«Diese Ansichten sind absolut von vorgestern»

Elisabeth Augstburger glaubt, eine Therapie könne gegen Homo­sexualität helfen. Der ehemalige Landrat Philipp Schoch findet diese Aussagen inakzeptabel.

Aus Sicht von Philipp Schoch ist die Haltung von Elisabeth Augstburger inakzeptabel.

Aus Sicht von Philipp Schoch ist die Haltung von Elisabeth Augstburger inakzeptabel.

Franziska Laur

Herr Schoch, Ständeratskan­didatin Elisabeth Augstburger hat viel Häme, aber auch ­Zuspruch geerntet, weil sie im BaZ-Porträt sagte, eine Therapie könne gegen Homo­sexualität helfen. In Ihrem Jahr als Landratspräsident war sie Vize. Haben Sie sie damals als konservativ erlebt?
Ich wusste, dass sie in gesellschaftlichen Fragen ­konservative Ansichten hat. Auf der ­poli­tischen Ebene haben wir gut zusammengearbeitet. Elisabeth Augstburger ist ein freundlicher Mensch und vermeintlich offen. Sie hat Grüsse für meinen Ehemann ausgerichtet, nachgefragt, wie es ihm geht, und sich auch sonst interessiert.

Ist eine solch konservative Haltung als politische Meinung akzeptabel?
Nein, auf keinen Fall. Wenn ich daran denke, dass sie im Falle einer Wahl als Ständerätin alleine die Haltung unseres Kantons vertreten müsste, so geht das überhaupt nicht. Diese Ansichten sind absolut von vorgestern.

Findet sich eine solche Haltung innerhalb der EVP häufig?
Die Grünen und die EVP haben ja eine Fraktionsgemeinschaft. Diese Zusammenarbeit lief immer gut. Vielleicht waren wir mal in finanzpolitischen Ansichten nicht einer Meinung, doch ansonsten gab es kaum Interessenkonflikte. Die Zusammenarbeit lief immer im Wissen ab, dass wir gesellschaftspolitisch nicht dieselben Ansichten haben. (Anmerkung der Redaktion: ­Weder ­Philipp Schoch noch Elisabeth Augstburger sind noch im Landrat) Doch natürlich weiss man, wie die Evangelische Volkspartei in solchen ­Fragen tickt.

Finden Sie das nicht diskriminierend?
Wir leben in einer Demokratie, und da gehören unterschiedliche Meinungen zum Gesellschaftsbild. Leben und leben lassen ist da das Gebot. Häufig ist es dann so, dass man Streitpunkte auslässt. Doch: Wie kann Elisabeth Augstburger behaupten, dass Homosexualität therapierbar ist. Homosexualität ist keine Krankheit, mir hat es jedenfalls noch nie Schmerzen gemacht. Von ­daher: Ja, ich finde es extrem ­diskriminierend.

«Homosexualität ist keine Krankheit, mir hat es jedenfalls noch nie Schmerzen gemacht.»

In den Online-Medien hat Elisabeth Augstburger auch einige positive Reaktionen ausgelöst. So behauptet ­jemand, die sexuelle Orientierung suche man sich zwar nicht aus, dies bedeute jedoch nicht, dass sie nicht therapierbar sei. Schliesslich würde man ja auch Therapien für Depressive nicht verbieten, weil sich diese ihre Depression auch nicht ­aus­gesucht haben. Beelendet Sie eine solche Haltung?
Ja, sie beelendet mich. Für solche Einstellungen habe ich null ­Verständnis. Es sind Einzelfälle, doch ich höre leider immer ­wieder solche Aussagen. Glücklicherweise hat sich die Gesellschaft in eine positive Richtung entwickelt. Elisabeth Augstburger steht mit ihrer Haltung ziemlich alleine da.

Ist das so?
Ja, ich habe das hautnah miterlebt. Als Politiker bin ich eine öffentliche Person. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, ich stehe jederzeit offen zu meiner Beziehung.

Hat sich die Gesellschaft ­diesbezüglich seit zehn bis zwanzig Jahren geändert?
Ja, völlig. Da hat Claude Janiak (Anmerkung der Redaktion: der abtretende Baselbieter Ständerat) vorgespurt. Janiak hat beispielsweise dafür gesorgt, dass gleichgeschlechtliche Paare willkommen sind. Früher hiess es immer, ein Nationalratspräsident müsse entweder mit Ehefrau kommen oder gar nicht. (lacht)

Standen Sie früher ­gesellschaftlich selber unter Druck, sodass Sie eine Therapie in Erwägung zogen?
Um Gottes willen, nein. Ich kenne Homosexuelle, deren Eltern gedacht haben, eine Therapie könne etwas bringen. Genützt hat das aber niemandem, den ich kenne.

Der Bundesrat hat soeben entschieden, dass er Therapien zwar verurteilt, sie jedoch nicht verbieten will. Finden Sie, er hat richtig entschieden?
Nein, er hat falsch entschieden, weil nur Krankheiten therapierbar sind! Stattdessen müsste der Bundesrat besser Coaching-­Angebote für den Umgang mit der eigenen Sexualität fördern, insbesondere für Jugendliche und deren Familien.

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