Die Einbruchswelle überrollt das Baselbiet

Trotz grosser Anstrengungen der Baselbieter Polizei ist die Zahl der Einbrüche erneut deutlich angestiegen. Die Grenzlage macht den Kanton zum beliebten Ausflugsziel für Kriminaltouristen.

Die Polizei setzt im Kampf gegen die Einbruchswelle auf mehr sichtbare Präsenz und ungewöhnliche Aktionen wie hier bei einer gemeinsamen Kontrolle mit der Militärpolizei.

Die Polizei setzt im Kampf gegen die Einbruchswelle auf mehr sichtbare Präsenz und ungewöhnliche Aktionen wie hier bei einer gemeinsamen Kontrolle mit der Militärpolizei.

(Bild: Dominik Plüss)

Alexander Müller@mueller_alex

Vier Prozent aller Einbrüche in der Schweiz werden im Baselbiet verzeichnet. Der Landkanton, der bloss 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung stellt, ist auf der Einbruchslandkarte ins Zentrum gerückt. In keinem anderen Kanton wurde im letzten Jahr eine stärkere Zunahme der Einbruchszahlen verzeichnet. Mit mittlerweile über 8 Einbrüchen pro 1000 Einwohner ist das Baselbiet erstmals über dem Schweizer Durchschnitt. 2288 Einbrüche wurden der Baselbieter Polizei im letzten Jahr gemeldet. Das entspricht einer Zunahme von 15 Prozent.

Damit ist der Anstieg im Vergleich zur Vorjahresperiode zwar nur halb so hoch. Im Vergleich mit den Nachbarskantonen, die im Gleichschritt der des gesamtschweizerischen Durchschnitts einen Rückgang verzeichneten, ist die Entwicklung im Baselbiet aber besorgniserregend. Dies wollte Sicherheitsdirektor Isaac Reber gegenüber den Medien auch gar nicht in Abrede stellen: «Die Einbruchszahlen bleiben unser Sorgenkind». Er wies zwar daraufhin, dass die Deliktzahlen in sämtlichen anderen Kategorieren auf meist tiefem Niveau stabil geblieben oder sogar gesunken sind. Angesichts der frappanten Entwicklung der Einbruchszahlen ist dies für die Bevölkerung aber nur ein schwacher Trost. Denn Reber weiss auch: «Die Einbrüche beeinträchtigen das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung am stärksten». Zumal sich die Einbruchszahlen den absoluten Spitzenwerten der 90er Jahren immer mehr nähern.

Grosse Anstrengungen unternommen

Der Sicherheitsdirektor und die versammelte Polizeiführung waren gegenüber den Medien bemüht zu zeigen, was in den letzten Monaten und Jahren alles unternommen wurde, um die Einbruchswelle einzudämmen. Die Liste der Massnahmen ist tatsächlich eindrücklich: Die Polizei erhöhte ihre Präsenz in den Gemeinden deutlich, die Einbruchsbekämpfung wurde zum Schwerpunkt ernannt und Einsatzkräfte speziell für diese Aufgabe abgestellt. Man habe ausserdem Ressourcen von verkehrspolizeilichen Aufgaben abgezogen und die Zahl der Verkehrskontrollen reduziert, betonte Polizeikommandant Mark Burkhard.

Verkürzt wurden zudem die Öffnungszeiten der Polizeiposten, damit mehr Kapazitäten für Patrouillen in den Gemeinden zur Verfügung standen. Dort hat die Polizei in den letzten Monaten auf dem ganzen Quartier rund 3000 Zeitschaltuhren verteilt. Hunderte Hausbesitzer wurden kostenlos beraten, wie sie ihre Liegenschaften besser gegen Einbrecher sichern können, und an mehreren Präventionsveranstaltungen wurden die Bürger für die Gefahren sensibilisiert.

Ungewohnte Wege schlug man auch mit der Zusammenarbeit mit der Militärpolizei an. Eine Aktion die Reber auch im Rücklick als «richtig und wichtig» bezeichnete. Dass während der Übung der Armee die Einbruchszahlen zurückgingen (und gleichzeitig in Basel-Stadt anstiegen) zeige den Wert, den eine sichtbarere Präsenz der Sicherheitskräfte hat, betonten Reber und Burkhard.

Aufklärungsquote ist gestiegen

Ein gewisse Ratlosigkeit der Behörden war dennoch nicht zu übersehen: Trotz aller Massnahmen blieben die unmittelbaren Resultate aus. Dies gab Reber zu denken: «Wenn ich sehe, dass in Nachbarkantonen die Delikte abgenommen haben, müssen wir uns schon fragen, ob die Massnahmen genügen, oder ob sie ihre Wirkung erst noch entfalten».

Der Sicherheitsdirektor hielt sich in seiner Analyse an den positiven Kennzahlen fest: Die in den Vorjahren ungenügende Aufklärungsquote ist gestiegen und liegt nun genau im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Zudem ist die Zahl der Verhaftungen um fast 50 Prozent angestiegen: Rund 90 Einbrecher konnte die Polizei im letzten Jahr dank punktueller Kontrollen und schnellen Meldungen der Bürger teilweise in flagranti erwischen. «Ein Ergebnis dieser Anstrengungen zeigt sich daran, dass wir unsere Gefängniskapazitäten ausbauen mussten», bilanziert Reber.

Die Täter kommen via Frankreich

Über die Gründe der gestiegenen Einbruchszahlen liessen die Behörden keinen Zweifel: Der Kriminaltourismus macht dem Baselbiet stark zu schaffen. Vor allem die 40 Kilometer lange Grenze zu Frankreich ist für den Landkanton kein Vorteil. Ein Blick auf die schweizerischen Einbruchszahlen spricht denn auch eine deutliche Sprache: Die höchsten Werte in der Statistik weisen ausnahmslos jene Kantone auf, die an Frankreich angrenzen. Die Täter sind denn auch überwiegend Ausländer, meist aus dem osteuropäischen Raum. Der Sicherheitsdirektor wies darauf hin, dass der Kanton deshalb im letzten Jahr beim Bund eine Aufstockung des Grenzwachtkorps gefordert habe. «Diese ist zwar erfolgt, aber nur marginal».

Reber versprach, nicht locker zu lassen, «bis wir das Problem in Griff bekommen – soweit wir das beeinflussen können». Er betonte aber auch, dass das Baselbiet über alle Delikt-Kategorien hinweg nach wie vor zu den «überdurchschnittlich sicheren Kantonen in der Schweiz» gehöre. Eine Formulierung, wie sie auch in Basel-Stadt während Jahren mit steigenden Deliktzahlen gerne verwendet wurde, die aber vor allem eines ausdrückt: Ratlosigkeit.

baz.ch/Newsnet

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