InterGGA in Verdacht auf Klau von Kundendaten

Gegen den Baselbieter Kabelnetzbetreiber wurde Strafanzeige eingereicht – durch den bisherigen Provider. Bei der InterGGA zeigt man sich irritiert.

Vom Telefon bis zum TV-Nutzer: Die InterGGA wird beschuldigt, Kundendaten gestohlen zu haben.

Vom Telefon bis zum TV-Nutzer: Die InterGGA wird beschuldigt, Kundendaten gestohlen zu haben.

(Bild: Keystone)

Joël Hoffmann

Jetzt wird es ungemütlich für den regionalen Kabelnetzbetreiber InterGGA: Der bisherige Provider Improware hat Strafanzeige eingereicht. Improware-CEO Sasha Gloor bestätigt entsprechende Recherchen der BaZ. Der Verdacht: Die InterGGA soll 18'000 Kundendaten geklaut haben. Dies ist kein Kavaliersdelikt, sondern wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.

Die InterGGA hat ein Problem. Sie besitzt bis jetzt keinerlei Kundendaten, benötigt diese aber für die Zukunft. In diesem Jahr stellt sie nämlich ihr Geschäftsmodell um. Die Konsumenten von Fernsehen, Internet und Telefonie sollen neu direkt Kunden der IntergGGA sein. Die Kundenbeziehung lief bis anhin aber direkt zwischen Konsument und dem bisherigen Provider Improware. Die Folge: Dieser hat sämtliche Kundendaten.

InterGGA in der Zwickmühle

Doch die Verhandlungen über deren Übergabe von der Improware zur InterGGA sind im Moment blockiert. Die beiden Unternehmen sind sich bis heute nicht einig darüber, wie viel die InterGGA der Improware dafür bezahlen soll. Der regionale Kabelnetzbetreiber InterGGA, der im Besitz von 13 Gemeinden ist, steckt in der misslichen Lage, dass er möglichst rasch sämtliche Kundeninformationen besitzen muss.

Noch in diesem Jahr soll das neue Geschäftsmodell der InterGGA komplett umgesetzt sein. Das TV-Angebot läuft bereits über den neuen Provider, Internet und Telefonie sollen bald folgen. Um die Kunden jedoch direkt kontaktieren zu können, muss die InterGGA wissen, wer überhaupt ihre Kunden sind. Gerade in dieser heiklen Übergangsphase hat die Improware entdeckt, dass bei ihnen sämtliche Kundendaten abgezogen worden sind – und dies über einen Zugang, der nur der InterGGA zur Verfügung steht.

Diebstahl mit Spezialsoftware

InterGGA-VR-Präsident Karl Schenk teilt mit: «Ich habe keine Kenntnis von einer Anzeige. Improware hat den Vorwurf an uns gerichtet, wir hätten Kundendaten gestohlen. Wir nehmen diesen Vorwurf mit grosser Irritation zur Kenntnis, da die InterGGA nach Vertrag explizit Zugang zu diesen Daten hat. Wir verwahren uns in aller Form gegen die haltlosen Anschuldigungen der Improware.»

Dieser Darstellung widerspricht Gloor vehement: «Die InterGGA hat keinen uneingeschränkten Zugang zu den Kundenordnern der Improware, kann also keine Kundenliste abrufen.» Über einen eigens für die InterGGA eingerichteten Zugang kann sie per Suchmaske einzelne Kundenordner anschauen. Wie nun Techniker der Improware festgestellt haben, wurde im Juli über genau jenen InterGGA-Zugang eine Kundendatei pro Sekunde aufgerufen. «Innerhalb von kürzester Zeit waren sämtliche Kundendaten abgezogen. Das geht nur mit einer Spezialsoftware», so Gloor weiter.

Wer genau die Kundendaten bei der Improware gestohlen hat, wird nun von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Für die InterGGA gilt somit bis zu einem allfälligen Gerichtsurteil die Unschuldsvermutung.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt