InterGGA-Präsident räumt den Posten

Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff: Karl Schenk tritt aus dem InterGGA-Verwaltungsrat zurück. Grund war wohl der Druck vom Provider Quickline.

Die hohe Anzahl Kunden, die noch nicht migriert wurden, hat die Verantwortlichen der Quickline überrascht.

Die hohe Anzahl Kunden, die noch nicht migriert wurden, hat die Verantwortlichen der Quickline überrascht.

(Bild: Keystone)

Joël Hoffmann

Die umstrittene Migration der InterGGA-Kabelnetzkunden ist zwar abgeschlossen, politisch droht der InterGGA hingegen der Untergang. Und nun verlässt der Kapitän das möglicherweise sinkende Schiff: Karl Schenk, Verwaltungsratspräsident der InterGGA, dankt ab, wie die Firma unter dem Titel «Nach dem erfolgreichen Schritt in die Zukunft: Verzicht auf Wiederwahl als Verwaltungspräsident» mitteilt.

Mit dem «erfolgreichen Schritt» meint die InterGGA den Providerwechsel zu Quickline, der unter fragwürdigen Bedingungen vonstatten ging. Bei der Providersuche waren mehrere InterGGA-Verwaltungsräte beteiligt, die mit dem Ausschreibungssieger, dem Bieler Provider Quickline, verbandelt waren. Zudem begleitete und verfasste die Firma Broadband die Ausschreibung. Die Firma ist der Modemlieferant der Quickline und konnte mit dem Sieg Tausende Modems ins Baselbiet liefern.

Karl Schenk, der seit der Gründung der InterGGA Verwaltungsrat ist, hat in den vergangenen 13 Jahren den Kabelnetzverbund im Besitz von Gemeinden «vom reinen GGA-Verteilnetz zum Dienstleister und Betreiber eines Kommunikationsnetzes mit über 14 000 Kundinnen und Kunden gewandelt». Anders gesagt: Seit Schenk 2012 das Präsidium übernahm und Quickline-nahe Verwaltungsräte neu in den Verwaltungsrat eintraten, stellte er den Betrieb vollständig auf das Geschäftsmodell der Quickline um.

Unter Schenks Führung wurde der Providerwechsel unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorangetrieben. Selbst Aktionären wurden Fragen, etwa zu künftigen Preisen, nicht beantwortet, wie Binningen kritisiert. Auch Geschäftsberichte sind nicht öffentlich.

Mit dem Providerwechsel wurde schliesslich klar: Das Preis-Leistungsverhältnis wurde schlechter – die Wogen gingen hoch. Trotz einiger Ungereimtheiten, Schuld waren für Schenk immer die anderen: «Diese Umstellung mit allen Behinderungen von aussen hat (...) einen enormen Einsatz ge­­fordert», heisst es in der Mitteilung. So ersuchte Schenk mehrfach auch persönlich auf der Redaktion der BaZ, dass sie die Berichterstattung einzustellen habe – inhaltlich widerlegen konnte Schenk, der auch FDP-Gemeinderat in Oberwil ist, die Recherchen hingegen nie.

Rücktritt wohl auf Druck von Quickline

Nun tritt er ab. Ob er freiwillig aus dem Verbund scheidet, darf bezweifelt werden. Die Gemeinden, die bisher ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen haben, schieben die Verantwortung für die InterGGA-Affäre nun auf die mangelhafte Kommunikation der InterGGA und damit auf Schenk. Auch von der Quickline-Führung war hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen, dass sie einen Wechsel an der Spitze forderte.

Schenk ist der zweite Verwaltungsrat, der den Hut nimmt. Bereits auf Ende 2014 trat Lucas Wyss zurück, der mit seinem Reinacher IT-Unternehmen nun lokaler Quickline-Partner ist.

Basler Zeitung

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