InterGGA wollte unliebsamen Kritiker kaufen

Der Baselbieter Kabelnetzbetreiber wollte den Binninger Politiker Urs-Peter Moos offenbar zum Schweigen bringen.

Lief nicht wie geschmiert: Binningens Gemeinderat Urs-Peter Moos (rechts) stieg nicht auf das Jobangebot von InterGGA-Verwaltungsrat Lucas Wyss ein.

Lief nicht wie geschmiert: Binningens Gemeinderat Urs-Peter Moos (rechts) stieg nicht auf das Jobangebot von InterGGA-Verwaltungsrat Lucas Wyss ein.

Joël Hoffmann

Rund um den diesjährigen Providerwechsel des Baselbieter Kabelnetzbetreibers InterGGA kommen mehr und mehr fragwürdige Geschäftsgebaren ans Tageslicht. Bisher berichtete die BaZ über den Diebstahl von 18'000 Kundendaten beim ehemaligen Provider Improware. Der digitale Einbruch geschah über einen eigens für die InterGGA eingerichteten, eingeschränkten Zugang zur Kundendatenbank.

Improware hat Strafanzeige eingereicht. Dann brachten BaZ-Recherchen den Filz zwischen InterGGA und dem neuen Provider Quickline an die Öffentlichkeit. Als wäre das noch nicht genug, hat der Verwaltungsrat (VR) der InterGGA versucht, einen kritischen Gemeinderat mit einem Verwaltungsratsmandat ruhigzustellen.

Binningen stieg aus

Binningens Gemeinderat Urs-Peter Moos muss den InterGGA-Verwaltungsräten wohl schon seit Jahren auf den Wecker gehen. Er stellt häufig kritische Fragen und ist dezidierter Gegner des Providerwechsels. Sein Hauptargument: Das Preis-Leistungsverhältnis verschlechtert sich. Seine Gemeinderatskollegen stehen hinter ihm, und so kam es, dass Binningen kürzlich seinen Austritt aus der InterGGA bekannt gab.

Der Staatsbetrieb muss vorerst mit seinen restlichen zwölf Aktionärsgemeinden auskommen. Binningens Ausstieg zeichnete sich seit Längerem ab. Immer wieder war Gemeinderat Moos in den Medien InterGGA-kritisch aufgetreten. So auch im Herbst letzten Jahres, als er sich für die Beibehaltung des bisherigen, günstigen Angebots aussprach.

Starke Veränderung bei Abos

Am 5. November 2013 schrieb dann InterGGA-Verwaltungsrat Lucas Wyss eine Mail an Moos: «Ich verstehe leider nicht, warum du derart für die 9.90er-Abos kämpfst.» Es folgt der Hinweis, dass sich 2014 die Abos stark verändern werden. Konkret wird Wyss nicht, er verspricht aber: «Bis in einem Jahr wissen wir alle zukünftigen Abo-Details und werden auch laufend alle Aktionäre darüber informieren.» Dann folgt der entscheidende Satz: «Und wer weiss, vielleicht sitzt bis dahin sogar auch ein ‹Binninger› im Verwaltungsrat der InterGGA.»

Und im letzten etwas abgesetzten Satz wird sich Wyss bewusst, dass man diesen Satz – gelinde gesagt – als Jobangebot verstehen könnte. Darum schreibt Wyss: «Ich schreibe dir diese Zeilen nicht im Namen des Verwaltungsrates, sondern persönlich von mir an dich.» Gemeinderat Moos betont auf Anfrage, dass er auf diese Mail nicht reagiert habe. Es war nicht das erste Mal, dass ihm die InterGGA einen Verwaltungsratssitz in Aussicht stellte, damit er, mit Aussicht auf üppiges Honorar, von seiner scharfen InterGGA-Kritik ablässt: «Ich kann bestätigen, dass mir entsprechende Angebote mehr oder weniger deutlich gemacht wurden», sagt Moos. Doch schriftlich festgehalten ist nur die Mail von Wyss.

Erinnerungslücken bei Wyss

InterGGA-Verwaltungsrats-Präsident Karl Schenk wiegelt wie gewohnt ab: «Der Verwaltungsrat hat weder diskutiert noch entschieden, dass wir irgendjemandem einen VR-Sitz anbieten. Das wäre Sache des VR-Präsidenten, und ich habe Herrn Moos das jedenfalls nicht angeboten.»

Auf Nachfrage verneint erst auch Wyss, dass er Moos je ein VR-Mandat in Aussicht gestellt habe. Als ihm die BaZ mitteilt, dass er Moos eben doch ein Angebot gemacht hat, schreibt Wyss: «Ich bin gerade sprachlos, wortlos. Da ich zur Ironie neige, kann ich einen nicht ernst gemeinten Spruch bei einem Apéro nicht ausschliessen. Grundsätzlich kann ich mich aber weder daran erinnern noch könnte ich mir Urs-Peter Moos als VR-Kollegen vorstellen – sicher nicht, solange ich VR bin. Ich hoffe, dass diese Frage somit geklärt ist.»

Doch keine Erinnerungslücken

Die Frage war damit aber nicht geklärt. Als die BaZ ihm andeutete, Belege zu besitzen, setzte bei Wyss die Erinnerung wieder ein und er erklärt seine Mail: «Im Schlusssatz beziehe ich mich keinesfalls auf seine Person, da gilt weiterhin eine klare Linie, welche ich Ihnen bereits schriftlich und mündlich mitgeteilt habe. Hinter dem Satz steht, dass wir neu den VR vergrössern könnten (früher war der VR auf fünf Personen beschränkt) und Binningen bei der nächsten Wahl mit einem guten Kandidaten eine Chance hätte, an der Strategie der InterGGA mitzuwirken. Das ist übrigens meine persönliche Aussage und nicht die des Gesamtverwaltungsrats», schreibt Wyss.

Zum Schluss spielt er auf den Mann: «Man muss schon ein grosser Narziss sein, wenn man diese Aussage auf sich persönlich bezieht. In einem Detail gebe ich Urs-Peter Moos aber recht, er ist auch ein Binninger.» Höhepunkt: Neben Wyss bestätigt auf Anfrage auch Verwaltungsrat Iwan Nussbaumer «allenfalls beiläufig» Moos mündlich ein VR-Mandat in Aussicht gestellt zu haben. Das hat dann aber wohl kaum mit dem allfälligen Narzissmus des Gemeinderates Moos zu tun.

Basler Zeitung

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