Emil Ryslers Engagement für Binningen

Der pensionierte Architekt wollte nicht akzeptieren, dass sein Wohnort im Zuge des Doppelspurausbaus Spiesshöfli durch ein graues Schottergleis entzweigeschnitten wird. So, wie es aussieht, hat er mit seinem Kampf nun Erfolg.

Emil Rysler fand bei der Gemeinde Binningen Mitstreiter für einen verträglicheren Doppelspurausbau.

Emil Rysler fand bei der Gemeinde Binningen Mitstreiter für einen verträglicheren Doppelspurausbau.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Alex Reichmuth

Wie sieht das Idealbild von Demokratie aus? Etwa so: Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich am politischen Prozess, bringen Anliegen ein und können diese durchsetzen, falls sie Unterstützung finden. Die Er­fahrung, die Emil Rysler aus Binningen gemacht hat, entspricht diesem Ideal durchaus. Der pensionierte Architekt hatte ein Anliegen, suchte Verbündete und kam schliesslich zum Erfolg.

Es geht um den Ausbau der Tramlinie 10/17 in Binningen. Der 350 Meter lange Abschnitt Spiesshöfli zwischen den Stationen Binninger Schloss und Bottminger Mühle soll von einer auf zwei Spuren erweitert werden. Damit will die Baselland Transporte AG (BLT) den wohl störendsten Engpass entlang der Birsigtallinie beheben. Heute kommt es dort regelmässig zu Verspätungen. Vor kurzem hat die Regierung die Vorlage für den Doppelspurausbau an den Landrat verabschiedet. Der Ausbau soll zusammen mit der Instandsetzung der Kantonsstrasse, die entlang des Tramtrassees führt, 37,5 Millionen Franken kosten.

Um die Doppelspur realisieren zu können, müssen zwölf Häuser abgerissen werden, die heute unmittelbar an der einspurigen Strecke stehen. Zudem sollen vier von fünf bestehenden ungesicherten Übergängen über die Kantonsstrasse und das Tramtrassee verschwinden.

Aufhebung der Übergänge

2014 war es, als Emil Rysler und seine Frau die damalige Projektierungsvorlage der Regierung an das Parlament studierten. Die Ryslers sind Anwohner auf der Bruderholzseite des heutigen Einspurabschnitts. Was sie da ­sahen, gefiel ihnen überhaupt nicht. «Der Ort Binningen sollte durch ein breites, doppelspu­riges Überlandgleis quasi in zwei Teile zerlegt werden», sagt Emil Rysler.

Damals war die Aufhebung aller fünf ungesicherten Bahnübergänge auf dem entsprechenden Abschnitt vorgesehen. «Man hätte kaum mehr von der einen auf die andere Seite gelangen können. Um die nächsten Übergänge bei der Brückenstrasse oder bei der Station Bottminger Mühle zu erreichen, hätten die Fussgänger die gefährliche Kantonsstrasse entlanggehen müssen, wo das Trottoir oft durch An­lieferverkehr verstellt ist.»

Netzwerk in Binningen

Rysler wollte erreichen, dass zumindest der Übergang beim Waldeckweg erhalten bleibt und entsprechend gesichert wird. Er setzte sich mit dem Kanton und der BLT als Betreiberin der Linie in Verbindung, schriftlich und mündlich. Das Echo war gering.

Doch Rysler gab nicht auf. Um den Übergang beim Waldeckweg zu erhalten, kontaktierte er die kommunalen Behörden. «Daniel Zimmermann, der Chef der ­Binninger Bau- und Planungskommission, war rasch überzeugt vom Anliegen und setzte sich fortan dafür ein.» 2016 kam es zu einer Begehung von Rysler und Zimmermann mit dem Chef Infrastruktur der BLT und einem Planer des kantonalen Tiefbauamts.

Emil Rysler baute sein Netzwerk in Binningen aus. Insbesondere konnte der Architekt seine Pläne der Gemeinderätin Caroline Rietschi präsentieren, die für Verkehr und Tiefbau zuständig ist. «Auch sie kam zum Schluss, dass es ­diesen Übergang braucht», sagt Rysler, «und so setzte sich bald die ganze Gemeinde für dessen Erhalt ein.»

Rasengleis ist schöner

Rysler hatte bald darauf noch ein zweites Anliegen. Der Abschnitt Spiesshöfli, der auf Doppelspur ausgebaut werden soll, hätte ein Trassee aus Schotter ­bekommen sollen – wie es typischerweise bei Überlandgleisen vorkommt. Ein Unding mitten im Dorf, war Ryslers Schluss. Er schlug vor, dass zwischen den Gleisen Gras wachsen soll. «Ein Rasengleis ist schöner anzusehen, dämpft den Lärm und absorbiert im Sommer die Hitze», argumentiert Rysler. Er suchte und fand in der Gemeinde wiederum Verbündete. Seitens des Kantons und der BLT war man allerdings weniger begeistert – zumindest anfänglich.

Auf seiner Website Doppelspur.info sammelte Emil Rysler sämtliche Informationen zum geplanten Ausbau und bereitete sie auf. Gleichzeitig lobbyierten er und Vertreter der Gemeinde bei BLT und Kanton für seine ­Anliegen.

900'000 Franken zusätzlich

Klar war, dass ein Rasengleis auf diesem Abschnitt etwa 900'000 Franken teurer zu ­stehen käme als ein Schottertrassee. Es lag auf der Hand, dass die Gemeinde einen Teil dieser Zusatzkosten übernehmen musste, wenn auch der Kanton zu einer Mehrausgabe bewegt werden sollte. Im letzten Januar hiess der Binninger Einwohnerrat mit grossem Mehr 225'000 Franken für ein Grüngleis gut. Rysler war überrascht, dass alle Ortsparteien hinter dem Kredit standen und dieser problemlos durch das kommunale Parlament ging.

Im vergangenen Juni verabschiedete die Baselbieter Regierung wie erwähnt ihre Vorlage zum Doppelspurausbau Spiesshöfli. Und diese Vorlage ist ganz nach dem Gusto von Rysler. Denn darin ist nicht nur der Erhalt des Übergangs beim Waldeckweg vorgesehen, sondern auch das von Binningen gewünschte Rasentrassee. Gemäss der Regierung soll der Kanton die noch fehlenden 675'000 Franken für das Grüngleis übernehmen. Besonders freut Rysler, dass die Notwendigkeit des Rasentrassees in der Vorlage exakt mit den Argumenten begründet wird, mit denen er selber seit längerem ­dafür kämpft.

Grund zur Zufriedenheit

Noch ist die Sache nicht in trockenen Tüchern. Denn der Landrat muss die Vorlage zum Doppelspurausbau erst noch ­absegnen.

Doch schon jetzt ist klar, dass Emil Rysler allen Grund zur ­Zufriedenheit hat. Dieser bleibt aber bescheiden: «Ohne die Unterstützung vieler Vertreter der Gemeinde wäre das nicht möglich gewesen.»

Basler Zeitung

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