Der Wald ist ein Verlustgeschäft

Um den Wald als Natur- und Freizeitpark zu erhalten, seien zusätzliche Einnahmen dringend nötig, klagen Waldbesitzer – und fordern Geld vom Staat und den Waldbenutzern.

Die Schere zwischen den Ansprüchen jener, die den Wald als Freizeitpark benutzen, und den Bedürfnissen der Waldbesitzer wird immer grösser.

Die Schere zwischen den Ansprüchen jener, die den Wald als Freizeitpark benutzen, und den Bedürfnissen der Waldbesitzer wird immer grösser.

(Bild: Keystone)

Kurt Tschan

Die Idee, den Besuch der Wälder nur noch mit einer Vignette zu gestatten, ist zwar noch nicht spruchreif. Geht es aber nach dem Willen der Geschäftsführerin des Waldwirtschaftsverbandes beider Basel, Maja Schneiter, dann könnte eine solche Idee bald Wirklichkeit werden, sofern es nicht gelingt, auf einem anderen Weg Geld zu beschaffen. Tatsächlich kann die Forstwirtschaft schon längst nicht mehr vom Holzverkauf alleine leben. «Konnte ein Forstwart im Jahr 1974 durch den Verkauf eines Kubikmeters Holz während 36 Stunden beschäftigt werden, so reicht der erzielte Verkaufserlös heute nicht einmal mehr für 60 Minuten», sagt der Revierförster von Aesch, Christian Becker. «Wenn wir Geld verdienen wollen, dann müssen wir Bäume in privaten Gärten fällen oder Sicherheitsschläge für die SBB ausführen», sagt er.

Krasse Verzerrungen

Die Schere zwischen den Ansprüchen jener, die den Wald als Freizeitpark benutzen, und den Bedürfnissen der Waldbesitzer wird nach Ansicht von Peter J. Meier, Vorstandsmitglied des Waldwirtschaftsverbandes beider Basel, immer grösser. «Als Präsident der Bürgergemeinde Reinach erhalte ich regelmässig Reklamationen von Waldbenutzern, die unzufrieden sind, weil irgendwo ein Baum einen Feldweg versperrt oder Totholz liegen gelassen wurde.»

Nach bisheriger Praxis sei jedoch der Wald nicht für die Leute da, sondern diene primär dem Erhalt der Artenvielfalt und der Bewirtschaftung. Anders als im Ausland erfolge die Bewirtschaftung aber unter hohen Auflagen. «Den Belangen des Umweltschutzes werde ebenso Rechnung getragen wie der Sicherheit der Angestellten. Dies habe im internationalen Holzhandelsmarkt zu krassen Verzerrungen geführt», sagt Meier. Im Ausland könne Holz wesentlich günstiger gefällt werden als hierzulande. «Würde ich rein ökonomisch denken, müsste ich nur noch Hilfskräfte aus den Ländern Osteuropas beschäftigen und nicht teure Lehrlinge ausbilden», erklärt Becker.

Teure Ausbildung

Gerade die Ausbildung von Forstwartlehrlingen ist für die Betriebe zu einem Kraftakt geworden. So hat beispielsweise der Kanton Baselland seine Beiträge an die Kurstage der Forstwartlehrlinge von 120 auf 50 Franken pro Tag gekürzt. Bei Nettokosten für die gesamte dreijährige Ausbildung von 80'000 Franken ist das eine empfindliche Mehrbelastung für die ohnehin schon finanzknappen Waldeigentümer.

Um den Wald als Natur- und Freizeitpark ohne Abstriche beim Wegnetz sowie dem Landschaftsbild zu erhalten, seien zusätzliche Einnahmen dringend nötig, sagt Meier. Erst wenn die öffentliche Hand bereit sei, ihren Teil an die Kosten zu tragen, könne der Wald als nachhaltigster Wirtschaftszweig der Region erhalten werden. Meier will insbesondere die Einwohnergemeinden in die Pflicht nehmen und sie zu Abgaben auffordern. Konkrete politische Vorstösse in der Sache haben die Waldeigentümer aber weder auf kantonaler noch eidgenössischer Ebene lanciert.

Basler Zeitung

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