Gemeindepräsident mit Start-up-Ambitionen

Der Arlesheimer Markus Eigenmann will mit Alpha Diagnostics den Durchbruch schaffen.

Markus Eigenmann mit dem Gerät «Alphasystem».

Markus Eigenmann mit dem Gerät «Alphasystem».

(Bild: Alex Reichmuth)

Markus Eigenmann ist derzeit doppelt gefordert. Einerseits steht er seiner Wohngemeinde Arlesheim mit über 9000 Einwohnern als Gemeindepräsident vor. Andererseits ist er Geschäftsführer von Alpha Diagnostics, einem Unternehmen, das als ­typisches Start-up bezeichnet werden kann. Produkt des Unternehmens ist ein kompaktes Kästchen, das in der Lage ist, Schiffs- und Diesellokmotoren auszuhorchen. Es kann mit einem Stethoskop verglichen werden.

Dieses Gerät namens Alphasystem kann aufgrund von Drehzahlschwankungen der Motoren Informationen über deren Zustand geben. «Störungen bei der Drehbewegung lassen auf Probleme bei der Einspritzung, der Lagerung oder des Verbrennungsvorgangs schliessen», erklärt Eigenmann. Dank dem Diagnosegerät könne man solche Probleme frühzeitig erkennen, bevor ein grösserer Schaden am Motor eingetreten ist. Übertragen werden die Signale von am Motor angebrachten Sensoren.

Drehzahl-Diagnostik in Form eines Spin-offs

Markus Eigenmann hat Alpha Diagnostics vor einem Jahr gegründet, zusammen mit drei Geschäftspartnern. Alle vier waren ursprünglich für das Basler Unternehmen Jaquet Technology Group tätig, Eigenmann als Geschäftsführer. Hauptfokus dieser Firma war die Drehzahlmessung. Die Diagnostik aufgrund der Drehzahl war ebenfalls ein Entwicklungsziel von Jaquet. 2016 wurde das Unternehmen aber an den amerikanischen Konzern TE Connectivity verkauft. Etwas später entschied der Konzern, die Drehzahl-Diagnostik nicht weiterzuführen, da sie nicht zum Portfolio passe. Eigenmann und seine drei künftigen Geschäftspartner verständigten sich und beschlossen, die Drehzahl-Diagnostik in Form eines Spin-offs weiterzuverfolgen.

Alphasystem, das kleine Kästchen, beinhaltet im Wesentlichen einen Industrie-PC, ­zusätzliche Elektronik, um die Sensorsignale einzulesen, sowie eine Kommunikationsschnittstelle. Auf dieser Hardware ­implementiert das Unternehmen Alpha Diagnostics seine Diagnose-­Software.

Das Interesse an ihrem Produkt sei gross, sagt Markus Eigenmann. «Wir reiten auf einem Megatrend.» An Fach­messen im Marine- und Eisenbahnbereich rede derzeit alles über Digitalisierung bei der Wartung und die sinnvolle Nutzung von Daten, die von Sensoren bereitgestellt werden. Weltweit seien sie im Gespräch mit Kunden, so Eigenmann. «Wir kriegen überall Termine.»

Zu früh für eine Bilanz

Dennoch benötige der Verkaufsprozess seine Zeit. «Die Kunden möchten sich meist mittels einer Probeinstallation überzeugen, ob Alphasystem hält, was es ­verspricht.» Erst dann falle der Entscheid, ob eine ganze Flotte damit ausgestattet werde. Für eine Bilanz, wie gut es mit dem ­Start-up Alpha Diagnostics ­laufe, sei es darum nach nur einem Jahr Selbstständigkeit noch zu früh.

Seinen Sitz hat das Unternehmen Alpha Diagnostics im ­Reinacher Business Parc. Hinter dem Parc steht die gemein­nützige Stiftung Gründer­zentrum, welche sich der ­Förderung von Start-ups verschrieben hat. «Ich kannte den Business Parc und seine Räumlichkeiten von Veranstaltungen her», sagt ­Markus Eigenmann. Im Parc können Räumlichkeiten wie ­Sitzungszimmer oder Cafeteria sowie Dienste wie Empfang oder Post gemeinsam genutzt werden. «Wir konnten die Büro­räume anschauen und am nächsten Tag schon einziehen, es ging alles unkompliziert», so Eigenmann.

Für Markus Eigenmann ist die Leitung von Alpha Diagnostics die erste Erfahrung mit einem Start-up. Die Aufgabe unterscheide sich stark von der Führung eines Unternehmens mit mehreren Hundert Mitarbeitern, wie sie ihm vorher oblegen habe. Wenn man gerne generalistisch arbeite, sei es sehr gut. «Wir vier Geschäftspartner haben alle ein breites Tätigkeitsfeld und müssen uns auch gegenseitig vertreten können.»

Gemeindepreesi

Seine Arbeit als Gemeinde­präsident von Arlesheim lasse sich bis jetzt gut mit der Arbeit für ­Alpha Diagnostics vereinbaren. «Da ich nicht ganz neu im Amt des Gemeindepreesi bin, geht das aktuell gut», meint Markus Eigenmann. Er ­profitiere von der geografischen Nähe seiner beiden Wirkungsorte. «Ich bin von Reinach aus schnell an einer Besprechung in Arlesheim und profitiere dort von der professionellen Gemeindever­waltung.» Die beiden Welten, in denen er sich bewege, seien sehr verschieden, «aber ab und zu kann ich doch von der einen Welt etwas in die andere mit­nehmen».

Wie es weitergeht mit Alpha Diagnostics, ist noch offen. «Der Markt ist sehr dynamisch», so Eigenmann. «Wir versuchen mit unserer Grundidee in die Breite zu gehen, bevor wir die Strategie für die nächsten Jahre festlegen.» Falls das Unternehmen stark wachse, sei unter Umständen eine zusätzliche Finanzierung sowie die Anstellung von weiteren Mitarbeitern notwendig. Aktuell arbeitet ein Angestellter für das Unternehmen.

Basler Zeitung

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