Kein Bubeninternat im Binninger Islamzentrum

Der Verband Islamischer Kulturzentren hat für die Liegenschaft an der Baslerstrasse 9 neue Pläne eingereicht.

Neues Kulturzentrum des VIKZ in Binningen. Foto: Kostas Maros

Neues Kulturzentrum des VIKZ in Binningen. Foto: Kostas Maros

Alex Reichmuth

Die Unruhe war gross, als im letzten Dezember bekannt wurde, dass in Binningen an der ­Baslerstrasse 6 ein islamisches Kulturzentrum entstehen soll. Dieses umfasste gemäss den damaligen Plänen eine Moschee mit zwei Gebetsräumen und ein Internat für zwanzig Buben. Dahinter steht der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), der das Gebäude an der Baslerstrasse für sechs Millionen Franken gekauft hat.

Für Empörung sorgte nach Bekanntwerden der Pläne vor ­allem, dass Mädchen und Buben im Zentrum schon aber dem ­Alter von fünf Jahren strikt getrennt werden sollten. So stand es zumindest im Baugesuch des VIKZ.

«Unglücklich gewählt»

Der Verband spielte die Formulierung aber hinunter. Diese sei «unglücklich gewählt». In der Öffentlichkeit kursiert seither aber die Befürchtung, dass am neuen Islamzentrum konservative, ja sogar fundamentalistische Normen vermittelt werden. Die Gemeinde Binningen reichte vorsorglich Einsprache gegen den Umbau des Gebäudes ein. Das islamische Zentrum war auch Thema im Landrat.

Doch jetzt will der VIKZ zumindest auf das Internat für muslimische Buben verzichten. Wie «Prime News» berichtet, hat der Verband überarbeitete Pläne eingereicht. Bernhard Keller, Mediensprecher der Gemeinde Binningen, bestätigt gegenüber der BaZ, dass neue Unterlagen eingegangen sind.

Gemäss diesen sei das Internat nicht mehr Bestandteil des Kulturzentrums. Der Kanton, der zuständig für das Bauverfahren ist, mache die neuen Pläne aber nicht öffentlich, weil diese keine publikationswürdigen Änderungen enthalten würden.

Der Oberwiler Landrat Pascal Ryf reichte im Januar im Parlament eine Interpellation zum Kulturzentrum ein. «Erachtet der Regierungsrat ein Internat für musliminsche Kinder nicht als Widerspruch zu den Integrationsbemühungen des Kantons?», fragte er darin. Nun zeigt sich Ryf erfreut, dass das Internat nicht kommen soll: «Ich begrüsse das sehr.» Er gehe davon aus, dass der Rückzug wegen des politischen Drucks erfolgt sei. «Es hat sich gelohnt, dass die Gemeinde interveniert hat und dass im Landrat Vorstösse dazu eingegangen sind.»

Kein Treffen mit dem VIKZ

Zwar hätten er und andere Politiker versucht, mit dem VIKZ Kontakt aufzunehmen, so Pascal Ryf. Das habe sich aber als «sehr schwierig» erwiesen. Ein vorgesehenes Treffen sei seitens des VIKZ verschoben worden und habe dann nie stattgefunden. Es gelte nun, die neuen Pläne der Verbands gründlich anzuschauen, damit am Ende das Internet nicht doch durch die Hintertür realisiert werde.

Auch der Binninger FDP-Landrat Marc Schinzel zeigt sich sehr zufrieden, dass das Internat nicht kommt. Er reichte im letzten Januar im Parlament ebenfalls einen Vorstoss ein, in dem er verlangte, dass es in Heimen und Internaten ausser in begründeten Fällen keine Geschlechtertrennung geben soll. Im Mai überwies der Landrat das Postulat einstimmig. «Es war danach klar, dass die Regierung einem geschlechtergetrennten Internat in Binningen nicht mehr zustimmen kann», sagt Schinzel.

Das Thema Kulturzentrum sei aber noch nicht erledigt, ergänzt er. «Es braucht nun Klarheit, was in den Räumen des Zentrums wirklich passiert.» Der VIKZ habe angekündigt, die Bevölkerung im Rahmen eines Tages der offenen Tür aufzuklären. Dieses Versprechen sei allerdings bis heute nicht eingehalten worden, so Schinzel. «Transparenz ist aber die Voraussetzung, damit Vertrauen entstehen kann.»

Der Verband Islamischer Kulturzentren war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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