Zum Hauptinhalt springen

Kanton schliesst Beizen in Liestal und Sissach

Fasnächtler gehen im Baselbiet auf die Strasse. Die Regierung reagiert – und bestraft die Beizen.

Der Himmel trauert mit: Ein paar Unentwegte hielten sich trotz Regen noch später am Abend in Liestal auf. Foto Pino Covino
Der Himmel trauert mit: Ein paar Unentwegte hielten sich trotz Regen noch später am Abend in Liestal auf. Foto Pino Covino

Liestals Fasnächtler, als stammten sie aus diesem kleinen, unbeugsamen gallischen Dorf, wollten sich die Fasnacht nicht verbieten lassen. Zwar erlebte der Baselbieter Hauptort keinen Umzug wie gewohnt. Doch pünktlich zogen über 300 Fasnächtler ohne Wagen, Larven und Instrument die Rathausstrasse hinunter und den Fischmarkt wieder hinauf. Darunter Tschamauche, Schnapsbirli, Schlappschwänz, Elbisrugger, Morgetaler, Erlestroos Rueche, Sambaschränzer, Wasserfalleschränzer, G’schdadigg Rueche, Latärnäschränzer, Neubürger und Mitglieder der Tambouren- und Pfeiferclique Bubendorf. Natürlich unorganisiert.

Unter dem Applaus von Anwohnern und jenen, welche die Strasse säumten, bewegte sich die bunte Traube durch Liestal. «Ein Zeichen setzen», wie es auf der verkürzten Route hiess. Die Märsche wurden von den Fasnächtlern gesungen, statt gepfiffen oder getrommelt.

Die Polizei war auch zur Stelle und machte einen richtig guten Job. Sehr unaufgeregt, zurückhaltend und gelegentlich sogar einen Bekannten grüssend. René Frei, Bereichsleiter Sicherheit der Stadt Liestal, bemerkte: «Sowohl die Cliquen als auch die Anwohner nehmen die Vorgaben grossmehrheitlich mit Fassung und gesittet auf und sie halten sich daran.»

Paul Steffen, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, sagte, grundsätzlich sei die Polizei von dieser Situation nicht überrascht worden. «Ich denke, das muss und darf man erwarten.» Wahrscheinlich spielte er den zivilen Ungehorsam etwas herunter, als er ausführte, dass, auch wenn die Fasnacht abgesagt sei, trotzdem viele Leute unterwegs sein können, um das schöne Wetter mit einem Spaziergang zu geniessen.

Regierung greift durch

Der Ungehorsam setzte sich abends nahtlos fort. Weil in Liestal und auch in Sissach das Veranstaltungsverbot nicht eingehalten wurde, verfügte der Baselbieter Regierungsrat ein «temporäres Ausschankverbot» von 19 Uhr bis heute morgen um 6 Uhr. Restaurants und Detailhändler durften keinen Alkohol, Mineralwasser und Esswaren mehr verkaufen. Zumindest in Liestal dauerte es, bis der letzte Gast das letzte geöffnete Restaurant verliess.

Auch in Pratteln sollen sich ein paar Unentwegte auf dem Schmittiplatz eingefunden haben. «Sollten in den kommenden Tagen in weiteren Gemeinden die geltenden Verbote und Auflagen missachtet werden, müssen auch dort geeignete Massnahmen ergriffen werden», richtete der Regierungsrat per Medienmitteilung aus.

«Man versucht, eine geordnete Situation beizubehalten», sagte Paul Steffen während des nachmittäglichen Nichtumzugs in Liestal, «die Leute sind sehr verständnisvoll und begreifen die Ernsthaftigkeit der Situation und die Absage.» Dennoch: Um 14.30 Uhr legten die Lupo Rueche vor dem Törli los mit Pauken und Trompeten, wurden von der Polizei allerdings daran gehindert, durchs Stedtli zu ziehen.

Glaubt man den Gerüchten, wird auch das Schnitzelbanksingen von heute Abend nicht ganz ins Wasser fallen. Es soll Bängg­ler geben, die wild durch die Beizen ziehen wollen. Allerdings bestimmt nicht durch alle. Yvonne und Eric Rütsche haben ihren Schnitzelbankabend im Kulturhotel Guggenheim abgeblasen. «Aus Solidarität gegenüber der Stadt, mit der wir gut zusammenarbeiten, und gegenüber den Fasnachtskellern und der Fasnacht überhaupt», begründet Eric Rütsche.

Kein Essen in den Müll

Dabei treffe das Guggenheim vor allem der Ausfall des Schnitzelbanksingens finanziell. Viel Arbeit sei in die Planung gesteckt worden. Die Entrecotes, die zum traditionsreichen Event hätten gereicht werden sollen, würden vakuumiert und wanderten auf die normale Speisekarte. «In den Abfall geht nichts davon», bekräftigte Rütsche.

Der Chienbäse mit brennenden Besen fand dann doch nicht statt. Wie Chienbäse-Obmann Werner Fischer bereits im Vorfeld gegenüber der «Basler Zeitung» ausgeführt hatte, sei dies «ein rechter Schlag für die Liestaler Fasnächtler». Die fertigen Feuerwagen könnten bei der Bürgergemeinde einlagert werden. «Das Holz brennt ein Jahr später dann umso besser.»

Zu Grabe getragen

Die Rotznase, in Schwarz gehüllt, trugen die Fasnacht am Nachmittag im Sarg durch die Stadt Liestal. «Am Schluss ging es sehr schnell. Innerhalb von zwei Tagen wurde sie dahingerafft», erzählte Domenic Schneider. Nun sei die Fasnacht im Sarg, «aber wir merken, der Geist der Fasnacht ist trotzdem unter uns». Die Fasnacht funktioniere in den Herzen eines jeden richtigen Fasnächtlers trotzdem. Auch ohne Organisation. «Jedes Jahr aufs Neue gibt es wieder eine junge Fasnacht, die einen Riesenplausch macht.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch