Der Tabakkonsum nimmt im Kanton Baselland wieder zu

Laut dem neusten Gesundheitsreport leiden viele Baselbieter unter Arbeitstempo und Termindruck.

Entgegen dem landesweiten Trend ist der Anteil an Rauchern im Baselbiet signifikant angestiegen. Symbolbild: Keystone

Entgegen dem landesweiten Trend ist der Anteil an Rauchern im Baselbiet signifikant angestiegen. Symbolbild: Keystone

Der neu erschienene Baselbieter Gesundheitsreport fördert vieles zutage. Vor allem Zahlen. Auch subjektive. Während das Leben messbar endet, wo der Tod beginnt, wird der persönliche Gesundheitszustand auch subjektiv wahrgenommen.

In Baselland lässt es sich überdurchschnittlich lange leben. Eine Baselbieterin erreicht ein Alter von 85,2 Jahren (Schweiz: 85 Jahre), ein Baselbieter von 81,6 Jahren (Schweiz: 80,9 Jahre). Um rund 5 Jahre ist die Lebenserwartung seit 1986 gestiegen.

Allerdings könnten diese ­Werte auch wieder sinken, denn der Raucher-Anteil der Baselbieter Bevölkerung ist entgegen dem landesweiten Trend signifikant angestiegen. Sprachen 2012 noch 24,8 Prozent dem ­Tabak zu, taten dies fünf Jahre später 28,1 Prozent. Die ausdauerndsten Paffer leben in den Kantonen Freiburg, Neuenburg und Aargau.

83,8 Prozent (2012: 81,1 Prozent) beurteilen die eigene Gesundheit zumindest als gut, wenn nicht sogar sehr gut. 39,7 Prozent (2012: 37,5 Prozent) antworten aber auch mit Ja auf die Frage, ob sie ein chronisches Gesundheitsproblem haben, das seit mindestens sechs Monaten andauert oder noch sechs Monate andauern wird. 53,6 Prozent der Befragten geben an, innerhalb der vergangenen sieben Tage zu einem Medikament gegriffen zu haben. 2012 taten dies noch 2,8 Prozent mehr.

Es fragt sich, wie sich 83 Prozent als gesund einstufen, während gleichzeitig rund 40 Prozent sich einem chronischen Leiden gegenübersehen. «Man kann die Zahlen nicht einfach addieren», sagt Irène Renz, Leiterin Gesundheitsförderung im Amt für Gesundheit, «es mag erstaunlich sein, aber auch schön, dass diese Menschen subjektiv betrachtet ein gutes Leben führen.» Sie ­denke beispielsweise an jemanden, der mit einem Diabetes-­Typ 1 umzugehen gelernt hat.

Gute Arbeit, aber zu viel davon

Nicht zum Guten entwickelt hat sich die Situation am Arbeitsplatz. 47,2 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit Immissionen ausgesetzt wie hohe oder tiefe Temperaturen, starkem Lärm, Passivrauchen, schädlichen Substanzen oder Vibration. 2012 waren es noch 41,4 Prozent. Störungen im Wohnbereich nahmen von 43 Prozent (2012) auf 47,1 Prozent zu. Dabei kann es sich auch um Störungen durch Lichtquellen handeln.

Hohes Arbeitstempo und Termindruck müssen zwar nicht zwingend zu gesundheitlichen Schäden führen, können jedoch Folgen haben. 52,8 Prozent aller Befragten gaben an, mindestens drei Viertel ihrer Arbeitszeit dem ausgesetzt zu sein. Ein Wert, der sich um 2,2 Prozent nach oben verschoben hat. 18,3 Prozent identifizieren sich mit der Aussage: «Bei meiner Arbeit habe ich immer öfter das Gefühl, emotional verbraucht zu sein.» Ein Wert, der sich um 3 Prozent erhöht hat. Emotionale Erschöpfung, auch Burn-out genannt, kann von Arbeitsunfähigkeit bis hin zu Suizid führen. Interessanterweise erklären sich trotzdem 88,4 Prozent (2002: 95,9 Prozent) als zufrieden mit ihrer Arbeitssituation.

Burn-out, aber zufrieden mit der Arbeit? «Einerseits glaube ich, die Schweizer antworten eher etwas positiver, als sie sich fühlen», sagt Irène Renz, «es ist aber durchaus möglich, seine Arbeit grundsätzlich zu schätzen, jedoch mit Problemen konfrontiert zu sein, die einen viel Kraft kosten.» Das könne etwa eine Lehrerin sein, die mit anspruchsvollen Schülern, einer fordernden Schulleitung oder unliebsamen Kollegen zu tun hat.

Der Anteil übergewichtiger Baselbieterinnen und Baselbieter hat sich bei 43,2 Prozent eingependelt. Es fällt auf, dass die Männer mit gutem Appetit vorangehen. Während 34,1 Prozent der Frauen ein paar Kilos wegsparen könnten, trifft das auf 53,5 Prozent der Männer zu. Dies obwohl 73,4 Prozent auf ihre Ernährung achten wollen und 79,1 Prozent sich als körperlich aktiv bezeichnen.

Der Gesundheitsreport wird auf Basis der Schweizerischen Gesundheitsbefragung durch das Schweizerische Gesundheitsobservatorium in Neuenburg erstellt. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber lässt sich darin wie folgt zitieren: «Um in der Gesundheitspolitik Entscheide fundiert fällen zu können, benötigen alle Beteiligten verlässliche Informationen zum Gesundheitszustand und -verhalten, zu Leistungen und Entwicklungen.»

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