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Ist ein Spitalneubau sinnvoll?

Das Projekt könnte Baselland in Sachen Gesundheitspolitik neuen Schwung verleihen. Gleichzeitig kostet es Millionen und birgt die Gefahr neuer Personalbgänge.

Thomas Dähler und Joël Hoffmann
Zwischen der S-Bahn-Haltestelle Salina Raurica und der Autobahnraststätte soll ein Gesundheitscluster entstehen, schlagen zwei Ärzte-Verbände vor.
Zwischen der S-Bahn-Haltestelle Salina Raurica und der Autobahnraststätte soll ein Gesundheitscluster entstehen, schlagen zwei Ärzte-Verbände vor.
Florian Bärtschiger

Die Baselbieter Ärzte wollen das Kantonsspital an einem einzigen Standort neu ausrichten. Sie sind überzeugt, dass es sich nur mit einem Neubau in Pratteln in eine bessere Zukunft führen lässt. Ist das sinnvoll? Unsere Landredaktion ist diesbezüglich gespalten.

Ja.

sagt Thomas Dähler

Nach dem Abstimmungsdebakel muss sich die Baselbieter Bevölkerung ernsthafte Sorgen um ihr Kantonsspital machen: Dieses erwirtschaftet an seinen drei heutigen Standorten jährlich ein operatives Defizit in zweistelliger Millionenhöhe. Es betreibt heute zwei sanierungsbedürftige Spitalbauten in Liestal und auf dem Bruderholz und ein drittes Spital in Laufen mit zu geringen Fallzahlen. Es muss zudem um seine Ärzte bangen, die sich laufend nach Stellen mit besseren Perspektiven umschauen. Kein Wunder, dass die Patienten ausbleiben und, wo immer möglich, andere Versorger wählen!

In dieser desolaten Situation ergreifen nun die Ärzte im Baselbiet die Initiative und entwerfen das Projekt eines Neustarts an zentraler Lage. Das Projekt eines Kantonsspital mit ambulantem Zentrum und akutsomatischem Spital im Gebiet von Salina Raurica eröffnet als einziges die Perspektive eines Neuaufbruchs. Ein Neubau könnte dort ohne Altlasten auf die Bedürfnissen der modernen Medizin ausgerichtet und nach den Leitlinien einer in der Region koordinierten Spitalpolitik realisiert werden. Letzteres hat immerhin das Volk in beiden Basel an der Urne vorgegeben.

Kein Wunder, dass die Patienten ausbleiben und, wo immer möglich, andere Versorger wählen!

Mit der Perspektive eines modernen Spitals in Pratteln eröffnet sich für den Kanton Baselland die Aussicht, seinen Beitrag für die Gesundheitsversorgung der Region zu leisten und seine Gesundheitspolitik neu auszurichten – auf Augenhöhe mit Basel-Stadt. Mit einer gemeinsamen Spitalliste liessen sich die Patientenströme weit effizienter als heute lenken und die qualitativen Anforderungen nach heutigen Standards erfüllen.

Wer die Finanzierung eines Neubaus gegen das Projekt ins Feld führt, liegt falsch. Teurer als die Sanierung der maroden Häuser auf dem Bruderholz und in Liestal ist ein Neubau nicht. Die Investitionen von rund einer halben Milliarde Franken sind finanzierbar, zumal die Aussicht winkt, das Haus mittel- und langfristig schlanker und effizienter zu führen.

Dagegen spricht nur die politische Hürde, die nicht ganz einfach zu überwinden ist. Die heutigen drei Spitäler haben kürzere Anfahrtswege und lassen die lokale Bevölkerung im Glauben, ihr eigenes Spital gleich um die Ecke aufsuchen zu können. Doch dies eröffnet weder finanziell noch medizinisch zukunftsträchtige Perspektiven. Deshalb gilt es, lieber heute als morgen über den eigenen Schatten zu springen.

Nein.

sagt Joël Hoffmann

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) und das Gebiet Salina Raurica haben etwas gemein: Sie stehen fürs Scheitern. Das KSBL steht finanziell schlecht da, und das Entwicklungsgebiet bei Pratteln steht für die Wirtschaftsoffensive, die es nie gab. Und nun hoffen Baselbieter Ärzte mit ihrer Idee eines Spitalneubaus auf Salina Raurica, dass Minus und Minus Plus gibt. Das ist theoretisch richtig, aber unrealistisch.

Die Idee, dass ein neuer Spitalstandort die bestehenden drei in Liestal, Laufen und auf dem Bruderholz ablöst, ist verlockend. Pratteln liegt zudem gut. Man könnte durchaus von einer mutigen Idee sprechen. Dennoch denke ich, dass ein Neubau übermütig und letztlich unvernünftig ist.

Mit dieser übermütigen Idee würden unnötig Millionen in den Sand gesetzt und weitere Abgänge riskiert

Da wäre der Faktor Zeit: Das KSBL benötigt dringend eine Lösung. Die Jahre bis zur gescheiterten Abstimmung über die Spitalfusion waren schon extrem für das Spital. Die aussichtslose finanzielle Situation des KSBL gab überhaupt den Ausschlag für das Fusionsprojekt. Und nun geht nach all den Verlustjahren so langsam, aber sicher das Geld aus.

Der Neubau bedingt zudem noch abzuschliessende Landkäufe, grünes Licht vom Parlament und eventuell einen Volksentscheid. Und erst dann kann der Neubau überhaupt erstellt werden. Das bedeutet eine nochmals jahrelange Ungewissheit für das Personal, das heute schon in Scharen davonläuft. Kann sich das KSBL weiter eine so hohe Personalfluktuation leisten? Vor allem auch in Zeiten, in denen hochqualifiziertes Personal Mangelware ist? Natürlich nicht. Die medizinische Exzellenz würde unnötig gefährdet.

Ein Abbau wäre sinnvoller

Und dann das Geld: Bis zum allfälligen Neubau müsste das KSBL zusätzlich seine zu teure Infrastruktur weiter betreiben, Millionen in Sanierungen investieren und am Ende den Restwert der aufzugebenden Immobilien abschreiben. Ein Unsinn: Der heutige ambulante Trakt auf dem Bruderholz beispielsweise ist erst vor ein paar Jahren erneuert worden.

Fazit: Mit dieser übermütigen Idee würden unnötig Millionen in den Sand gesetzt und weitere Abgänge riskiert – und das nur für den frommen Wunsch, dass es ein Neubau richten soll. Das ist zu wenig. Ein Abbau bei den heutigen Strukturen macht in einem dynamischen Markt mehr Sinn und bietet mehr Flexibilität als in Beton gegossene Hoffnung.

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