Landräte stehen hinter der Uni Basel

Von links bis rechts kritisiert man das Vorgehen der Baselbieter Regierung. Die 25 Millionen Franken weniger für die Uni wären am falschen Ort gespart.

Balanceakt: Wieviel weniger soll der Kanton Baselland an die Uni Basel beisteuern?

Balanceakt: Wieviel weniger soll der Kanton Baselland an die Uni Basel beisteuern?

(Bild: Pierre Stoffel)

Die Baselbieter Landräte sind sich einig: Das Sparpaket für die Universität werden sie so nicht akzeptieren. «Eine erstklassige Uni ist elementar wichtig für unsere Region», sagt FDP-Landrätin Marianne Hollinger.

25 Millionen will das Baselbiet weniger zahlen. Dabei kommt gut die Hälfte aller Studenten aus dem Halbkanton. Da die Trägerschaft partnerschaftlich geregelt ist, müsste auch die Stadt weniger bezahlen. Weil auch die Drittmittel sich an den Beiträgen der Träger orientieren, hätte die Uni rasch ein Finanzloch von 60 bis 100 Millionen. Das darf nicht sein, sagen jetzt unisono Landräte von links bis rechts.

«Unsere», nicht «eure» Uni

«Immer wieder wird die Uni angegriffen, als gehöre sie nur der Stadt. Aber sie wird von beiden Basel getragen», stellt Hans Furer (GLP) klar. Man vermisst in der Baselbieter Politik den Rückhalt, den Universitäten anderswo haben. «Die Jugendlichen sind unser Rohstoff der Zukunft», erinnert SVP-Landrätin Caroline Mall darum. Darin zu investieren, lohne sich nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Gemeinschaft. «Die Region lebt von einer starken Universität», doppelt Grünen-Landrat Philipp Schoch nach. Der Regierung müsse klar sein, wie sehr der Kanton von der Uni profitiere, sagt Furer: «Im Baselbiet leben wir ja nicht nur von Kartoffeln und Chriesi, wir leben von der Wirtschaft und die funktioniert nur, solange wir gut ausgebildete Arbeitskräfte haben. Woher sollen die denn kommen, wenn nicht von unserer Uni?»

Die Uni sei seit Jahrhunderten Basels Erfolgsrezept, «der Garant für unseren Wohlstand», sagt Furer. Das hat seinen Preis. Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr kritisiert denn auch die Forderungen seines Kantons, der nur die Rosinen zu picken versuche: «Wir wollen die gleiche Uni, dafür aber weniger zahlen, das dürfte schwierig werden.» Nur den Verteilungsschlüssel anzupassen, sei zu einfach. «Einseitig zu verkünden, man wolle plötzlich einen kleineren Anteil übernehmen, geht nicht.» Diese Verhandlungen, rät er der Regierung, hätte man besser nicht via Öffentlichkeit geführt.

Keine Transparenz

Die Landräte ärgern sich in erster Linie darüber, dass man mit dem Sparpaket diskussionslos in die Offensive ging. Den Co-Träger einer gemeinsamen Institution mit einem nackten Betrag vor den Kopf zu stossen, «ist nicht partnerschaftlich, sondern ungehobelt und ungeschickt. Da sind wir ja wieder im Mittelalter angelangt», sagt SP-Landrat Andreas Bammatter. Auch SVP-Landrätin Mall befremden die Kommunikations-Künste ihrer Regierung: «Das war ganz schlecht, dass man einfach einen Betrag in die Luft geworfen hat, ohne zu sagen, was er beinhaltet. Wo wird gekürzt?», fragt sie.

Dass man die Finanzen durchleuchten darf, darin sind die Landräte sich einig. «Über das Sparen zu sprechen, ist richtig – aber bitte mit einer detaillierten Auflistung», sagt Caroline Mall. «Sich hinsetzen und diskutieren, wo man einsparen kann, ist gut. Einfach eine Zahlenforderung zu stellen dagegen provokativ», sagt CVP-Landrätin Christine Gorrengourt.

Vorbild FHNW

Weil Kritik auch konstruktiv sein soll, denken die Landräte über Lösungen nach. «Es kann nicht sein, dass wir die Uni kaputtsparen. Die Frage ist allerdings: Müssen wir auf jedem Gebiet stark sein?», fragt etwa Gorrengourt. Die CVP-Landrätin sieht im Sparpaket keinen «Schnellschuss», wie Kollege Furer, sondern einen «Startschuss», um die Strukturen der Hochschul-Finanzierung auf nationaler Ebene zu diskutieren. Eine gerechte Verteilung über alle Kantone hinweg schwebt ihr vor, worin Furer sie unterstützt: «Andere Kantone mit einzubeziehen, das wäre jetzt wichtig.»

Mehrmals fällt als Vorbild das Modell der Fachhochschule Nordwestschweiz. Neue Strukturen auf nationaler Ebene wünscht sich auch Hollinger. Denn was die FDP an der aktuellen Situation stört, ist die Aussenwahrnehmung: «National gesehen sind wir ja gar kein Uni-Kanton, trotz Co-Trägerschaft: Baselland hat im Schweizer Hochschulrat keinen Einsitz.»

Höhere Gebühren, hohe Gehälter

Während man über höhere Semestergebühren nachdenkt, obwohl diese finanziell nur wenig Wertschöpfung haben, kommt aufgrund des internationalen Wettbewerbs eine Kürzung der Professoren-Gehälter nicht zur Diskussion. Ebenso wenig wird ein Ausstieg aus dem Univertrag in Betacht gezo­gen. Auch Vertragsänderungen, glaubt Kirchmayr, kämen nur einvernehmlich zu einer Mehrheit im Landrat. Gorrengourt bekräftigt: «Wir wollen diese gemeinsame Uni gemeinsam erhalten.» Aber sie wendet sich auch mit Sorgen an die Stadt: «Wenn einer der Partner schwächer ist, muss man darüber nachdenken, wie er dennoch mit mag.»

Sorgen macht sich auch die Stadt: Die Jungliberalen haben alte Zitate von Landräten gesammelt, als diese sich klar für die Uni aussprachen. Die Zitate kommen auf Postkarten, werden nach den Ferien von Studenten mit Grussbotschaften versehen und dem Landrat als Mahnung angetragen. Allerdings scheint es so, als bedürften die Landräte keiner Postkarten, um die Richtung zu kennen. «Wir wollen nicht zweitklassig werden», sagt Hollinger.

Basler Zeitung

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