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Römer hatten im Baselbiet einen grossen Stausee

Die Fachleute sind sich ziemlich sicher: Zur Römerzeit gab es bei Liestal einen Stausee.

«Ein Stausee ist sehr wahrscheinlich.» Reto Marti, Leiter der Archäologie Baselland, ist überzeugt: Die Talsohle des Ergolztals zwischen Lausen und Liestal war einst von einem Stausee bedeckt. Anders sei es gar nicht möglich gewesen, die Römerstadt Augusta Raurica, eine wahre Metropole für ihre Zeit mit einstweilen bis zu 15'000 Einwohnern, mit genügend Wasser zu versorgen.

24'000 Kubikmeter, schätzt man, flossen täglich aus dem Ergolztal in die Stadt. Auf diese Wassermenge war auch die Leitung ausgelegt, die just im Grenzgebiet zwischen Lausen und Liestal ihren Anfang nahm und noch heute in Fragmenten erhalten ist.

Die hiesigen Quellen hätten nie und nimmer einen derartigen Wasserbedarf gedeckt. Die Ergolz allerdings schon. Also stauten die Römer den Fluss kurzerhand. Darüber sind sich Archäologen nunmehr einig. Beweise dafür, Überbleibsel eines Stauwehrs etwa, hält man keine in Händen; und Kantonsarchäologe Marti ist sich ziemlich sicher, dass auch keine mehr existieren. Aber Indizien. Und diese Indizien verdichteten sich im vergangenen Jahr dermassen, dass Marti gestern vor die Medien trat und im Rahmen seines jährlichen Öffentlichkeitsberichts konstatierte, dass ein Stausee eben sehr wahrscheinlich sei.

Archäologen setzten Puzzle aus Funden zusammen

Es sind lose Puzzleteile, die zur Stauseehypothese führen. Fast 100-jährige Luftaufnahmen, ein längst verschwundener Weg, der von der veränderten Topografie zeugt, der 1574 erwähnte Flurname «Am alten Weiher», Ziegelschrotmörtel, ein typischer Bestandteil römischer Wasserbauten, schliesslich die Position der vermuteten Staumauer an der engsten Stelle des Tals.

Gewichtigstes Indiz – und gemäss Archäologe Andreas Fischer eben doch beinah ein Beweis – sind Ablagerungen im Untergrund des einstigen, geschätzt rund 400 Meter langen Sees: sogenannte Stillwassersedimente. «Sie zeigen, dass an dieser Stelle über einen längeren Zeitraum Wasser gestanden hatte, das nie stärkeren Strömungen ausgesetzt war», erklärt Marti.

Der Stausee würde auch die grosse Bedeutung erklären, die man der einstigen Römersiedlung Batiniacum oder eben Bettenach zuschreibt, auf deren Zentrum noch heute die Kirche von Lausen hinweist und die an den Ufern des vielleicht Lacus Batiniacum genannten Gewässers lag.

Funde von Getreidepollen (Ackerbau) und Dungpilzsporen (Viehhaltung) im Stillwassersediment deuten darauf hin, dass Stauwehr und See bis ins Mittelalter hinein existierten und das künstliche Gewässer erst etwa mit der Aufgabe Bettenachs im 12. Jahrhundert verlandete.

Rätselhaftes Mondhorn

Von Lausen nach Muttenz. Dort entdeckten die Archäologen vergangenes Jahr an der Hauptstrasse 25 das älteste noch erhaltene Bauernhaus des Kantons. Und es brachte eine ganz neue Erkenntnis: Man ging stets davon aus, dass der klassische Haustyp aus Wohnteil, Tenn und Stall frühestens ab dem 16. Jahrhundert gebaut wurde. Dieses hier aber, das belegen Bauhölzer im Gebälk, wurde 1471 bis 1473 erbaut und damit mindestens ein Jahrhundert früher.

Aber Archäologie beruht eben meist auf Spekulationen und Verdachtsmomenten, selten auf Belegen. Das gilt auch für das tönerne Mondhorn, das den Archäologen in Reinach ins Netz ging. Man diskutiert in Fachkreisen nämlich bis heute heiss darüber, welche Funktion die Hörner erfüllten. «Als Grillspiesshalter oder Nackenstützen haben sie nicht gedient», sagt Andreas Fischer augenzwinkernd, «darum gehen wir davon aus, dass sie einen kultischen Hintergrund haben.»

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