So bringt die InterGGA Gemeinden um Millionen

Knapp 2 Millionen Franken jährlich könnten die Gemeinden mehr einnehmen, wenn sie beim bisherigen Provider bleiben.

Joël Hoffmann

Das Einhalten von Budgets ist heute auch für Gemeinden eine Herkules-Aufgabe. Oft streichen sie schmerzhaft Leistungen zusammen – allen voran die grossen Gemeinden wie Reinach und Binningen. 12 Gemeinden aber, die gemeinsam den Kabelnetz­betreiber InterGGA besitzen, verzichten im Gegenzug grosszügig auf Millionen-Einnahmen – wie BaZ-Recherchen zeigen, auf Provisionen, die ihnen die InterGGA zukommen lassen könnte.

Einzig die Binninger machen eine Ausnahme: Sie haben das teure Geschäftsmodell der InterGGA hinterfragt und beziehen nun die TV-, Internet- und Telefonie-Signale direkt vom Provider Improware, was ihnen jährlich gut 252'000 Franken in die Kasse bringt.

Kein Best-Case und auch kein Worst-Case

Doch von vorne: Der Kabelnetz­betreiber InterGGA koordinierte bisher die Kabelnetze seiner Besitzergemeinden. Der bisherige Provider Improware lieferte 20 Prozent seiner Einnahmen mit Telefonie-, Internet- und TV-Abonnenten an die InterGGA. Diese hat die Hälfte dieser Provisionen behalten und die anderen 10 Prozent an die Gemeinden ausgeschüttet.

Zu wenig sei das, sagte Binningen und verkündete den Ausstieg. Die InterGGA ihrerseits versprach den Aktionärsgemeinden, dass die Provisionen mit dem Providerwechsel zu Quickline steigen würden. Konkrete Zahlen wollte InterGGA-Verwaltungsratspräsident Karl Schenk bisher nicht nennen.

Es hänge davon ab, wie viele Konsumenten am Ende des Providerwechsels bei der InterGGA noch ­Kunden sind, hiess es. Ein Best-Case- oder ein Worst-Case-Szenario, das es den Gemeinderäten erlauben würde, die Geschäftsgrundlagen der InterGGA zu überprüfen, lieferte Schenk bis heute nicht – selbst auf Druck von Binningen nicht.

Lückenhafte Jahresberichte

Im Gegenteil: Der Kabelnetzbetreiber erschwert es seinen Gemeinde­räten, sich ein eigenes Bild über die Provisionen zu machen. Jährlich erhalten die 13 Besitzer zwar eine Provision, eine Art Umsatzbeteiligung an den Abos der Konsumenten. Doch in den Jahresberichten der InterGGA fehlen die wichtigsten Informationen. Die Gemeinde­räte können die ihnen ausbezahlten Provisionen weder auf einen Blick sehen, noch nachrechnen. Um das InterGGA-Modell mit anderen Firmen und ihren Konditionen vergleichen zu können, sind die Jahresberichte schlicht zu lückenhaft. Entweder sind in den einen Berichten Provisionen nicht aufgeführt, dafür aber die Abo-Zahlen. In den anderen Fällen steht das Total der Provisionen, es ist aber nicht aufgeschlüsselt auf die Aktionäre.

Zudem fehlen dann wiederum die Abo-Zahlen der Gemeinden. Ob dies Absicht des Verwaltungsrates ist oder welche Gründe sonst für solche lückenhaften Jahresberichte sprechen, bleibt unklar. Klar ist hingegen, dass die InterGGA diese unvollständigen Jahresberichte gar nie veröffentlichen wollte und auch die Gemeinden dazu anhielt, die Berichte nicht herauszugeben. Provision auf Kosten der Kunden

Wer aber die Powerpoint-Präsentationen, die die InterGGA gerne an Aktionärsversammlungen zeigt, in Beziehung zu den Jahresberichten bringt, kann durchaus die entscheidenden Berechnungen anstellen. Es zeigt sich eines: Den Gemeinden entgehen – weil sie nicht auf das Modell Binningen setzen – jährlich 1,81 Millionen Franken. Die Unterschiede zwischen den Provisionen, die die InterGGA an die Gemeinden ausschüttet, und den Provisionen der Improware sind frappant: Reinach als grösste InterGGA-Beteiligte erhält Netto 151'940 Franken pro Jahr mit der neuen InterGGA.

Wäre die Gemeinde direkt bei Improware hätte sie netto 536'756 Franken. Das ist eine Differenz von fast 400'000 Franken. Auch für die kleinen Gemeinden bringt ein Vergleich Bri­santes hervor: Grellingen schreibt jährlich mit InterGGA einen Verlust von 3557 Franken. Mit der Improware hätte die Gemeinde Grellingen 10'177 Franken netto pro Jahr.

Voraussetzung für die Berechnungen der BaZ ist die Annahme, dass die InterGGA nach dem Providerwechsel von Improware zu Quickline gleich viele Kunden hat wie bisher. Weiter basiert die Berechnung auf dem Versprechen der InterGGA, dass die bisherigen Preise gleich bleiben. Eine Anmerkung am Rande: Dieses Versprechen hat der Kabelnetzbetreiber bereits gebrochen. Der Website intergga.ch ist neu zu entnehmen, dass die Kunden nur für sechs Monate in Genuss der ­versprochenen Preise kommen, bevor diese dann massiv über das Preisniveau von Improware erhöht werden. Die Folge davon: Die Gemeinden dürften künftig mit etwas höheren Provisionen rechnen, bezahlt wird dies aber von den Konsumenten mit höheren Abo-Preisen.

Zu der Berechnung selbst: Das Total der Provisionen ist dem Jahresbericht 2013 zu entnehmen. Die darin fehlenden Angaben über Internetanschlüsse pro Gemeinde sind dem Jahresbericht 2012 entnommen und für 2013 hochgerechnet. Die Zunahme 2013 von 4,5 Prozent geht wiederum aus dem Jahresbericht 2013 hervor.

Nach neuem Regime, wie die Powerpoint-Präsentation der InterGGA zeigt, sollen die Gemeinden maximal 20 Prozent Provision erhalten. Im besten Fall erhalten die Gemeinden also doppelt so viele Provisionen wie bisher. Doch wer wie Binningen direkt Leistungen beim bisherigen Provider Improware bezieht, erhält 40 Prozent.

Günstige Abo-Preise in Binningen

Von den Provisionen sind allerdings noch die Signal-Lieferkosten abzuziehen, welche die Gemeinden dem Kabelnetzbetreiber/Provider bezahlen. Auch hierbei bietet die Improware mit 84 Rappen pro Anschluss und Monat günstigere Konditionen als die InterGGA mit 1,51 Franken. Bleiben Kundenzahlen und Abo-Preise konstant, kommen die Gemeinden mit der Improware um 1'814'197 Franken pro Jahr besser weg als mit der InterGGA/Quickline.

Für die Binninger hat der Weg mit Improware zwei Vorteile. Die ­Abo-Preise bleiben weiterhin auf dem bisher günstigen Niveau und die Gemeinde nimmt eine viermal höhere Provision ein als bisher. Das Geld, das Binningen nicht für den Werterhalt seines Kabelnetzes benötigt, kann die Gemeinde künftig entweder dafür verwenden, theoretisch die Abos noch günstiger zu machen oder die Überschüsse in die normale Gemeinderechnung zu überführen – Geld, das die Gemeinde ­Binningen an­gesichts des Sparpaketes gut gebrauchen könnte.

Basler Zeitung

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