass jeder seinen Weg gehen kann, den er sich wünscht.» Für Gerhard Gerster kommt persönlich ein begleiteter Freitod nicht infrage. «Ich akzeptiere diesen aber als Teil einer Integralentscheidung.» Für Erika Preisig schliessen sich Palliative Care und Sterbehilfe nicht gegen­seitig aus. Ein Grossteil ihrer ­Patientinnen und Patienten würde im Rahmen der Palliative Care und nicht durch Sterbehilfe aus dem Leben scheiden, stellte sie klar.

Keine kritischen Fragen

80 Prozent der Menschen, die wünschen, zu Hause sterben zu können, sterben in einem Spital oder im Alters- und Pflegeheim, rechnete Pfarrer Gerhard Gerster vor. «Wunsch und Realität klaffen vielfach auseinander.» Die Antwort darauf laute eben Palliative Care. Dabei gelten Selbstbestimmung, Würde und die Akzeptanz der Endlichkeit als Massstäbe im Kompass des Sterbeprozesses.

Diese Selbstbestimmung geht für Erika Preisig eben den einen entscheidenden Schritt weiter, in dem der Mensch auch über seinen Tod frei bestimmen kann, genauso wie er zuvor ein Leben lang Verantwortung getragen habe. «Von der Kunst, in Selbstbestimmung zu leben und zu sterben», lautete der Titel ihres Vortrags. Das Sterben zulassen brauche manchmal mehr Mut, als jemanden für eine Behandlung ins Spital zu schicken. Mehrfach betonte Erika Preisig das Prinzip «sterben dürfen, nicht sterben müssen».

Obwohl die Veranstaltung von einer christlich geprägten Partei organisiert war, kamen im Publikum keine kritischen Fragen zur Sterbehilfe auf, im Gegenteil.

Ein Mann fragte Erika Preisig, warum der ganze Prozess des begleiteten Freitods so aufwendig ist und man sogar noch beim Staat darum bitten muss, um sterben zu dürfen. Preisig betonte die Wichtigkeit dieser Richtlinien und auch, wie wichtig es sei, dass Angehörige in den Sterbewunsch eingeweiht werden. Der Trauerprozess könne so schon im Vorfeld des Todes stattfinden, und die Angehörigen bleiben nicht wie bei einem überraschenden Suizid mit ihrem Schock zurück.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch