Reiter haben panische Angst um ihre Pferde

Im Leimental grassiert die hoch ansteckende Pferdekrankheit Druse, die für den Menschen zwar ungefährlich ist, für das Tier aber tödlich enden kann.

Fieber, Probleme mit Atmen und Fressen: Pferde können über einen kleinen Tropfen bereits mit Druse infiziert werden.

Fieber, Probleme mit Atmen und Fressen: Pferde können über einen kleinen Tropfen bereits mit Druse infiziert werden.

(Bild: Stefan Leimer)

Joël Hoffmann

Eine Seuche versetzt Pferde­besitzer in Aufruhr. Druse heisst die äusserst ansteckende Bakterienkrankheit. Die betroffenen Leimentaler Pferde­betriebe haben nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit ihrem Bestehen mit der Seuche zu tun.

Die Stallbesitzer müssen die Krankheit nicht melden, obwohl sich diese rasch auf weitere Pferde überträgt. Druse kann dem Menschen hingegen nichts anhaben. Dies bestätigt die stellvertretende Kantonstierärztin Anna Jaggi: «Es besteht keine Ansteckungsgefahr für Menschen.» Sie habe auf informeller Basis von den von Druse betroffenen Ställen gehört. Buch geführt werde jedoch nicht.

Pferdetierarzt Christoph Jäggin von der Gemeinschaftspraxis Jäggin und Luder AG in Oberwil arbeitet seit 16 Jahren im Leimental. «Ich hatte hier bis jetzt nie mit Druse zu tun», sagt er. Doch alleine 2014 seien drei Betriebe von der Krankheit betroffen gewesen. Einer davon ist der Stall der Familie Gschwind in Bättwil. Von ihren 35 Pferden sind zwei erkrankt. Dass es nicht mehr wurden, liegt an den rigorosen Massnahmen, welche die Familie zusammen mit den Tierärzten umgesetzt hat. Bereits 2002, als die Familie den Betrieb übernahm, hatte sie eine separate Pferdebox gebaut, die nun als Quarantänebox genutzt wird. Darum herum signalisiert ein weiss-rotes Band, dass Unbefugte keinen Zutritt haben.

Eiter im Bauch ist Todesurteil

Das Bakterium ist hoch ansteckend. Die Pferde dürfen nicht in Kontakt mit anderen Pferden kommen. Und die Betreuer dürfen entweder nur mit den gesunden oder den kranken Tieren arbeiten. Ein mit Druse kontaminiertes Tröpfchen auf der Jacke des Pflegers reicht schon, um die Krankheit auf ein gesundes Tier zu übertragen. Mit mangelnder Hygiene im Stall hat Druse nichts zu tun.

Die Bakterienkrankheit Druse lässt die Lymphknoten der Tiere anschwellen. Diese haben neben Fieber Probleme mit der Atmung und dem Fressen. Im schlimmsten Fall schwellen die Lymphknoten derart an, dass das Tier erstickt. Das Bakterium verbreitet sich ebenfalls über das Blut im Körper der Pferde. Durch die Abwehrmassnahmen des Immunsystems bilden sich Abszesse, etwa in den Atemwegen. Platzen diese auf, fliesst Eiter aus den Nüstern. Bilden sich jedoch Abszesse im Bauch, führt dies zum Tod durch eine Entzündung des Bauchfells. Pferdeärztin Verena Bracher von der Tierklinik Leimental betont, dass die Komplikationsrate unter zehn Prozent liege. Dass ein Tier tatsächlich stirbt, sei sehr selten. «Dennoch haben viele Reiter panische Angst um ihre Pferde», sagt sie.

Ein weiterer Betrieb, der gegen die Druse-Seuche kämpft, ist der Stall Würgler in Biel-Benken. Gemäss Hans Würgler, der auch Präsident des Leimentaler Reitclubs ist, sind 18 seiner 100 Pferde betroffen gewesen. «Seit vier Wochen haben wir nun Ruhe», sagt er. Überstanden ist die Seuche jedoch nicht. Bei der Familie Gschwind ist ein weiteres Pferd in Abklärung. Und Tierärztin Bracher hat erst letzten Freitag auf einem anderen Betrieb einen Abszess aufgeschnitten.

Bakterien werden resistent

Während Jäggin, Jaggi und die Stallbesitzer beschwichtigen, betont Bracher, dass diese Seuche einen ganzen Betrieb lahmlegen kann. «Ein Sportstall wird Geldeinbussen haben, wenn die Pferde nicht an Turnieren teilnehmen können», sagt sie. Zwar gibt es kein Gesetz, das eine Turnierteilnahme verbieten würde, doch es ergebe keinen Sinn, ein Pferd aus einem Druse-Stall an einem Turnier teilnehmen zu lassen – auch nicht, wenn es gesund ist. «Es könnte die Bakterien tragen und diese auf andere Pferde verteilen», führt die Pferdeärztin weiter aus.

Die Seuche zu isolieren, wie dies die Familie Gschwind getan hat, sei zwar in Ordnung, sagt Bracher, doch vielleicht sei es besser, wenn alle Tiere im Stall diese Krankheit durchmachen, weil sie nachher immun seien. Gesunde Tiere überstehen Druse in der Regel ohne Probleme. Die Krankheit lasse sich mit Antibiotika behandeln. «Doch wir stellen fest, dass die Bakterien mehr und mehr eine Antibiotikaresistenz entwickeln», erklärt Bracher weiter.

Seit 18 Jahren arbeitet die Veterinärin im Leimental. Jedes Jahr komme es zu Druse-Fällen. Ein freiwilliges Meldesystem kenne nur der Kanton Bern. «Im Baselbiet hingegen werden nicht alle Fälle bekannt, weil nicht alle Pferde getestet werden», sagt Bracher. Sie würde ein Meldesystem begrüssen, weil die Personen, die von Stall zu Stall gehen – etwa Ärzte oder Hufschmiede –, ansonsten unabsichtlich die Bakterien verbreiten. Die Herpeserkrankung eines Pferdes in Bättwil, das kürzlich eingeschläfert werden musste, bezeichnet Bracher als Einzelfall. Das Virus ist ebenfalls äusserst ansteckend, jedoch gefährlicher als Druse.

Basler Zeitung

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