Grossbrand in Pratteln: Unzufriedenheit mit dem Informationsfluss der Behörden

Das Krisenteam habe zu spät und zu wenig breit über allfällige Gefahren informiert, bemängeln Kritiker.

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Ein grosser Sachschaden und eine einsturzgefährdete Fabrikhalle – das ist das Resultat des Grossbrandes beim Unternehmen Galvaplast in Pratteln. Das Feuer war am Sonntag um 20.30 Uhr ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte den Brand erst in den frühen Morgenstunden vollständig löschen. Es habe «saumässig» gestunken, erzählen Anwohner. Der Geruch nach verbranntem Plastik sei noch am Morgen in der Luft gelegen.

Das Feuer brach im hinteren Teil des Fabrikgebäudes aus. Es entwickelte sich starker Rauch. Die Polizei Basel-Landschaft forderte die Einwohner von Pratteln und der umliegenden Gemeinden auf, Türen und Fenster zu schliessen. Am späten Abend kam dann die Entwarnung der Polizei: Im Rauch konnten keine giftigen Chemikalien nachgewiesen werden.

Brandursache unklar

Die betroffene Halle darf vorläufig weder benutzt noch betreten werden. Über die Brandursache sei bis jetzt nichts bekannt, hiess es am Montag bei der Polizei. Der Grund des Brandes werde nun zusammen mit der Staatsanwaltschaft Baselland untersucht. Auch Markus Hornberger, Technischer Leiter bei Galvaplast, will sich punkto Ursache nicht auf die Äste hinauslassen: «Alles, was man jetzt sagen würde, wären wilde Spekulationen.» Einen Vorwurf könne man seinem Betrieb nicht machen, so Hornberger weiter. «Wir halten uns an die Vorschriften und haben alles gemacht, was notwendig ist.»

Dicke Rauchwolke über Pratteln

Während des Brandes wurde die Bevölkerung von der Polizei dazu angehalten Türen und Fenster zu schliessen. Video: Leser 20min.ch

Die SP-Sektionen Pratteln, Birsfelden und Muttenz kritisierten in einem Communiqué, dass sich in den letzten Wochen und Monaten Zwischenfälle wie Brände, Lecks und Explosionen bei Firmen häuften, «stets in nächster Nähe von Wohngebieten». Man sorge sich darum, ob noch genügend Kontrollen bei den Betrieben durchgeführt würden. Die Verbreitung der Informationen über den Brand sei zudem mangelhaft gewesen. «Wer nicht auf den sozialen Netzwerken unterwegs war, wurde kaum oder gar nicht mit Nachrichten und Hinweisen versorgt.»

Kritik aus Deutschland

Auf deutscher Seite ist man mit dem Informationsfluss der Schweizer Behörden ebenfalls nicht zufrieden. Erst um 21.48 Uhr habe es die offizielle Auslösung gegeben, dass es zu einem Zwischenfall gekommen sei, sagte Jürgen Käuflin, Leiter des Ordnungsamts Grenzach-Wyhlen, gegenüber der «Badischen Zeitung». Der Vorfall werde noch ein Nachspiel haben.

In einem Facebook-Eintrag kritisierte auch Doris Walther, ehemalige Kommunikationschefin des Kantonalen Krisenstabs, den Informationsfluss. Ihr sei schleierhaft, warum nicht Sirenenalarm ausgelöst worden sei, sagt sie auf Nachfrage der BaZ. «Wann, wenn nicht jetzt, sollen denn die Sirenen zum Einsatz kommen?», fragt sich Walther. So verliere die Sicherheitsbehörde nach und nach das Vertrauen der Bevölkerung.

Adrian Gaugler, Sprecher der Polizei Basel-Landschaft, verteidigt das Vorgehen in Sachen Information. «Wir hatten von Anfang an Messresultate und sahen, dass keine akute Gefahr für die Bevölkerung bestand.» In dieser Situation den Sirenenalarm auszulösen, wäre unverhältnismässig gewesen, so Gaugler. Die Aufforderung, wegen der Rauchentwicklung Türen und Fenster zu schliessen, sei zudem nicht nur über die sozialen Medien erfolgt, sondern auch per Radio und per Lautsprecher.

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