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«Mit der Natur, nicht gegen sie»

Das Gymnasium Liestal hat den Wissenschaftspionier Hans Rudolf Herren zum Vortrag eingeladen. Die Schülerinnen und Schüler hörten ein lebhaftes Plädoyer für Agrarökologie.

Hans Rudolf Herren ist Träger des Right Livelihood Award, der auch als alternativer Nobelpreis bezeichnet wird.
Hans Rudolf Herren ist Träger des Right Livelihood Award, der auch als alternativer Nobelpreis bezeichnet wird.
Keystone

Gut besetzt ist die Aula des Gym Liestal an diesem Freitagmorgen. Im Rahmen des Wahlkurses «Sicherung der Welternährung» ist es der Schule gelungen, den Insektenforscher, Landwirtschafts- und Entwicklungsexperten Hans Rudolf Herren einzuladen. Er ist Träger des Right Livelihood Award, der auch als alternativer Nobelpreis bezeichnet wird, und vieler anderer Auszeichnungen. Mit seiner Stiftung Biovison setzt er sich für nachhaltige Landwirtschaft und biologische Schädlingsbekämpfung in Afrika ein. Zudem war Herren Mitautor und Co-Vorsitzender des Weltagrarberichts, der 2008 erschienen ist. Der Wissenschaftler stammt aus dem Kanton Bern, heute lebt er in Kalifornien.

Die Landwirtschaft sei der entscheidende Schlüsselfaktor für die Zukunft: «Ohne Ernährung gibt es gar nichts.» Was die Welternährung anbelangt, gibt es für Herren nur eins: «den notwendigen Kurswechsel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, die mit der Natur funktioniert, nicht gegen sie». Damit meint er beileibe nicht einen Rückgriff auf die Methoden unserer Vorfahren, sondern eine moderne landwirtschaftliche Praxis, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. «Weiter wie bisher», mahnt er, «ist keine Option.» Die planetaren Grenzen seien heute «erreicht und überschritten». Der Biodiversitätsverlust, die Energieverschwendung, der Klimawandel seien allesamt «im roten Bereich». Herren: «Das Wirtschaftssystem muss wohl umgestellt werden.»

Raus aus dem roten Bereich

Und die Landwirtschaft sei in diesem Zusammenhang ein ganz entscheidendes Element. Herren hat in Afrika Methoden zur Schädlingsbekämpfung erfolgreich erprobt, die nicht auf Chemie basieren, sondern auf der Kombination verschiedener Pflanzenarten. Dabei werden innerhalb von Kulturen Pflanzen mit abstossender, rund um die Kulturen solche mit anziehender Wirkung gesetzt, um Insekten von den Nutzpflanzen zu vertreiben bzw. wegzulocken. Auch hat er gezielt Nützlinge angesiedelt, um Schädlinge zu bekämpfen. Sein Fazit nach über dreissigjähriger Forschung: «Wir haben die Evidenz, Landwirtschaft ohne gefährliche Chemikalien funktioniert.»

Dieser Kurswechsel, der auf saisonale einheimische Produkte baut, auf Vielfalt anstatt auf einheitliche Monokulturen, auf Nachhaltigkeit statt Überschuss, müsse nun dringend durchgesetzt werden. Die meisten Staaten dieser Welt hätten sich dies auf die Flagge geschrieben, doch geschehen würde herzlich wenig. Dies liege auch daran, dass sechs Riesenkonzerne Nahrung und Saatgut weltweit kontrollieren würden. Herren: «Gemeinsam müssen wir nun raus aus diesem roten Bereich. Dabei muss jede und jeder mithelfen. Mit unseren Kaufentscheiden können wir als Kundinnen und Kunden Einfluss nehmen.» «Das junge Publikum lauscht dem Experten konzentriert und gespannt – am Ende wird er mit einem donnernden Applaus in die Mittagspause verabschiedet.

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