«InterGGA ist unnötiges Monsterkonstrukt»

Ralf Beyeler, Telekom-Experte bei Comparis, findet harte Worte über die Wirren um den Baselbieter Kabelnetzbetreiber InterGGA.

Da guckt der Kunde in die Röhre: In den Augen von Comparis-Experte Ralf Beyeler braucht es die InterGGA nicht.

Da guckt der Kunde in die Röhre: In den Augen von Comparis-Experte Ralf Beyeler braucht es die InterGGA nicht.

(Bild: Keystone)

Joël Hoffmann

Herr Beyeler, Sie kennen als Experte des Vergleichsdienstes Comparis den Kabelnetzbetreiber InterGGA AG und haben die Wirren rund um den Providerwechsel verfolgt. Wie beurteilen Sie die Situation?
Die InterGGA ist ein unnötiges Konstrukt. Üblich ist, dass Kabelnetzbesitzer, wie hier die Gemeinden, und Provider, die Internet-, TV- und Telefonie-Angebote liefern, zusammenarbeiten. Im konkreten Fall gibt es zusätzlich dazwischen die InterGGA, die es eigentlich gar nicht braucht.

Das heisst, die InterGGA vernichtet unnötig Geld?
Das ist so. Die InterGGA verbraucht unnötig Geld. Die Gemeinden müssen sich fragen, was eigentlich der Nutzen dieser Firma ist.

Die InterGGA wurde vor über zehn Jahren gegründet, um die Kabelnetze der Gemeinden zu koordinieren.
Die Gemeinden hätten damals keine Aktiengesellschaft gründen müssen, die zudem noch die Hälfte der Provisionen, die eigentlich den Gemeinden zustünden, einkassiert. Eine simple Arbeitsgruppe hätte gereicht.

Inwiefern hätte eine Arbeitsgruppe genügt?
Ein Provider muss nicht jeden Tag gesucht werden. Die Gemeinden hätten also eine Arbeitsgruppe gründen können, die einen Provider auswählt. Zwar hätte diese dann während der Suche einen Aufwand, aber danach hätten die Gemeinden für Jahre Ruhe. Für die Koordination der Kabelnetze braucht es definitiv kein Monsterkonstrukt wie die InterGGA.

Dennoch halten alle Gemeinden ausser Binningen an der InterGGA fest.
Wahrscheinlich kann sich die InterGGA gut verkaufen. Sachliche Gründe für einen Verbleib bei der InterGGA sehe ich keine.

Aber die InterGGA änderte mit dem Providerwechsel zu Quickline ihr Geschäftsmodell. Sie ist nun nicht mehr nur Koordinator und ohne Kunden, sondern jetzt selber eine Art Provider mit Kundensupport geworden. Sie ist also beinahe unentbehrlich geworden.
Für die Gemeinden wird es so schwieriger werden, in Zukunft aus der InterGGA auszusteigen. Will eine Gemeinde den Provider wechseln und künftig nicht mehr die InterGGA dazwischenschalten, ist der Alleingang zwar nicht unmöglich, aber komplexer. Dies, weil die InterGGA sämtliche Kundendaten hat, welche die Gemeinde und der neue Provider benötigen.

Binningen arbeitet nun direkt mit dem bisherigen Provider Improware zusammen und verlässt die InterGGA. Wenn man Ihnen zuhört, heisst das, dass Sie Binningens Weg für richtig erachten?
Es ist grundsätzlich sinnvoll, wenn Kabelnetzbesitzer wie Binningen direkt mit einem Provider zusammenarbeiten. Optimaler wäre es aber schon, wenn sich die Gemeinden untereinander absprechen und gemeinsam ohne die InterGGA mit einem Provider verhandeln. Dies insbesondere bei kleinen Gemeinden.

Wenn für Sie das Modell so eindeutig unnötig ist, dann müssten dies doch die noch verbleibenden zwölf Aktionärsgemeinden erkennen. Warum denken Sie, tun diese das nicht?
Ich gehe fast davon aus, dass sie keine Ahnung von der Materie haben, da ich schlicht keine sachlichen Gründe für die Existenz der InterGGA sehe.

Mit Karl Schenk ist der für die Finanzen zuständige Gemeinderat aus Oberwil Präsident des InterGGA-Verwaltungsrats. Handelt er gegen die Interessen seiner Gemeinde und seiner Wähler?
Das ist eine politische und juristische Frage. Ich kann folglich nicht beurteilen, ob hier beispielsweise ein Interessenskonflikt besteht oder nicht.

Kritisiert wird, dass sich mit dem Providerwechsel weg von Improware hin zu Quickline das Preis-Leistungs-Verhältnis verschlechtert. Ist für Sie der Providerwechsel nachvollziehbar?
Es kann sein, dass ein Providerwechsel Vorteile bringt. Aber mit diesem Wechsel bezahlen insbesondere die Kunden, welche günstiges Internet nachfragen, massiv mehr. Man muss sich fragen, warum die Gemeinden die Interessen ihrer Bürger nicht vertreten.

Und was ist der Grund?
Ich habe den Eindruck, dass sich die zuständigen Gemeinderäte zurücklehnen. Die InterGGA nimmt ihnen bei einem komplexen Geschäft, das sie wohl nicht versehen, die Arbeit ab. Das ist bequem.

Nun sammeln enttäuschte Bürger Unterschriften für Anträge an Gemeindeversammlungen und für eine Initiative gegen die InterGGA.
Wenn die Gemeinden nicht verhindern, dass wichtige Dienstleistungen teurer werden, ist es naheliegend, dass sich die Bürger wehren.

Erhält der Konflikt zusätzliche Brisanz, weil die InterGGA laut Statuten im öffentlichem Interesse handeln müsste?
Worin das öffentliche Interesse bei höheren Preisen liegen soll, ist nicht erkennbar.

Viele Kunden wollen weiterhin ihre günstigen Abos der Improware. Und wieder andere würde gerne die Angebote der Quickline nutzen. Was sollten Gemeinden und InterGGA zum Wohle der Kunden nun pragmatisch tun?
Dual-Providing wäre in diesem Fall die beste Lösung. Die Kunden könnten zwischen beiden Providern und deren Abos auswählen. Klar, hätte die InterGGA dann einen grösseren Koordinationsaufwand, aber es ist möglich. Sachlich ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich die InterGGA gegen diese Idee sperrt.

Basler Zeitung

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