«Grüezi, wir sind von der FDP»

Die Freisinnigen gehen schweizweit auf Hausbesuche. Im Baselbiet startet das Pilotprojekt.

Bringen den Wahlkampf vor die Haustür: Saskia Schenker, Interimspräsidentin FDP BL, und Matthias Leitner, Wahlkampfleiter FDP Schweiz.

Bringen den Wahlkampf vor die Haustür: Saskia Schenker, Interimspräsidentin FDP BL, und Matthias Leitner, Wahlkampfleiter FDP Schweiz.

(Bild: C.Giger/FDP Schweiz)

Serkan Abrecht

Haben Sie sich schon immer gewünscht, dass es an Ihrer Haustür klingelt, Sie durch den Spion schauen, Monica Gschwind vor der Tür steht und fragt: «Grüezi, wir sind von der FDP. Wollen Sie mit uns über Politik sprechen?» – Ja? Dann könnten Sie im neuen Jahr Glück haben. Denn so – oder so ähnlich – geht die FDP Baselland auf Stimmenfang für die kommenden Landrats- und Regierungsratswahlen im März.

Door-to-Door-Wahlkampf nennt man diese politische Mobilisierung, die vor allem in Amerika gang und gäbe ist – in der Schweiz aber eher unüblich. Dass nun beim Bürger – wenn er am Abend nach Hause kommt – Exponenten des Baselbieter Freisinns bereits vor der Tür warten, soll der Partei bei den Wahlen im kommenden März zusätzliche Stimmen einbringen.

Testphase in Allschwil und Sissach

Ob alle Mitglieder der Kantonssektion vom Haustür-Wahlkampf begeistert sind, bleibt offen. Die Idee kommt nämlich von ganz oben. Also von der FDP Schweiz. «Wahlkampf hat schon immer auf der Strasse stattgefunden», sagt FDP-Chefin Petra Gössi im Interview mit Nau.ch. Doch zuerst gibt es drei Pilotprojekte, bevor sich die FDP Schweiz in Zeiten der Digitalisierung komplett auf Hausbesuche umstellt. So wird im Baselbiet, in Luzern und Zürich der Freisinn in den kommenden Wochen vor der Haustür angepriesen.

Im Baselbiet beginnt man aber mit kleinen Schritten. 2019 soll noch nicht im ganzen Kanton an den Haustüren geklingelt werden – Allschwil und Sissach genügen den Freisinnigen fürs Erste. «Wir haben die beiden Sektionen bei der FDP Schweiz für das Pilotprojekt angemeldet», sagt Interimsparteipräsidentin Saskia Schenker. «Wir sind neugierig und wollen herausfinden, ob diese Art von Wahlkampf die Leute anspricht.» Und wenn es sie nicht anspricht? Wenn es sie nervt? «Dann verabschieden wir uns freundlich und gehen wieder», sagt Schenker.

Schweizweit haben sich bereits 140 Freisinnige freiwillig gemeldet, um an Haustüren klingeln zu gehen. Wie viele es im Baselbiet sind, ist noch nicht bekannt. Doch die jeweiligen Freiwilligen wurden für die neue Mobilisierungsmethode eigens von der FDP Schweiz geschult. «Wir stellen Daten, Mittel und Schulungen zur Verfügung», sagt Petra Gössi. Diese Schulungen sind anscheinend erfolgreich abgeschlossen worden. Bereits Mitte Januar wollen die FDPler in Allschwil und Sissach auf Wahlkampf gehen – immer nach Feierabend und an den Wochenenden, wenn die Leute zu Hause sind.

«Wir missionieren nicht»

Im Gespräch betont Saskia Schenker, dass die FDP keinesfalls «missionieren» wolle: «Es geht uns darum, vor Ort herauszufinden, wo bei den Menschen der Schuh drückt, und Lösungsvorschläge zu präsentieren.» Dies unterstreicht auch der Übervater der Door-to-Door-Idee, Matthias Leitner. Er ist stellvertretender Generalsekretär und operativer Wahlkampfleiter der FDP Schweiz. «Es geht uns nicht um eine philosophische Debatte über Freisinn und Liberalismus. Unsere Parteimitglieder gehen von Tür zu Tür, um mit den Leuten über das zu sprechen, was sie politisch bewegt.»

Denn gemäss einer Studie würde die FDP nicht ihr gesamtes Wählerpotenzial ausschöpfen. «Grob gerechnet entsprechen die freisinnigen Werte 34 Prozent der Bevölkerung, der FDP-Stimmenanteil liegt aber lediglich bei 16,4 Prozent. Darum haben sich Mitglieder neue Mobilisierungskonzepte gewünscht. Die Hausbesuche sind nun eines davon», so Leitner. Ob diese Art von Wahlkampf auch tatsächlich fruchtet und den Wähleranteil der FDP erhöht, will die FDP Schweiz und Kampagnenleiter Leitner nun anhand von ersten Pilotprojekten analysieren. Und den Anfang macht das Baselbiet.

Basler Zeitung

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