Mit strammen 56 Jahren in den Bauernkalender

Der Baselbieter Landwirt Bernhard Baumann will in den Bauernkalender. Auch ohne Waschbrettbauch begeisterte der älteste Casting-Teilnehmer die Jury.

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Muskulöse Arme, nackte Haut, heisse Kurven – die Castings für den Bauernkalender sind jedes Jahr von Neuem ein Augenschmaus. Je 40 Bauerntöchter und -söhne wollten dieses Jahr auf dem Erlebnisbauernhof Jucker Farmart in Seegräben ZH beweisen, dass sie mit Klum und Co. mithalten können. Um die Promi-Jury um Renzo Blumenthal und Francine Jordi zu überzeugen, setzen sich manche Kandidatinnen sogar in Dessous auf ein Pferd.

Zwischen all den Waschbrettbäuchen und Busenwundern sticht einer aus der Masse. Er will so gar nicht in das Bild eines Kalendermodels passen: der Baselbieter Landwirt Bernhard Baumann. Mit 56 Jahren ist der Bauer aus Langenbruck der älteste Teilnehmer, der sich je in der Geschichte des Bauernkalenders vor die Jury gewagt hat. Zu verdanken hat er das einem unüberlegten Kommentar. «Ich habe als Jux erwähnt, dass ich gerne mal mitmachen würde. Das habe ich nun davon!», lacht Baumann. Sein Sohn und der Freund seiner Tochter haben den Bauern ohne sein Wissen zum Casting angemeldet. Dabei haben sie allerdings ein bisschen gemogelt: die beiden korrigierten Baumanns Alter auf 30. «Wahrscheinlich haben sie sich so bessere Chancen ausgerechnet», grinst der unfreiwillige Kandidat.

Trotz Altersschwindel zum Casting

Bernhard Baumann staunte nicht schlecht, als er die Einladung zum Casting bekommen hat. «Ich habe als erstes zum Telefon gegriffen, um mein wahres Alter zu gestehen.» Für die Organisatoren war der kleine Schwindel aber noch lange kein Grund, Baumann wieder auszuladen. Deshalb hat der Langenbrucker am Freitagmorgen seine Nachbarin Silvia Kamber und seinen Freund Peter Bader zur moralischen Unterstützung ins Auto verfrachtet und ist zum Casting ins Zürcher Oberland gefahren. Kandidat um Kandidat stellt sich an diesem Freitagmorgen der prominenten Jury vor. Es werden Bilder von Bauernhöfen herumgereicht, Fotos geschossen, und früher oder später muss jeder die Hüllen fallen lassen. Schliesslich will der Bauernkalender die erotische Seite der Schweizer Landwirtschaft zeigen.

Macht das Bernhard Baumann nicht ein wenig nervös? «Ich ziehe einfach den Bauch ein», sagt Baumann. Er könne dafür mit seinen fünf Tattoos punkten. Als Baumann endlich vor die Jury gerufen wird, ist Ex-Mister Schweiz Renzo Blumenthal begeistert vom Baselbieter Bauern. «Solche Geschichten wie deine sind einfach sympathisch», schwärmt er, während Baumann sein Hemd auszieht und sich vor der Kamera in Pose wirft. «An seiner Figur sollte er vielleicht noch arbeiten», urteilt Blumenthal. Aber Baumann sei eben ein richtiger Bauer und richtige Bauern dürften einen Bauch haben.

Freude über ältere Kandidaten

Dem pflichtet auch Esen Kul, die Projektleiterin des Bauernkalenders, bei. Sie habe sich sehr darüber gefreut, dass sich ein älterer Landwirt für das Casting beworben hat. «Ich finde es sehr mutig, dass Bernhard Baumann tatsächlich gekommen ist», sagt Kul. «Die Reise war sicher nicht vergebens. Für den Bauernkalender braucht es weder Waschbrettbauch noch Bizeps. Mit seiner Sympathie hat Baumann alle begeistert!» Grundsätzlich ziehe ein solches Casting eher junge Frauen und Männer an, erklärt Kul weiter. Trotz seines Alters werde Baumann aber gleich beurteilt wie alle anderen Kandidaten. «Einen Sonderstatus geniesst hier niemand.»

Nach fünf Minuten ist der Spuk vorbei. Strahlend wird Baumann von seinen beiden Begleitern in Empfang genommen, während die nächste Kandidatin vor die Jury tritt. Im Schlepptau ihren Esel. Am Donnerstag wird der Baselbieter Bauer erfahren, ob er es unter die Finalisten geschafft hat. «Dann müsst ihr unbedingt alle in die Silobar kommen!» Im alten Holzsilo auf seinem Hof bewirtet er jeden Donnerstag Gäste und verspricht schon jetzt ein Freibier, sollte er es unter die 13 Kalendermodels schaffen. Er ist guter Hoffnung, dass es klappt. «Schliesslich kommt auch das diesjährige November-Girl Miriam aus Langenbruck», pflichtet ihm seine Begleiterin Silvia Kamber bei. Ob er sich gegen all die junge Konkurrenz durchsetzen kann, steht in den Sternen. Der Liebling der Jury ist Baumann aber alleweil. Schon allein wegen seines Muts.

Basler Zeitung

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