So entsteht ein Baselbieter Spitzenwein

Video-Reportage

Ein Syydebändel Pinot Noir Sélection 2009 aus dem kleinen Rebbaukanton Baselland wurde am Grand Prix du Vin Suisse ausgezeichnet – das ist den Produzenten Ansporn für weitere Grosstaten. Nun reift ein neuer kräftiger Jahrgang heran.

Ein verregneter Morgen im November. Unter dem Vordach der Weinkellerei Heuberger im aargauischen Bözen stehen drei gutgelaunte Männer. Es sind Bruno Wirth und Daniel Wiedmer, die beiden Co-Präsidenten der Maispracher Winzer-Genossenschaft Syydebändel, sowie Rolf Heuberger, der für die Verarbeitung der Baselbieter Trauben zuständig ist. Das schlechte Wetter kann ihrer Heiterkeit nichts anhaben – die diesjährige Traubenernte ist im Trockenen. Ebenso die Goldmedaille am Grand Prix du Vin Suisse für den drittbesten Schweizer Pinot Noir.

Besser als die Konkurrenz aus dem Wallis

Die Auszeichnung durften die Winzer Ende Oktober in Bern an der grossen Gala des Schweizer Weins entgegennehmen (die BaZ berichtete). «Das ist fantastisch, wenn man bedenkt, dass nicht einmal ein Prozent der Schweizer Rebbaufläche im Baselbiet liegt», sagt Co-Präsident Bruno Wirth. Trotzdem habe es der Syydebändel unter den 422 Mitbewerbern vor alle Walliser und Bündner Konkurrenten geschafft. Dass der Baselbieter Rotwein so gut abschnitt, überrascht Co-Präsident Daniel Wiedmer: «Obwohl unser Pinot Noir nicht im Eichenfass gelagert wurde, hat es der Wein auf den dritten Rang geschafft.» Anders als viele der andern geprüften Weine ist der ausgezeichnete Syydebändel Pinot Noir Sélection 2009 nämlich im Stahltank gereift.

Im Moment sind die Stahltanks im Erdgeschoss der Kellerei Heuberger aber noch leer, die 26 000 Kilo Trauben der jüngste Ernte gären im Dachstock – eine zähflüssige, violette Brühe. Nur die besten Ernteanteile haben es in die grossen Kunststoffwannen geschafft. Die strikte Qualitätssicherung ist einer der Schlüssel zum Erfolg des Syydebändel-Weines. «Es kann durchaus sein, dass ein Winzer unserer Genossenschaft in einem Jahr keine Trauben liefern darf, wenn die Qualität nicht stimmt», erklärt Bruno Wirth.

«Der hohe Aufwand im Rebberg ist sicher mitentscheidend für den Erfolg», bestätigt Kellermeister Rolf Heuberger, in dessen Händen nach der Ernte das Schicksal der Syydebändel-Trauben liegt. Ein weiterer Grund sei die aufwendige Vinifikation, bei welcher das Traubengut aufgeteilt und auf drei verschiedene Arten verarbeitet wird. «Ein relativ grosser Aufwand», erklärt Heuberger. Viele Winzer hätten im Herbst keine Zeit mehr für solche Arbeiten. Beim Syydebändel aber entstehen auf diese Weise aus einer Traubensorte drei unterschiedliche Weine, die sich nach dem Pressen zum preisgekrönten Pinot Noir Sélection vereinen. Im Stahltank, nicht im Eichenfass.

Gibt 2010 erneut einen Spitzenwein her?

Nun soll ein würdiger Nachfolger des vergoldeten Sélection Pinot Noir 2009 entstehen. Die Chancen dafür sind intakt: «Man merkt, dass die Trauben Kraft haben – die sind nicht schwach auf der Brust», sagt Rolf Heuberger, «mit dieser Traubenqualität mache ich mir keine Sorgen.» Der Normalverbraucher werde keinen Unterschied zum preisgekrönten Vorgänger ausmachen. Den letzten Jahrgang zu überbieten dürfte aber schwierig werden. «2009 war von der Witterung, vom Reifeverlauf und vom Krankheitsdruck her ein perfektes Jahr», erklärt Wirth. Der neue Syydebändel werde wohl nicht ganz an seinen Vorgänger herankommen. Dennoch erwartet der Winzer auch dieses Mal einen Wein, der deutlich über dem Mittelwert liege – auch dank der entscheidenden vier bis fünf sonnigen Herbstwochen vor der Ente, die den Reifeprozess noch ein letztes Mal beschleunigt haben.

Wird die Genossenschaft Syydebändel also beim Grand Prix du Vin Suisse 2011 nachdoppeln können? «Das wird schwierig», sagt Rolf Heuberger, «aber wir geben unser Bestes, um den Erfolg zu wiederholen.» Bis dahin kümmert sich der Kellermeister um den jüngsten Syydebändel Pinot Noir Sélection. Bis im nächsten September soll dieser abgefüllt und fertig für den Verkauf sein. Schliesslich muss im Keller Platz geschaffen werden für die neuen Trauben, die dann bereits in den Wannen im Estrich gären werden.

baz.ch/Newsnet

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