Einer, der mit allen spricht

Der Sissacher Grüne Isaac Reber strebt seine dritte Amtszeit als Regierungsrat an – er wirkt ziemlich entspannt.

Isaac Reber spricht gerne mit den Leuten – ob von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon. Video: Mischa Hauswirth

Isaac Reber schleppt kaum Akten mit sich herum. Was er braucht, jedenfalls das meiste, hat er digital dabei. «Sein» Gegenstand ist deshalb das iPhone. Da musste der 57-jährige Sicherheitsdirektor nicht lange überlegen. Ein Leben beziehungsweise ein Arbeiten ohne dieses Gerät ist für ihn fast nicht mehr vorstellbar. Und dies nicht nur, um auf schwere Aktenmappen verzichten zu können. Es ermögliche ihm auch den jederzeitigen Dialog mit allen möglichen Leuten. «Dialog ist für mich ohnehin extrem wichtig», sagt der Baselbieter Sicherheitsdirektor. Ein abgeschottetes Bürodasein passt tatsächlich nicht zu Isaac Reber. Er spricht gerne mit den Leuten – ob von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon.

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass er sich nicht wirklich Sorgen um seine Wiederwahl am 31. März macht. Er mag die Menschen. Und – im Moment fast noch wichtiger – die Menschen mögen ihn. Reber, der Geograf und Raumplaner einfacher Herkunft – sein Vater war Arbeiter und seine Mutter Schneiderin –, kennt keinen Standesdünkel. Er spricht mit allen, ohne sich dabei verbiegen zu müssen.

Und gleichwohl ist auch für ihn klar: Gerade für einen Vertreter einer eher kleinen Partei wie die der Grünen gibt es keine Garantie auf Wiederwahl. «Ich bin nicht naiv», meint er. Einen guten Monat vor dem Wahltermin deshalb aber mit übertriebenen Wahlkampfaktivitäten zu beginnen oder zu «hypern», wie er sagt, das mache keinen Sinn. Man müsse sich den Respekt und das Vertrauen des Wahlvolkes während vier Jahren erwerben, ist Reber überzeugt.

Freude am Gestalten

Dass er weiter der Baselbieter Regierung angehören möchte – ob als Sicherheitsdirektor oder in einer anderen Direktion –, daran lässt Isaac Reber keinen Zweifel aufkommen; Denn er ist gerne Regierungsrat, «jedenfalls meistens», wie er relativiert. Er habe Freude an seinem Amt und gestalte gerne. Auch wenn er damals, im Jahr 2011, als Newcomer und Grüner in den Augen der meisten politischen Beobachter mehr in die Sicherheitsdirektion abgeschoben wurde, als dass er sich um diese gerissen hätte. Er arrangierte sich schnell mit der Situation. «Es gibt so viele gute Juristen in dieser Direktion, da muss der Chef nicht auch noch Jurist sein. Er muss diese nur führen können», meint Reber augenzwinkernd.

Und er versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. Ein neues Polizeigesetz mit einer komplett neuen Polizeistruktur – die Polizisten sitzen nicht mehr auf den Posten, sondern sind unterwegs – gehört zu seinen Leistungen. Und natürlich die Kriminalitätsfälle. Diese konnten in der Amtszeit von Reber permanent gesenkt werden – von den Gewaltdelikten über den lästigen Kriminaltourismus bis hin zu den Velodiebstählen, die ebenfalls um 40 Prozent abgenommen haben. Nicht ohne Stolz verkündet der Sicherheitsdirektor daher immer wieder: «Das Baselbiet ist heute einer der sichersten Kantone.» Sicher ist das primär das Verdienst der Polizei, zweifellos aber auch desjenigen, der den Takt vorgibt. Und das tut der Sicherheitsdirektor nicht zuletzt dadurch, dass er bei Einsätzen bei Nacht und Nebel auch mal selber mit von der Partie ist.

Verantwortung übernehmen

Voran geht er aber auch, wenn es unangenehm wird. Etwa dann, wenn, wie kürzlich, aus der noch nicht mal offiziell eröffneten geschlossenen Abteilung auf dem Arxhof gleich drei Insassen ausbüxten. Dann steht der Chef hin und zeigt Troubleshooter-Qualitäten – nach dem Motto: Shit happens, aber ich übernehme die Verantwortung. Er habe eben schon in Sissach zu Pfadizeiten gelernt, Verantwortung zu übernehmen, sagt Reber.

Eine Frage musste er sich in den letzten vier Jahren aber immer wieder gefallen lassen – vor allem von Linken, auf deren Stimmen er bei den Wahlen dringend angewiesen ist: Hat ein Grüner überhaupt eine Chance, sich in diese bürgerlich dominierte Regierung einzubringen und sein Gedankengut auch nur annähernd zu verwirklichen? Isaac Reber quittiert die Frage mit einem Schmunzeln und entgegnet unaufgeregt: «Ich wäre sehr enttäuscht über mich selber, wenn es mir nicht gelänge, grüne Politik in das Kollegium einzubringen. Ich hätte die Freude am Job sehr schnell verloren.» Und dann meint er ebenso lakonisch: «Diese Regierung ist übrigens längst nicht so rechts wie ihr Image.» Vielleicht sei sie gewisse Aufgaben mitunter etwas rustikal angegangen. Aus Rücksicht auf die nächste Generation müsse Nachhaltigkeit auch die Finanzen umfassen. «Der Staat hat viele Aufgaben, aber der Schuldendienst gehört nicht dazu», sagt der grüne Regierungsrat.

Berufung Exekutivpolitiker

Da ist der Exekutivpolitiker zu spüren, zu dem Isaac Reber schon früh geworden ist, und der eigentlich stets seine Berufung war. 1996 wurde er, nachdem er eben sein Nachdiplomstudium an der ETH als Raumplaner absolviert hatte, überraschend in den Sissacher Gemeinderat gewählt. Eine Erfahrung, die sich für ihn als prägend erwies, und ihn auf den «Exekutiv-Geschmack» brachte. 2001 rückte er dann für Maya Graf in den Landrat nach, als diese ihre politischen Aktivitäten nach Bern verlagerte. Nun reizte ihn eben die kantonale Exekutive. Erstmals versuchte er den Sprung in den Regierungsrat bei den Wahlen von 2007, scheiterte damals jedoch, worüber er nachträglich aber keineswegs unglücklich sei. Seine Kinder – Reber ist Vater von zwei erwachsenen Töchtern – seien damals noch zu jung gewesen, um den Vater «an Liestal zu verlieren». Und so habe er noch vier weitere Jahre die Haus- und Familienarbeit gerecht mit seiner Frau Brigit teilen können, wie sie dies seit 1988 praktiziert hätten.

2011 aber klappte es. Nach der legendären «Reber-Wahlkampagne», als das Sissacher Urgestein allen zu verstehen gegeben hatte, es sei nun Zeit für einen wie ihn in der Regierung. Drei Monate vor dem Wahltermin, früher als jeder andere Kandidat, war Isaac Reber mit seinen Plakaten in der Öffentlichkeit omnipräsent. Der Erfolg gab ihm recht. Auf Kosten von Jörg Krähenbühl (SVP) zog er in die Baselbieter Regierung ein.

Und was hat dem Literaturfreund und Liebhaber klassischer Musik in den letzten acht Jahren als Regierungsrat gefehlt? Am ehesten das Lesen. «Neben den Akten hat leider nicht mehr sehr viel Lektüre Platz.» Zum Glück, meint Reber, habe er die russischen Klassiker schon vorher gelesen.

Die Basler Zeitung porträtiert in einer Serie die Kandidatinnen und Kandidaten für den Baselbieter Regierungsrat.Bereits erschienen:Thomas de Courten (20. Februar)Kathrin Schweizer (22. Februar)

Basler Zeitung

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