Mann sein verboten

Der Baselbieter Ständeratskandidat Eric Nussbaumer hat das falsche Geschlecht. Darum wird er nicht unterstützt.

Der profilierte Nationalrat Eric Nussbaumer scheint das falsche Geschlecht zu haben. Foto: Lucia Hunziker

Der profilierte Nationalrat Eric Nussbaumer scheint das falsche Geschlecht zu haben. Foto: Lucia Hunziker

Alex Reichmuth

Es ist bemerkenswert: Die Baselbieter Juso-Präsidentin Anna Holm bezeichnet Eric Nussbaumer zwar als «kompetenten» Ständeratskandidaten. Trotzdem, so Holm, könnten es die Jungsozialisten nicht mit ihrer Glaubwürdigkeit vereinbaren, ihren Parteikollegen zu unterstützen. Denn ein Mann als Baselbieter Vertreter komme für die Juso angesichts des «schockierend tiefen Frauenanteils» im Ständerat nicht infrage.

Der profilierte Nationalrat Eric Nussbaumer hat also das falsche Geschlecht. Die Jungsozialisten sind aber nicht die Einzigen, die sein Mann-Sein höher gewichten als seine Qualifikationen. Auch in der Mutterpartei gibt es Frauen, die Nussbaumer ihre Unterstützung versagen. Die Liestaler Stadträtin Regula Nebiker etwa attestierte ihm alle Qualitäten für das Stöckli, hinterfragte seine Kandidatur aber dennoch.

Am 1. Oktober organisiert die Feministin Sibylle von Heydebrand ein Wahlpodium, zu dem sie alle sechs Frauen einlädt, die in den Kantonen Baselland und Basel-Stadt für einen der beiden Ständeratssitze kandidieren – nicht aber Eric Nussbaumer als einzigen männlichen Kandidaten. Nussbaumer wird somit gezielt diskriminiert, aufgrund seines Geschlechts.

Offenbar ist es verboten, ein Mann zu sein, wenn man in den beiden Basler Halbkantonen politische Ambitionen hegt. 

Die Medien haben die Männerdiskriminierung klar erkannt. Es sei ein «Problem», dass Nussbaumer ein Mann sei, hiess es beim SRF-«Regionaljournal». «Nussbaumer startet mit einer Hypothek in den Wahlkampf», schrieb die «Basellandschaftliche Zeitung».

Auch in der SP Basel-Stadt hat die Männerfeindlichkeit schon Spuren hinterlassen. Dort sah sich Nationalrat Beat Jans zum Verzicht auf eine Ständeratskandidatur genötigt, um seiner Parteikollegin Eva Herzog nicht im Weg zu stehen. Er wolle es seiner Partei ermöglichen, «ohne Wenn und Aber eine Frauenkandidatur vorzuschlagen», gab Jans an. Wie Eric Nussbaumer betonte, hätte er es Jans möglicherweise gleichgetan, wenn auch in der SP Baselland eine Frau kandidiert hätte. Offenbar ist es verboten, ein Mann zu sein, wenn man in den beiden Basler Halbkantonen politische Ambitionen hegt.

Eigentlich sollte die Emanzipation von Mann und Frau ja dazu führen, dass es keine Rolle mehr spielt, wessen Geschlecht man ist. Es scheint aber in die entgegengesetzte Richtung zu gehen: Bald ist nur noch das Geschlecht entscheidend, ob man unterstützt wird oder nicht.

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