Rivalen bis zur Zweckehe

Der Konkurrenzkampf zwischen dem Basler Unispital und dem Kantonsspital Baselland widerspricht dem politischem Willen zur Fusion.

Bis zu einer allfälligen Spitalfusion muss sich das ­Kantonsspital Baselland alleine behaupten können.

Bis zu einer allfälligen Spitalfusion muss sich das ­Kantonsspital Baselland alleine behaupten können.

(Bild: Michael Koller)

Joël Hoffmann

In der Gesundheitsbranche runzelte man die Stirn ob den Plänen des Kantonsspitals Baselland (KSBL) für ein Ambulatorium am Bahnhof Liestal. Bis zu 40 Ärzte und sogar Operationssäle waren vorgesehen – ein Projekt, das der geplanten Tagesklinik Bruderholz ziemlich ähnlich sieht. Dieses Vorhaben kannibalisiert die Bruderholz-Klinik und widerspricht den Fusionsplänen der Regierungen, die einzig weitere Permanencen als Möglichkeiten aufführen. Die Basler jedenfalls standen ob der Neuigkeit wie Esel vor dem Berg, der ahnungslose Basler Gesundheits­direktor Lukas Engelberger war aufgebracht.

Offiziell beschwichtigte das Baselbiet: Es werde nur geprüft, Permanencen seien gemäss Fusionsabkommen möglich. Man hoffte, dass die gezündete Nebelpetarde den neusten Riss zwischen Stadt und Land verdecken würde. Und mit dem BaZ-Bericht letzte Woche, wonach das KSBL – offiziell abgesegnet durch den Gesundheits­direktor Thomas Weber – das Gross­projekt bereits seit etwa einem Jahr heimlich und ohne Absprache mit ­Fusionspartner Engelberger vorantreibt, gab es Feuer im Dach. Die Telefonleitungen liefen heiss: von Liestal nach Basel und zurück. Heraus kam eine kurze Widerrede der beiden Spitaldirektoren Jürg Aebi (KSBL) und Werner Kübler (Unispital Basel), welche die BaZ gestern publiziert hat.

Die Spitaldirektoren schreiben, der Bericht über die geheime Agenda des Thomas Weber sei falsch, ohne auf die einzelnen, gut dokumentierten Punkte einzugehen. Um ein umfassendes De­menti ging es wohl auch nur am Rande. Aebi und Kübler wollten Einigkeit demonstrieren. Alles sei in Ordnung.

Weber hat von nichts gewusst

Dass in dieser Angelegenheit insbesondere die Geduld auf Basler Seite schwindet, zeigte sich bereits, als die KSBL-Pläne am Bahnhof Liestal durch das «Regionaljournal» von Radio SRF publik gemacht wurden. Weber liess ausrichten, hinter dem Projekt zu ­stehen, doch die Basler hatten keine Lust mehr, die Baselbieter zu decken. Die sonst penibel aufeinander abgestimmte Kommunikation blieb aus, und der erboste Engelberger liess diplomatisch ausrichten, dass man die Angelegenheit nicht kommentieren wolle.

Es ist anzunehmen, dass Weber letzte Woche nach Basel fuhr, um die Wogen zu glätten, und um mit Engelberger dem Vogel Gryff beizuwohnen. Die beiden Gesundheitsdirektoren, für die das Fusionsprojekt eine wichtige Sache ist, weil sie sich endlich mal beweisen können, sind bis anhin äus­serst umsichtig vorgegangen. Eine ambulatorische Klinik jetzt in Liestal zu planen und damit seinen Basler Kollegen zu brüskieren, passt nicht zum bisherigen Stil von Regierungsrat Weber.

Die Vermutung liegt nahe, und sie ist in Gesundheitskreisen bereits ein offenes Geheimnis: Thomas Weber hat von den Plänen des KSBL nichts gewusst. Anders gesagt: Die Spital­verantwortlichen haben Weber ein Ei gelegt. Darum musste wohl KSBL-CEO Aebi, der das Vorhaben am Bahnhof Liestal lancierte, für das öffentliche Dementi besorgt sein und der «unschuldige» Unispital-Direktor Kübler musste als Co-Autor fungieren, damit zumindest öffentlich das harmonische Bild der bald Geehelichten gewahrt bleibt.

Dass diese Spitalehe nicht aus Liebe geschlossen wird, sondern eine Zweckehe ist, dürfte jedem klar sein. Aebi und Kübler bleiben zudem bis zur Fusion Konkurrenten – mitunter auch um den künftigen Direktionsposten. Dabei hat Kübler, der im letzten Jahr als Kandidat für den prestigeträchtigen Chefposten im Unispital Zürich gehandelt wurde, die besseren Aussichten als Aebi. Dieser wiederum, der mit Herzblut um sein wirtschaftlich todkrankes KSBL kämpft, kann nicht Däumchen drehen, bis die Fusion vielleicht einst kommt oder nicht.

Der Prozess dauert noch Jahre

Es ist Aebi zu verdanken, dass das Bruderholzspital trotz der grossen Unsicherheit noch keinen Personal­aderlass erlebt hat und überhaupt noch funktioniert. Es war Aebi, der nach der Entlassung eines Star-Orthopäden im Unispital die Chance witterte, stadtnah auf dem Bruderholz ein Orthopädiezentrum einzurichten. Es war auch der KSBL-CEO der als Erster mit dem sogenannten «Lean Hospital» die gesamten Abläufe im Spital optimiert. Das innovative Konzept brachte dem KSBL national Beachtung und wird nun in anderen Spitälern eingeführt. Es war aber auch Aebi, der zusammen mit einem privaten Unternehmer ein Ambulatorium am Bahnhof Liestal lancierte, den vermeintlichen Partner unschön ausstach und nun Weber ein Ei gelegt hat. Aber wäre Aebi besser dagestanden, hätte sich ein anderer Anbieter bei den Gleisen eingerichtet? Kaum.

Die skurrile Episode um das Ambulatorium am Bahnhof Liestal zeigt: Der akute Konkurrenzkampf der Spitäler kann dem politischen Willen der Gesundheitsdirektoren beider Basel zuwiderlaufen. Eine baldige Fusion würde Abhilfe schaffen. Doch der politische Prozess geht noch Jahre und ist voller Hürden.

Basler Zeitung

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