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«Die Hexenprozesse sind ein aktuelles Thema»

Der Jurist Harald Maihold sieht Parallelen zwischen den Verfahren gegen Hexen und denjenigen gegen Terroristen.

Kein Bereich der Strafrechtsgeschichte sei besser aufgearbeitet worden als jener der Hexenprozesse, sagt Harald Maihold. Der Oberassistent an der Juristischen Fakultät in Basel hat reichlich zu dieser Forschung beigetragen und mehrere Studien und Essays rund um das Thema publiziert.

BaZ: Zwischen 1450 und 1750 wurden 50'000 Menschen als Hexen verbrannt, mehrere Zehntausend weitere des Landes verwiesen, inhaftiert oder zumindest gefoltert – woher rührte diese Massenhysterie?Harald Maihold: Das hat viele Ursachen. Es war eine ökonomisch und sozial schwierige Zeit. Die kleine Eiszeit führte zu Missernten und Hungersnöten. Es herrschten zudem Kriege und eine religiöse Verunsicherung. Das Instrumentarium, um Hexenprozesse voranzutreiben, lag schon länger vor. Dann kam diese schlechte Stimmung hinzu, das Volk suchte nach Sündenböcken und die Obrigkeit bot dazu Hand. Gerade im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in der Schweiz wirkten viele dieser Faktoren gleichzeitig, weshalb Hexen nördlich der Alpen besonders intensiv verfolgt wurden. Es stimmt aber nicht, dass die Kirche diese Hysterie schürte; die Päpste haben teilweise sogar mässigend eingegriffen.

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