Mit Humor gegen Wiesen-Littering

Der Schweizerische Bauernverband und die IG saubere Umwelt starten die gemeinsame Aktion «Dankeschön für saubere Felder». Demonstrierende Kühe sollen Passanten von wilder Abfallentsorgung abhalten.

Das geht auf keine Kuhhaut: Achtlos weggeworfener Müll kann für Tiere schwere Folgen haben.

Das geht auf keine Kuhhaut: Achtlos weggeworfener Müll kann für Tiere schwere Folgen haben.

(Bild: SBV und IGSU)

Thomas Gubler

Für die Geschäftsführerin des Bauernverbandes beider Basel, Franziska Hochstrasser, nimmt die Littering-­Situation für die Landwirtschaft mittlerweile bedrohliche Ausmasse an. «Praktisch alle Bauern in der Region hatten in den vergangenen Jahren irgendwann mehr oder weniger schwerwiegende Probleme mit Littering auf den Wiesen», sagt Hochstrasser. Sei es, dass sie korbweise Müll einsammeln mussten, Tiere mit Krankheitssymptomen im Stall hatten oder dass sie sogar wegen harter Abfälle oder anderer Fremdkörper im Futter Tiere abtun mussten. Dabei sind es vor allem von weggeworfenen Büchsen und Flaschen herrührende Glas- und Aluminiumsplitter, die bei maschineller Bearbeitung des Grases entstehen und die Tiere an Klauen, Maul und Speiseröhre verletzen können.

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) und die IG saubere Umwelt (Igsu) wollen jetzt Schluss machen «mit der Sauerei auf Wiesen und Feldern», wie sie kürzlich bekannt gegeben haben. Unter dem Motto «Dankeschön für saubere Felder» wollen sie mittels sympathischer Plakate an Strassenrändern und an Verkaufsorten sowie mit einer Faltbroschüre die Leute für das Problem sensibilisieren.

Erst mit dem Holzhammer

Bauernverband und die IG saubere Umwelt nehmen damit eine Idee auf, die im vergangenen Jahr vom solothurnischen Bauernverband und demjenigen beider Basel lanciert worden war. Vor allem der Solothurner Kantonalverband war aufgeschreckt worden, als ein Bauer in der Region Grenchen mehrere Ab­gänge zu verzeichnen hatte, die möglicherweise auf abfallverseuchtes Futter zurückzuführen waren. Unter dem Titel «Abfall tötet Tiere» fiel die Kampagne, der sich auch der Zürcher und einige Westschweizer Bauernverbände anschlossen, dann aber ziemlich drastisch aus. So zeigte beispielsweise ein Plakat eine tote Kuh mit einem weinenden Kalb neben einem Abfallhaufen. Man habe damals eben ganz bewusst zuspitzen und provozieren wollen, erklärt Markus Rediger vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst in Bern.

«Die neue Kampagne von SBV und Igsu ist subtiler», meint Markus Rediger. Und auch humorvoller. Statt die Leute zu schockieren, versucht man sie diesmal eher zum Schmunzeln zu ­bringen. So demonstriert etwa eine Kuh mit Transparent für «Gras statt Müll». Und eine andere Kuh schaut verwundert in die Landschaft, weil sie von einer aus einem fahrenden Auto heraus geworfenen Flasche getroffen wurde.

Aufklärung ist denn auch die Massnahme, die bei der derzeitigen Littering-­Kampagne im Vordergrund steht. Ein zweites A für «ahnden» soll mit einem Littering-Tatbestand im Umweltschutz­gesetz umgesetzt werden. Ein drittes A schliesslich steht für «auflesen» und soll an einem nationalen Clean-up Day am 21. September zur Anwendung kommen.

Ein Putzgang vor dem Mähen

Laut Pascal Simon vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain sind Landwirte in stadtnahen Gebieten stärker vom Littering auf den Wiesen betroffen als solche in den ländlichen Gebieten des Oberbaselbiets. Diese könnten kaum mit gutem Gewissen mähen, ohne vorher einen Putzgang durchzuführen, sagt Simon. Das sei sozusagen der «Agglopreis» für die Bauern. Doch mittlerweile beschränken sich die Verunreinigungen längst nicht mehr nur auf die Agglomeration. Auch in ländlichen Gebieten sind die Felder entlang von stark befahrenen Strassen oder in der Nähe von Freizeitanlagen und Grillstellen erheblich betroffen.

Entsprechend gross ist laut Fran­ziska Hochstrasser die Nachfrage der Bauern nach den Kampagneplakaten. Dabei werden die drastischen vom vergangenen Jahr bei der Geschäftsstelle des Bauernverbands beider Basel in Sissach gratis abgegeben, während die aktuellen von SVB und Igsu 15 Franken pro Stück kosten.

Basler Zeitung

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