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Ein Herz für Kinder, denen die Staatsschule nicht gerecht wird

Privatschulen wie die Schule für Offenes Lernen in Liestal wehren sich gegen den Entzug der Unterstützungsbeiträge des Kantons.

Thomas Dähler
Für viele Eltern sind nicht persönliche Gründe ausschlaggebend, wenn sie Kindern den Besuch einer Privatschule bezahlen.
Für viele Eltern sind nicht persönliche Gründe ausschlaggebend, wenn sie Kindern den Besuch einer Privatschule bezahlen.
Keystone

Die Baselbieter Privatschulen wappnen sich für den Abstimmungskampf. Im Herbst werden die Baselbieter Stimmberechtigten entscheiden müssen, ob Eltern, die ihre Kinder in eine Privatschule schicken, pro Kind weiterhin einen jährlichen Unterstützungsbeitrag von 2500 Franken erhalten sollen. Die Mehrheit der Landräte haben sich für die Streichung entschieden, doch hat eine Minderheit durchgesetzt, dass das Volk das letzte Wort hat. Gemäss der Vorlage sollen künftig nur noch wenige einen Unterstützungsbeitrag erhalten. Die vom Landrat verabschiedete Härteklausel will die Regierung so handhaben, dass Familien, die Kinder in eine Privatschule schicken, dann Anrecht auf einen Unterstützungsbeitrag von maximal 2500 Franken pro Kind und Jahr haben, wenn sie auch Anrecht auf ein Stipendium für eine Berufsbildung hätten.

«Das wären bei uns nur ganz wenige, denn diese Hürde ist sehr hoch», sagt Matthias Held, Co-Leiter der Schule für Offenes Lernen in Liestal. Ein Blick auf die öffentlich zugängliche Jahresrechnung der Schule zeigt, dass sie den Ausfall der Elternbeiträge nicht ohne Weiteres verkraften kann. Denn die finanziellen Mittel, über welche die Schule verfügt, sind äusserst knapp. Held räumt zwar ein, dass dies nicht bei allen Privatschulen so ist. «Einige aber werden sich nach der Decke strecken müssen.» Dazu gehört sicher die Schule für Offenes Lernen (SOL). «Die Mittel werden für uns sehr knapp», sagt Held.

Zwölf Vollstellen gibt es bei der SOL in Liestal, wenn auch jene mitgerechnet werden, die nicht direkt zum Schulunterricht gehören. Unterrichtet werden 60 Kinder und Jugendliche, darun-­ ter viele, deren Eltern keinen kosten-­ deckenden Beitrag bezahlen. Auf 1,9 Millionen Franken belief sich der Nettoerlös im vergangenen Schuljahr. Der Schule würden gemäss Berechnungen der BaZ bei einem Ja zur Sparmassnahme etwa 100'000 Franken an Schulgeldern entgehen. In der Rechnung des letzten Jahres hätte dies die Schule den ganzen Jahresgewinn gekostet.

Dennoch betont Held, dass die Schule deswegen zwar sparen müsste, in ihrer Existenz aber nicht bedroht wäre. «Wir müssten schauen, wie viele Schüler wir noch ohne kostendeckende Beiträge aufnehmen könnten», sagt Held. Interessenten gebe es stets mehr, als die Schule berücksichtigen könne. Aber auch finanzielle Kriterien seien mitentscheidend, wenn entschieden werde, wer in die Schule aufgenommen werde. Held stellt deshalb eine grundsätzlichere Frage: «Wie stark ist der Kanton Baselland überhaupt noch daran interessiert, den Schülern und Jugendlichen einen Zugang zu alternativen Schulen zu ermöglichen?» Der Entscheid des Landrats sei deshalb ein schlechtes Signal. Privatschulen als Alternative würden zwar nicht infrage gestellt, doch die Mittel würden ihnen dennoch vorbehalten. In der Vorlage sei ausschliesslich von den Staatsfinanzen die Rede, heisst es im Jahresbericht der SOL. «Auf die Auswirkungen der Sparmassnahme auf betroffene Kinder oder Jugendliche und deren Bedürfnisse wird nicht eingegangen.»

Wenn die Staatsschule versagt

Zentral ist – so geht es aus dem Jahresbericht und der Homepage der SOL hervor –, dass für viele Eltern nicht persönliche Gründe ausschlaggebend sind, wenn sie Kindern den Besuch einer Privatschule bezahlen. Meistens ist es die Erfahrung, dass die staatliche Schule den Bedürfnissen eines Kindes nicht gerecht werden kann.

Betroffen sind Kinder, die unter Mobbing leiden, mit körperlichen oder psychischen Symptomen auf den Leistungsdruck oder die Selektion reagieren oder Bedürfnisse haben, auf welche die Regelschule aus Zeitgründen nicht eingehen kann. Auch für Kinder, die unter einem Asperger Syndrom oder unter der Diagnose ADHS leiden, ist die SOL oft eine gute Alternative, denn sie können damit vor dem Konsum von Psychostimulanzien bewahrt werden. «Alles, was man macht, ist eine gewonnene Zeit», erinnert sich eine im Jahresbericht zitierte ehemalige Schülerin, die heute an der Universität Jus studiert.

Jetzt rüstet sich die SOL für den Abstimmungskampf und warnt davor, dass «Alternativschulen aushungern». Es gehe um Fairness gegenüber betroffenen Eltern, um das Recht von Kindern auf pädagogische Alternativen. Und auch um die gefährdeten Innovationsimpulse für die öffentlichen Schulen.

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