Schwellheim sammelt Superlative

Die grösste Gemeinde im Kanton baut ihren grössten Park. Und eine Genossenschaft realisiert an der Heuwinkelstrasse einen Komplex mit der wohl grössten Fotovoltaikfassade des Landes.

Vom grössten Hunde-WC Allschwils zum vielseitigen Naherholungsgebiet: der Wegmattenpark, wie er ab Sommer 2021 aussehen soll.

Vom grössten Hunde-WC Allschwils zum vielseitigen Naherholungsgebiet: der Wegmattenpark, wie er ab Sommer 2021 aussehen soll.

Jan Amsler

Das Wort «vermutlich» lassen die Kommunikationsspezialisten gleich weg: «Mit der 2500 Quadratmeter grossen Fotovoltaikfläche erhält Allschwil einen Wohnungsbau mit der grössten Fotovoltaikfassade schweizweit», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Ob das stimmt, kann aufgrund fehlender Datenerhebung nicht verifiziert werden. Aber auch Michael Tschofen weiss von keiner vergleichbaren Anlage. Der Architekt ist stellvertretender Geschäftsführer der Bau- und Wohngenossenschaft Graphis, die hier als Investorin fungiert. Die über 70 Jahre alte Institution mit Sitz in Bern hält 18 Siedlungen in neun Kantonen in ihrem Portfolio – gesamthaft sind es 1300 Wohnungen.

Die Überbauung Heuwinkel mit der Fotovoltaikanlage im Ausmass von zehn Tennisplätzen ist nicht das einzige Projekt, das mit Superlativen beschrieben wird. Auch der Wegmattenpark, ein Vorhaben der Einwohner­gemeinde selber, sticht heraus: «Ziel der Gemeinde ist es, Allschwils grössten Park, der nun aufgewertet und erweitert wird, im Frühjahr 2021 zu eröffnen.»

Das grösste Hunde-WC Allschwils soll sich verändern

Heute wird der Park an der Ecke Baslerstrasse/Baselmattweg im Volksmund als «grösstes Hunde-WC Allschwils» bezeichnet. Das soll sich ändern. Mit der Aufwertung sollen hier unter anderem ein Pavillon, ein Grillplatz, ein Klettergerüst, ein Wasserspiel, ein öffentliches WC, ein Fuss- und Radweg sowie eine Mehrzweckfläche – etwa für Märkte oder Zirkusse – zu stehen kommen. Die Kosten betragen rund 2,8 Millionen Franken.

Die Maschinenführer sind ­bereits an der Arbeit. Dank der Webcam unter www.allschwil.ch lässt sich der Fortschritt live mitverfolgen. Bis Ende September und dann wieder ab April 2020 ist der Park teilweise zugänglich, dazwischen bleibt er komplett gesperrt.

Leuchtturm für 30 Millionen

Mit der Fertigstellung dieses 26'000-Quadratmeter-Parks wird ein Politikum beigelegt. Bis vor ungefähr zehn Jahren gab es hier Schrebergärten. Ein Bauprojekt wurde daraufhin abgelehnt. Erst mit der Annahme des «Masterplans Wegmatten» im Jahr 2012 konnte die Zukunft des Gebiets geklärt werden. Neben dem Park entsteht auf dem Areal Wegmatten ausserdem eine Überbauung mit vier Hochhäusern.

Nicht vier, sondern zwei ­Gebäude sind derzeit beim Fotovoltaik-Leuchtturmprojekt Heuwinkel in Bau. Die beiden Liegenschaften bieten Platz für 65 Genossenschaftswohnungen und kosten – ohne das Land – rund 30 Millionen Franken.

Speziell an der Fotovoltaik­anlage ist neben ihrer Grösse, dass die Panels nicht nur auf dem Dach zu finden, sondern auch in der Gebäudefassade integriert sind. Es soll ein Glas mit Struktur und möglichst geringer Spiegelung eingesetzt werden. «Ab ein paar Metern Distanz wird man der Fassade die Fotovoltaikanlage gar nicht ansehen», sagt Michael Tschofen. Ausser an den Fenstern und im Sockelbereich wird die gesamte Fassade zur Energiegewinnung genutzt. Dennoch reicht der produzierte Strom nicht aus, um die beiden Blöcke komplett zu versorgen. Tschofen rechnet damit, dass Elektrizität im Umfang von mindestens dem halben Eigenbedarf hergestellt wird.

Mietzinse, die unter dem Marktpreis liegen

Es ist aber nicht so, dass der hier fabrizierte Strom auch ausschliesslich hier genutzt wird. Wird mehr produziert als benötigt, fliesst der Überschuss ins Netz der Energieversorgerin ­Primeo Energie. Das wird tagsüber der Fall sein. In der Nacht beziehen die beiden Liegenschaften den Strom wiederum aus dem Netz. Auf einen Speicher wird verzichtet. «Die Technologie ist noch nicht ausgereift und zu teuer», sagt Tschofen.

Neben dem Solarstrom nutzen die Verantwortlichen bei den Minergie-Gebäuden auch Erdwärmesonden. Die Wohnungen und das Wasser werden dadurch gänzlich ohne fossile Brennstoffe geheizt. Ökologisch ist auch das Dach: Unter den aufgeständerten Fotovoltaik-Panels werden die über 1'200 Quadrat­meter grossen Flachdächer begrünt – ein Zuhause für zahlreiche ­Lebewesen.

Die Wohnungen sollen im Frühling 2021 bezugsbereit sein. Tschofen stellt Mietzinse in Aussicht, die unter dem Marktpreis liegen sollen. Wer hier einziehen will, muss aber Genossenschafter werden. Das bedeutet, er muss Anteilsscheine kaufen. Pro Zimmer werden 2'000 Franken verlangt. Das Geld wird verzinst und bei Wegzug zurückerstattet.

Getarnt: die Anlage an der Fassade des Heuwinkel-Baus.

Basler Zeitung

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