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Feldwerbung wird heute geduldet

Noch verbietet die Signalisationsverordnung Feldwerbung entlang von Autobahnen. Durchgesetzt wird das Verbot indessen kaum mehr, weil es fragwürdig ist.

Mit GPS zentimetergenau vermessen: Die aktuelle Feldwerbung am Hang oberhalb von Arisdorf.
Mit GPS zentimetergenau vermessen: Die aktuelle Feldwerbung am Hang oberhalb von Arisdorf.
Roland Schmid

Vor zwei Jahren noch hatte das Bundesamt für Strassen (Astra) bei Bauer Otto Surer in Arisdorf interveniert, als er sein von der Autobahn A2 hervorragend einsehbares Feld für den Schriftzug «agrola.ch» zur Verfügung stellte. Umpflügen musste er allerdings erst nach der Erntezeit. Dieses Jahr hat die von Thomas Stutz geführte Firma GreenWorks am selben Ort den Schriftzug «aquabasilea.ch» angebracht. Und niemand regt sich mehr auf. Beim Astra verweist man auf die Zuständigkeit der Kantonspolizei. Seitens der Baselbieter Polizei wurde aber gemäss Auskunft von Sprecher Meinrad Stöcklin «nicht interveniert».

Grundsätzlich verbietet Artikel 97 der Signalisationsverordnung Strassenreklamen im Bereich von Autobahnen und Autostrassen nach wie vor. Verschiedene Gründe haben aber mittlerweile zu einer liberalen Handhabung des Verbots beim Bundesamt und bei den Polizeien geführt. Dem «Problem» wird kaum mehr Priorität beigemessen, weil eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit höchst umstritten ist und weil offenbar eine gewisse Rechtsgleichheit beziehungsweise Gleichheit im Unrecht im Umgang mit der Feldwerbung angezeigt erscheint.

Mittlerweile ist Werbung entlang der Autobahnen, sei es in Form von Plakaten, bewusst hingestellten beschriebenen Lastwagen oder von übergrossen Firmenlogos schlicht eine Tatsache. Astra-Sprecher Thomas Rohrbach weiss denn auch sehr genau, wovon er spricht, wenn er sagt, dass die Handhabung des Verbots «keine einfache Situation ist». Das Astra wünsche sich vor allem eines: «Regeln, die im ganzen Land einheitlich angewendet und durchgesetzt werden.» Letzteres war in der Vergangenheit aber gerade bei der Feldwerbung nicht der Fall, wie Thomas Stutz beklagt. Was im Aargau kein Problem gewesen sei, habe man im Kanton Luzern unterbunden.

Aebis Vorstoss

Ein weiterer Grund für die behördliche Grosszügigkeit ist, dass die Legalisierung der Feldwerbung auf Bundesebene bevorsteht – wenn auch nicht unmittelbar. Eine entsprechende parlamentarische Initiative des Berner SVP-Nationalrats Andreas Aebi hat die parlamentarischen Hürden im National- und Ständerat bisher erfolgreich genommen. Mit seinem Vorstoss will Aebi nicht zuletzt den Bauern zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erschliessen.

Die nationalrätliche Verkehrskommission beabsichtigte noch im April dieses Jahres den Bundesrat per Motion mit der entsprechenden Änderung der Verordnung zu beauftragen. Mittlerweile hat sich die Kommission aber für den Weg der Gesetzgebung entschieden. Ein erster Entwurf soll ihr im November vorgelegt werden. Dann wird darüber entschieden, ob allenfalls noch ein Vernehmlassungsverfahren durchgeführt wird. Bis ein neuer Erlass in Kraft tritt, der den Bauern die neue Erwerbsmöglichkeit definitiv erlaubt und Verwaltung und Polizei «entlastet», wie sich Rohrbach ausdrückt, werden somit voraussichtlich noch rund zwei Jahre vergehen.

Guter Ertrag

Doch was bringt Feldwerbung den Bauern wirklich? Thomas Stutz von GreenWorks GmbH will keine konkreten Zahlen nennen, weil nicht jeder Fall gleich gelagert sei. Er spricht aber «von einem guten mittleren Rohertrag im Vergleich zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung». Das entspricht etwa 5000 bis 6000 Franken pro Hektare und Jahr – und das ohne grossen Arbeitsaufwand.

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