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Skelettierte Einwanderer in Reinach entdeckt

Bei einer Notgrabung im Rankhof wurden 17 neue Gräber gefunden, die für die archäologische Forschung weit über die Region hinaus von Bedeutung sind.

Männerskelett mit Schwert und Keramikgefäss.
Männerskelett mit Schwert und Keramikgefäss.
Suzan Afflerbach

Da lag sie, die Region um Basel, wie ein ungenutztes Juwel. ­Seit dem dritten Jahrhundert schwächten Germaneneinfälle, Bürgerkriege und Seuchen das Römische Reich. Die Bürger von und um Augusta Raurica zogen sich zur eigenen Sicherheit in ­befestigte Stadtteile zurück. Das offene Land entvölkerte sich mehr und mehr. Doch dieses brachliegende Land war wertvoll. Römische Gutshöfe betrieben eine perfekt durchorganisierte Landwirtschaft. Dieses Wissen war Gold wert, Grundbesitz bedeutete zu jener Zeit Reichtum.

Im freien Germanien, auf der anderen Seite des Rheins, herrschten damals diesbezüglich noch eher prähistorische Verhältnisse: «Die Germanen hatten in dieser Frühzeit einen anderen Lebensstandard. Sie wurden ­angezogen durch die römische Kultur. Die entvölkerten Gebiete waren für sie geradezu eine Einladung zu kommen», sagt Kantonsarchäologe Reto Marti. Zuzüger besiedelten das offene Land wieder.

Das galt auch für Rinacum, das heutige Reinach. Zwar war der Ort seit 2000 Jahren kontinuierlich bewohnt, weshalb sich der Name halten konnte, doch auch Einwanderer kamen hierher und verliehen dem dünn ­besiedelten Ort wieder Schub.

Bisher deuteten nur Siedlungsabfälle aus der Zeit um 550 nach Christus auf die Einwanderer hin – Archäologen fanden nicht nur die im Römischen Reich übliche, mit Drehscheiben getöpferte und professionell gebrannte Keramik, sondern auch einfachere, handgemachte Näpfe und Schalen. Die Tatsache, dass aus Rinacum Reinach wurde, ist ebenfalls ein Hinweis auf deutschsprachige Zugezogene.

Lücke geschlossen

Nun wurden bei einer Notgrabung im frühmittelalterlichen Gräberfeld im Rankhof 17 neue Gräber entdeckt, die diese Funde ergänzen und laut Archäo­logie Baselland eine wichtige Kenntnislücke schliessen. Sie stammen aus dem bisher ältesten Teil des Friedhofes. Die Überreste in diesen Gräbern sind nicht von Einheimischen. In den Gräbern lagen vor allem Männer. Unter den reichen Beigaben befanden sich Lang- und Kurzschwerter, Lanzen, eine sogenannte Franziska (fränkische Wurfaxt) und viele Keramikgefässe. Die Funde sind noch frisch und weder gereinigt noch restauriert. Deshalb könne man sie noch nicht exakt zuordnen. Vermutlich handelt es sich bei den Skeletten aber um Germanen aus dem Oberrheintal. Die Archäologen gehen davon aus, dass noch etliche weitere solche Gräber im Boden unter Reinach liegen.

Foto: Jan von Wartburg
Foto: Jan von Wartburg

Der neue Fund ist, in Kombination mit den früheren Entdeckungen, laut Marti besonders wertvoll. Eine solche Verbindung sei selten: «In Siedlungen findet man vor allem Abfall – kaputte Töpfe und Schlachtabfälle, wie Tierknochen, alles was weggeworfen wurde. Bei den Gräbern ist es das pure Gegenteil. Hier wurden den Verstorbenen bewusst wertvolle Gegenstände für das Jenseits mitgegeben. Das ist ein grosser Unterschied», sagt Marti und fügt an: «Diese seltene Verbindung macht Reinach für Archäologen deshalb extrem spannend.»

Die geplanten Bauarbeiten an der Baselstrasse können trotz der ausserordentlichen Funde fristgerecht begonnen werden.

Verziertes Keramikgefäss mit Henkel und Ausguss. Foto: Antonio Ligorio
Verziertes Keramikgefäss mit Henkel und Ausguss. Foto: Antonio Ligorio

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