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Kinderunterhaltung erträgt kein staatliches Dazwischenfunken

Die SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger möchte den in die Jahre gekommenen «Globi wird Soldat» aufmotzen. In der Regel kommt es jedoch nicht gut heraus, wenn sich der Staat in Kinderliteratur einmischt.

Die gelernte Malermeisterin sieht in dem Globi-Band die «ideale und dringend nötige Plattform, um die Schweizer Armee im 21. Jahrhundert zu präsentieren».
Die gelernte Malermeisterin sieht in dem Globi-Band die «ideale und dringend nötige Plattform, um die Schweizer Armee im 21. Jahrhundert zu präsentieren».

In Wahljahren kennt der Ideenreichtum von Politikerinnen und Politikern oft keine Grenzen mehr. Doch nicht alles, was da wahlkampfgeboren das Licht der Welt erblickt, ist auch wirklich gut. So manches ist im besten Falle gut gemeint, wie etwa die Idee der Baselbieter SVP-Nationalrätin und Malermeisterin Sandra Sollberger. Sie hat sich jüngst das Globibuch vor­genommen. Dabei rügt sie nicht etwa den bis jetzt fehlenden Titel «Wie Globi Maler wurde», was man bei einer richtigen KMU-Gewerblerin durchaus verstehen könnte.

Nein, die Bubendörferin möchte – im Verein mit ein paar Offizieren – den etwas in die Jahre gekommen Band «Globi wird Soldat» aufmotzen. Also wendet man sich in einem offenen Brief an den Globi-Verlag und bittet um ein so­genanntes Update. Für Globi-Fan Sollberger wäre ein neues Buch «eine ideale und dringend nötige Plattform, die Schweizer Armee im 21. Jahrhundert zu präsentieren».

Wer zum Gespött der Nation wird

Sei es, dass sich der Verlag ungern bei seinen Plänen von Politikern drein­reden lässt oder dass er in den Stellungspflichtigen nicht unbedingt das ideale Zielpublikum für Globibücher sieht, jedenfalls hat er sich bisher nicht auf die Anregung eingelassen. Mit guten Gründen. Denn in der Regel kommt es nicht gut heraus, wenn sich der Staat oder dessen Repräsentanten in Kinderliteratur oder ­Kinderunterhaltung einmischen, ja diese gar steuern wollen.

Das musste in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts auch der ­damalige Sprecher des Militärdepartements, Ernst Mörgeli, erfahren. Mörgeli konnte Kritik an der Armee auf den Tod nicht ausstehen und neigte mitunter zu Übertreibungen. So witterte er 1975 Subversion beim Schweizer Fernsehen wegen einer Kinder­sendung, beziehungsweise einem dort gezeigten tschechischen Zeichentrickfilm, der vor seinem patriotisch-­kritischen Auge nicht standgehalten hatte. Darin wurde nämlich ein Hauptmann, der seine Soldaten schikaniert hatte, von einem Räuber bestraft.

Unschwer zu erraten, wer sich dann zum Gespött der Nation gemacht hat.

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