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«Nicht nur eine Wirtschaftspartei»

Landrätin Saskia Schenker möchte das Präsidium der FDP Baselland definitiv übernehmen.

Thomas Dähler
Sie sucht die Herausforderung. Interimspräsidentin Saskia Schenker bewirbt sich jetzt auch für die ordentliche Wahl durch den Parteitag.
Sie sucht die Herausforderung. Interimspräsidentin Saskia Schenker bewirbt sich jetzt auch für die ordentliche Wahl durch den Parteitag.
Christian Jäggi

BaZ: Sie haben, Frau Schenker, soeben Ihre Kandidatur für das FDP-Präsidium bei der Parteileitung angemeldet. Haben Sie sich dazu entschlossen, weil Sie als Interimspräsidentin nach dem plötzlichen Rücktritt von Paul Hofer gute Erfahrungen gemacht haben?

Saskia Schenker: Ja. Ich kam zwar schnell und unerwartet zur Interimsaufgabe mitten in den Wahlkampfvorbereitungen. Aber ich bin motiviert und die Aufgabe bereitet mir Freude. Ich bewerbe mich deshalb dafür, dies auch fortzusetzen. Ich freue mich, wenn ich die Parteimitglieder mitziehen kann.

Ihre Vorgänger wurden stets auch parteiintern angefeindet. Haben Sie keine Angst davor?

Nein, Angst habe ich sicher nicht. Die Partei-Innenpolitik ist eine Herausforderung, ich treffe das aber auch im Beruf an. Es gehört zur Funktion. Gleichzeitig schaue ich, dass wir konstant vorwärtsgehen und vorwärtskommen – das ist mein Bild von der Aufgabe.

Sie streben das schwierigste Amt an, das es in einer Partei zu vergeben gibt.

Ich sage es mal so: Ich habe das Amt nicht gesucht. Aber ich habe gemerkt, dass ich unter den heutigen Parteileitungsmitgliedern diejenige bin, die die Aufgabe übernehmen, motivieren und die Leute vernetzen kann. Mein Motto, das ich am Neujahrsapéro angekündigt habe, ist: Raus aus der Wohlfühlzone. So nehme ich auch alles Weitere, was kommt und das bereitet mir Freude.

Wo positionieren Sie sich innerhalb der Partei? Die FDP kennt Flügelkämpfe.

Von Flügeln spreche ich ungern. Ich finde es schwierig, mich zuzuordnen, das variiert innerhalb der Partei nach Themensetting. Ich habe gute Kontakte auf alle Seiten. Bei der Finanzpolitik bin ich hartnäckig, in Gesellschaftsfragen aber offen.

Gehen Sie davon aus, dass die Bildung einen Schwerpunkt darstellt? Ihre Regierungsrätin führt das Dossier.

Ja, unsere Partei hat im Bildungsdossier sehr wichtige Fortschritte erzielt. Auch in Zukunft ist es für uns eines der Hauptthemen. Wir finden, es wäre jetzt an der Zeit, eine Totalrevision des Bildungsgesetzes in Angriff zu nehmen. Ein Schwerpunkt müsste dabei sein, zu prüfen, ob die Berufsbildung das nötige Gewicht hat. Wichtig ist es uns auch, bei der Digitalisierung voranzukommen. Und am Thema Universität Basel bleiben wir ebenfalls dran.

Wie wollen Sie die Beziehungen zu den Wirtschaftsverbänden gestalten?

Es braucht dafür ein gesundes Mass. Alle Wirtschaftsverbände sind unsere Partner. Ich pflege zu allen einen guten Kontakt und ihre Positionen fliessen in die Meinungsbildung der FDP ein. Aber ihre Meinung muss sich die Partei selber bilden.

In der Tagespolitik hat sich die FDP vor allem als Partei profiliert, die für die Unternehmen einsteht.

Die FDP ist eine Wirtschaftspartei, aber nicht nur.

Hat die Partei auch gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürgern etwas zu bieten?

Absolut. Wir Gewöhnlichen bilden die Partei. Bei den Steuern etwa setzen wir uns besonders für den Mittelstand ein. Wir bekämpfen auch Fehlanreize für Zweitverdiener – damit sich für Ehepaare Arbeit lohnt und damit auch Kinderbetreuung möglich ist.

Wo sehen Sie die FDP Baselland im nationalen Kontext? Es ist in der jüngsten Zeit aufgefallen, dass die Schwerpunkte der FDP Baselland anders liegen als etwa jene der FDP Basel-Stadt.

Es gibt sicher Unterschiede zwischen einer vor allem städtischen FDP und einer Partei, die auf dem Land politisiert. Die Probleme und Herausforderungen in der Agglomeration und auf dem Land sind nicht dieselben wie in der Stadt, denken Sie an die Verkehrsanbindung.

Die FDP Baselland steht im parteiinternen Vergleich national eher am rechten Flügel. Einverstanden?

Ja, weil wir ländlich und von der Agglomeration, also weniger urban geprägt sind.

Wo sehen Sie Ihre Partei in den grossen nationalen Fragen positioniert – etwa beim Rahmenabkommen?

Die FDP Baselland befindet sich beim Rahmenabkommen noch im Meinungsbildungsprozess. Ich begrüsse es sehr, dass die nationale Partei klar für das Rahmenabkommen Stellung bezogen und betont hat, wo noch Klärungsbedarf besteht. Ich finde, einer Partei kommt auch eine Vorreiterrolle bei der Meinungsbildung zu. Ich finde es sehr wichtig, dass unser Erfolgsmodell, der bilaterale Weg, nicht kaputtgeredet wird.

Umweltthemen werden den nationalen Wahlkampf prägen. Jetzt positioniert sich auch die FDP.

Die FDP hat sich schon lange positioniert. Wer mich kennt, weiss, dass mir Umweltthemen und das Klima sehr wichtig sind. Doch ich bin für liberale Lösungen. Schon 2011 hat die FDP Baselland begonnen, das Thema zu besetzen und Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Das zeigt auch unsere Arbeit am beschlossenen Energiegesetz. Schwierig blieb die Auseinandersetzung einzig bei der Energieabgabe auf nicht erneuerbarer Energie. Die Ziele und Instrumente des Energiegesetzes aber haben wir stark mitgeprägt. Bei der laufenden Klimadebatte dürfen wir diese nicht vergessen und müssen die Instrumente zur Zielerreichung wie das Baselbieter Energiepaket stärken.

Was wünschen Sie sich für die Zusammenarbeit mit SVP und CVP?

Zunächst wünsche ich mir mal von beiden Parteien, dass wir gemeinsam den Ständeratswahlkampf mit unserer bald zu nominierenden Kandidatin Daniela Schneeberger bestreiten.

Und thematisch im Landrat?

Im Landrat gibt es wichtige Schnittstellen zum Beispiel bei der Finanzpolitik. Aber jede Partei soll auch ihr Profil haben. Ich sehe die bürgerliche Zusammenarbeit vor allem auch auf Regierungsebene, von wo ich bürgerlich geprägte Vorlagen erwarte.

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