Zum Hauptinhalt springen

Fit machen für das Berufsleben

Seit 20 Jahren ist der Förderkurs «E Lehr mit Kick» erfolgreich. Bildungsdirektorin Monica Gschwind lobt den Durchhaltewillen der jugendlichen Teilnehmer.

Förderkurs für Lernende mit schwachem Schulrucksack in der Gewerblich-industriellen Berufsschule. Foto: Dominik Plüss
Förderkurs für Lernende mit schwachem Schulrucksack in der Gewerblich-industriellen Berufsschule. Foto: Dominik Plüss

Es gibt im Bildungswesen Förderprogramme, die der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind, aber überaus erfolgreich wirken. Dazu gehört der Förderkurs «E Lehr mit Kick». Dieses Programm ermöglicht seit 1999 Jugendlichen mit schwachem Schulrucksack, eine Lehre erfolgreich abzuschliessen. Am Samstag feierten Lernende und Lehrpersonen dieses Jubiläum gemeinsam mit Regierungsrätin Monica Gschwind.

Lisa Nussbaumer, damals Lehrperson an der Berufsschule in Liestal, gehört zu den Initiantinnen dieses Projekts. Im Jahre 1999 habe eine grosse Krise auf dem Arbeitsmarkt geherrscht: Es gab zu wenig Lehrstellen. Zudem habe man gewusst, dass viele Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit keine Lehre begannen oder diese – wegen schwacher Schulleistungen – bald wieder abbrachen. Ihnen sollte geholfen werden.

Daraus entstand das Projekt «E Lehr mit Kick». Dieses bietet seit nunmehr 20 Jahren Jugendlichen eine Vorbereitung auf die Berufslehre, indem sie Lehrstellen vermittelt. Ausserdem gibt es Einführungstage in der letzten Sommerferienwoche vor Lehrbeginn.

Unterstützung für Lernende

Besonders wichtig sei aber die individuelle schulische Unterstützung und Begleitung der Lernenden während der Schulzeit, so Urs Tanner, Präsident des Mitarbeitenden-Konvents der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Muttenz (GIBM). In deren Räumlichkeiten treffen sich die Jugendlichen jeden Samstag zwischen acht und elf Uhr. Zurzeit sind es fünfzig Auszubildende zwischen 16 und 23 Jahren, sagt Schulleiterin Gini Minonzio.

Bemerkenswert sei, dass die Jugendlichen sich zu Beginn der Lehre schriftlich verpflichteten, am Kick-Programm teilzunehmen: «Es ist nicht selbstverständlich, in diesem Alter einen Samstagvormittag für das Lernen zu opfern.» An der Jubiläumsfeier wurde daran erinnert, dass es manchmal einen Kick braucht, «um in die Gänge zu kommen». Es sei auch nicht selbstverständlich, dass Jugendliche zur Einsicht kämen, dass sie Hilfe benötigten und diese auch in Anspruch nähmen.

Jeden Samstagvormittag gibt es zum einen Unterricht in Klassen, in denen schulischer Stoff vertieft oder wiederholt wird. Daneben gibt es individuelles Coaching, etwa bei den Hausaufgaben. Die Lehrpersonen stehen den Jugendlichen aber auch bei Problemen in der Familie, in Beziehungen oder im Lehrbetrieb zur Seite. «Wir sind für die Lernenden oft eine neutrale Vertrauensperson», blickt Lisa Nussbaumer auf ihre langjährige ­Tätigkeit im Kick-Programm zurück. Bildungsdirektorin Monica Gschwind würdigte insbesondere die nachhaltige und erfolgreiche Wirkung des Programms. «Bemerkenswert ist der Durchhaltewillen, den die Lernenden zeigen», lobte sie die jugendlichen Kickteilnehmer.

Kaum Jugendarbeitslosigkeit

Im Weiteren hielt sie ein Plädoyer für das duale Bildungssystem der Schweiz, das weltweit gerühmt werde. «Die Schweiz kennt, im Gegensatz zu andern Ländern, kaum Jugendarbeitslosigkeit.» Es brauche aber nicht nur akademisch gebildete Berufsleute, sondern gute und erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker. Gerade in diesen Berufen gebe es einen Fachkräftemangel. Deshalb seien auch die Berufsaussichten gut.

Die Kick-Teilnehmenden selber äusserten sich sehr positiv zum Programm: «Es fällt mir leichter, mich hier zu konzentrieren», sagte einer. Ein anderer hob das persönliche Coaching hervor. Und ein dritter sagte, er bekomme einen Kick von den Lehrpersonen, mit anderen Worten: einen neuen Motivationsschub, wenn er einen Durchhänger habe. Wichtig ist den Lernenden, möglichst früh zu erfahren, welcher handwerkliche Beruf am besten zu einem passt.

Dass das Kick-Programm erfolgreich ist, hat Lisa Nussbaumer mehrfach festgestellt. Es gebe Lehrmeister, die ausdrücklich einen Lernenden aus dem Kick-Programm wollten, weil sie wüssten, dass diese Jugendlichen besonders motiviert sind. Trotzdem wäre es gut, wenn sich mehr Betriebe für die Ausbildung von Lernenden aus dem Programm entscheiden würden, betont sie.

Für Ausbildner Patrick Bosshard wie auch für die anderen am Kick-Programm Beteiligten ist es wichtig, dass die Lernenden nicht aufhörten zu lernen. Er wandte ein, dass es für Jugendliche manchmal besser sei, erst (handwerklich) zu arbeiten und sich allenfalls später für ein Studium zu entscheiden. Und Schulleiterin Minonzio schloss mit einem Appell: «Lernen macht Spass – zieht die Ausbildung durch bis zur Lehrabschlussprüfung; danach steht euch die Welt offen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch