Zum Hauptinhalt springen

«Ich kann mich voll entfalten»

Sarah-Janes grosse Schlagerkiste soll im Oberbaselbiet zur Tradition werden. Vor der zweiten Ausgabe spricht die Strahlefrau über ihre Musik, ihre 1.-August-Rede sowie Schicksalsschläge im 2019.

Sarah-Jane lässt sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen. Sie ist eine Oberbaselbieterin durch und durch.
Sarah-Jane lässt sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen. Sie ist eine Oberbaselbieterin durch und durch.
Pino Covino

Sarah-Jane, heute steigt das 2. Sarah-Jane-Fest in Rothenfluh. Ist die Region schlager­verrückt genug, damit sich dieser Anlass wie von Ihnen gewünscht etablieren kann?

Auf jeden Fall. Das beweist seit einigen Jahren das Festival in Schupfart, wo Schlager gross­geschrieben wird. Es macht mir grosse Freude, dass unser Zelt im letzten Jahr voll war. Auch in diesem Jahr sind wir gut unterwegs. Bis Mittwoch waren 530 von 600 Plätzen verkauft.

Neben Leonard oder Anita und Alexandra Hofmann treten die Alpenraudis auf, die Band um Ihren Mann und Manager Dani Sparn. Sie sind praktisch Teil dieser Band, richtig?

Ich bin im Hintergrund die ­Raudi-Mutti. Den Bandnamen habe ich mir ausgedacht. Neun ihrer Titel stammen aus meiner Feder. Natürlich bin ich immer mit Rat und Tat zur Stelle, wenn es mich braucht. Gerade haben wir ihren neuen Videoclip gedreht – «Wenn Kühe fliegen». Ein sensationeller, crazy Sommerhit-Titel. Gut geeignet für den Ballermann oder Après-Ski, denn er macht sofort gute Laune. Wer das sehen will, soll einfach am Fest vorbeikommen.

Worauf liegt im Moment gerade der Fokus Ihrer Arbeit?

Ich bin an vielem. Ich kann mich voll entfalten, weil ich weder eine Plattenfirma noch einen Produzenten habe. Das macht Spass. Schlager kann sowieso alles sein. Das kann ein englischer Schlager sein, ein französischer oder eben ein deutscher, was die meisten damit in Verbindung bringen. Der Lachner Weihnachtszauber war das Sprungbrett für meine englischen Titel. Am Sarah-Jane-Fest nehme ich mir die Freiheit, deutsche Schlager und englische Evergreens zu singen.

Ihr Business scheint ein forderndes zu sein. Wer Ihren Terminkalender durchgeht, findet vom Privatanlass bis zur achttägigen Schiffsreise auf der Seine vieles. Wie erleben Sie es?

Es ist sehr intensiv, aber ich habe immer noch Zeit für meinen ­Damen- und Herrensalon in Rothenfluh. Ich bin ja gelernte Coiffeuse. Unter der Woche lasse ich mich auch gerne für Altersheimnachmittage buchen. Gerne trete ich an privaten Geburtstagen auf, weil das oft in einem intimen Rahmen stattfindet. Grosse Festivals wie die Luzerner Schlagernacht oder das Zofinger Open-Air sind schön, aber du bist halt nur eine unter vielen. Du kommst, trittst auf und gehst dann auch wieder. Ich mag übrigens auch Firmenanlässe, denn solche Auftritte ziehen oft einen nächsten nach sich.

Sie haben Kamm und Schere nie ganz beiseitegelegt. Warum arbeiten Sie immer noch als Coiffeuse?

Als ich im Sommer 2003 den ­Talentwettbewerb am Alpenschlagerfestival in Engelberg ­gewann, war ich immer noch in der Lehre. Carlo Brunner riet mir darauf, «mach einfach alle Lehren, die du noch machen willst. Man weiss nie, was die Musik bringt.» Also hängte ich noch Herrenfach an.

Die Musikkarriere haben Sie trotzdem vorangetrieben.

2004 gingen wir an den Grand Prix der Volksmusik mit «Ich bin noch viel zu jung». Das nahmen die Nachbarländer zu wörtlich, und ich landete auf dem ersten Platz von hinten. 2005 kam dann mein Highlight-Jahr. Ich bestand die Herrenprüfung, bestand die Autoprüfung und wurde Zweite am Grand Prix der Volksmusik, nachdem ich die Schweizer Ausscheidungen gewinnen konnte. Das war ziemlich heavy, aber wenn du jung bist, magst du das noch prästieren. (lacht) Ich möchte kein Jahr zurück, das ist auch klar.

Sie wirken immer aufgestellt. Hilft das im Salon und auf der Bühne?

Sehr. Mich hat jetzt ausser Haus noch niemand mit einer schlechten Laune gesehen, weil ich die zu Hause lasse. Die geht niemanden was an. Was ich tue, ich gehe ungeschminkt einkaufen. Ich sage mir, die Leute dürfen meine Hautunreinheiten auch sehen. Ich bin nicht makellos. Doch wer ist das schon?

2019 ist aber auch ein Jahr, in dem Sie schon einiges wegstecken mussten. Sie haben Ihr Ungeborenes und Ihre Grossmutter verloren. Wie geht die Strahlefrau Sarah-Jane mit Schicksalsschlägen, die ja letztlich auch medial statt­finden, um?

Mittlerweile sind es sogar zwei Fehlgeburten. Zuerst waren wir natürlich sehr betroffen. Ich konnte es anfänglich gar nicht glauben. Noch im Februar war ich froh, schwanger zu sein. Dann kam die Fehlgeburt. Zwei Wochen später verstarb meine Omi. Kurz darauf wurde ich erneut schwanger, doch acht Wochen später verloren wir auch dieses Kind. Ich schaute gen Himmel und fragte, warum. Ich musste mir ins Gedächtnis rufen, Sarah, halte dich an dem fest, was du hast. Ich bin gesund, in einem tollen Umfeld gut aufgehoben. Ich bin in einem Land daheim, in dem kein Krieg herrscht. Wir müssen nicht um unser Leben laufen. Wir haben sauberes Trinkwasser und genug zu essen. Manchmal zu genug.

Sie haben versucht dies ­einzuordnen.

Ich musste feststellen, es geht vielen Frauen wie mir. Das konnte ich in Gesprächen mit Betroffenen erfahren. Auch Fehlgeburten sind ein Teil der Natur. Zum Glück können wir da nicht eingreifen, ausser wir spielen Gott und gehen nach Amerika. Da geht das anscheinend. Ich halte mich an dem fest, was ich habe. Ich habe tolle Eltern, zwei tolle Papillons mit dem Rüden Alfy und dem Welpen Wilma, den ich mir nach den Fehlgeburten kaufte. Ich sagte mir, wenns mit menschlichen Babys noch nicht klappt, tun wir uns einen jungen Hund zu. Die beiden geben mir Freude pur.

Offenbar haben Sie weitherum Eindruck hinterlassen. In Dietlikon halten Sie am 1. August die Festrede. Wie kommt das?

Als ich diesen Anruf erhielt, dachte ich zuerst auch, meine Sau pfeift. Das geht zurück auf meinen Auftritt im «Club» im Schweizer Fernsehen mit dem Thema Adoption. Ich sprach darüber, wie ich als sechs Monate altes Baby aus Indien in die Schweiz kam und dass ich null Bedürfnis verspüre, nach Indien zu fliegen, um meine Mutter oder Geschwister zu suchen.

Oberbaselbieterin durch und durch?

Ich bin hier zu Hause. Dafür bin ich mehr als dankbar. Ich bin auch meiner leiblichen Mutter dankbar, dass sie mich zur Adoption freigegeben hatte, denn sie hätte mich nicht ernähren können. Den Leuten will ich vermitteln, seid doch auch einmal zufrieden mit dem, was ihr habt. Edith ­Zuber, die Stadtpräsidentin von Dietlikon, nahm ebenfalls an ­dieser «Club»-Sendung teil und wünschte sich hinterher, dass ich in meiner Festrede über meinen Werdegang spreche und wie ich zur Schweiz stehe.

Was haben Sie Herrn und Frau Schweizer mitzuteilen, was macht die Schweiz zu einer guten Schweiz?

Ich werde frei Schnauze reden. Ohne Manuskript in meinem Oberbaselbieter Dialekt. Politisch bin ich überhaupt nicht auf dem Laufenden. Von Politik verstehe ich so viel wie eine Kuh vom Pizzabacken, aber ich sage, wir haben eine gute Demokratie. Ohne die wären wir vermutlich auch im Sumpf.

Und was macht das Sarah-Jane-Fest zu einem guten Sarah-Jane-Fest?

Dass die Leute, die zu uns kommen, einen sorgenfreien Abend verbringen und glücklich nach Hause gehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch