Zum Hauptinhalt springen

Die regionalen Privatspitäler machen dem Staat Avancen

Die Privatkliniken kritisieren nicht nur die Spitalfusionspläne, sondern machen überraschende Vorschläge.

Die Privatspitäler der Region Basel schlagen den Regierungen ein Gesundheitsnetzwerk vor.
Die Privatspitäler der Region Basel schlagen den Regierungen ein Gesundheitsnetzwerk vor.
Keystone

Die 14 Privatspitäler der Region haben gestern ihre Stellungnahme zur Spitalfusion und zur gemeinsamen Gesundheitsplanung der beiden Basel präsentiert. Die privaten Anbieter – und das ist bemerkenswert – üben nicht bloss Kritik, sondern warten auch mit Vorschlägen auf, wie die Pläne verbessert werden könnten.

Die BaZ berichtete bereits über die Forderungen der Privaten an die Regierungen und über die Kritik, dass die Pläne der beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger und Thomas Weber Punkte beinhalten, die für die privaten Anbieter falsch sind: so beispielsweise staatliche Beiträge an die Spitalgruppe, welche dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhalte. Sie wollen gleich lange Spiesse. Unter anderem, dass gewisse Angebote wie gemeinwirtschaftliche Leistungen (dazu gehören Notfallstationen) ausgeschrieben und nicht einfach vom Staat vergeben werden.

Was gestern jedoch erstmals öffentlich gesagt wurde: Die Privatspitäler schlagen den Regierungen eine Kooperation mit ihnen vor, also ein Gesundheitsnetzwerk. Das wäre nichts anderes als die Zusammenarbeit zwischen allen Spitälern der Region und eine Konzentration der Angebote auf weniger Anbieter. Das ist tatsächlich überraschend, stehen die Privaten doch für mehr Wettbewerb. Doch auch sie kamen zur Erkenntnis: Der Wettbewerb ist mittlerweile ruinös. Kern des Problems ist, dass die Region viel zu klein ist für ein Unispital. Dazu kommt eine schweizweit extrem hohe Spitaldichte gepaart mit dem Wettrüsten unter den Leistungserbringern. Der Wettbewerb wirkt sich auf die Krankenkassenprämien negativ aus; die Gesundheitskosten steigen und steigen.

Kooperation statt Wettrüsten

Um nun also die Kosten zu dämpfen, wie es die Regierungen wollen, müssten die Angebote nicht nur zwischen den staatlichen Akteuren aufgeteilt werden, sondern zwischen den staatlichen und den privaten. Damit würden nicht nur Überkapazitäten abgebaut, sondern auch die Kosten zusätzlich gedämpft, weil die Privaten günstigere Tarife haben. Eine Kooperation würde das Wettrüsten beenden und die Kosten dämpfen – dafür gäbe es praktisch keinen Wettbewerb mehr.

Bei der für den Forschungsstandort so wichtigen hochspezialisierten Medizin (HSM) warnen die Privatspitäler, dass sich ohne sie die HSM nicht wird in der Region halten können, weil die Region auf die HSM-Fallzahlen des Claraspitals angewiesen sei, um gegen andere Regionen bestehen zu können.

Neben den Privatspitälern haben weitere Akteure ihre Vernehmlassungsantworten veröffentlicht. EVP aus Stadt und Land und die LDP begrüssen die Spitalfusion und die zu erwartenden Synergien. Allerdings sehen sie die ungleiche Beteiligung (BS 70 Prozent, BL 30 Prozent) kritisch. Die Finanzierung sollte paritätisch sein. Baselland dürfe nicht auf Kosten von Basel profitieren, findet die LDP.

Sehr kritisch sind die Grauen Panther. Sie befürchten, dass durch die Rechtsform der Aktiengesellschaft die staatlichen Spitäler letztlich ganz privatisiert werden. Zudem sind sie enttäuscht, dass die Akutgeriatrie nicht berücksichtigt wird. Der Verein Gesundheit für alle begrüsst die Pläne, ist jedoch gegen eine AG und einen Neubau auf dem Bruderholz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch