Der Niedergang eines Machtpolitikers

Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser hat jahrelang die FDP und auch den Landrat geprägt. Nach seiner Abwahl steht seine politische Karriere vor dem Aus.

Christoph Buser ist nur noch bis Ende Juni Landrat.

Christoph Buser ist nur noch bis Ende Juni Landrat.

(Bild: Nicole Pont)

Alessandra Paone

Hans Rudolf Gysin drückt auf den Knopf am Lift. Die Fahrt hinauf zum Foyer des Regierungsgebäudes sei an diesem Tag die einzige Aufstiegsmöglichkeit für ihn gewesen, sagt er. «Doch nun geht es wieder abwärts.» Der alt FDP-Nationalrat und frühere Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer wirkt resigniert. Der Wahlkreis Pratteln ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht ausgezählt, aber es steht schon fest: Christoph Buser, sein Nachfolger beim mächtigsten Gewerbeverband des Kantons, ist abgewählt. Stattdessen zieht der Gemeindepräsident von Pratteln, Stephan Burgunder, für die Freisinnigen in den Landrat.

Ein Szenario, das sich mancher politischer Gegner – und insgeheim auch einige FDP-Mitglieder – erhofft, aber niemand wirklich erwartet hat. Saskia Schenker, designierte Präsidentin der Baselbieter FDP, traut ihren Ohren nicht, als die Basler Zeitung sie mit der Überraschung konfrontiert. «Und das sagen Sie mir jetzt einfach so?», fragt sie. Dann tippt sie auf ihrem Smartphone herum, als suche sie nach einer Erklärung für dieses Resultat. «Man rechnet grundsätzlich nicht damit, dass Bisherige abgewählt werden», sagt sie. Aber Busers Abwahl sei vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass die FDP im Wahlkreis Pratteln mit einer starken Liste angetreten ist.

Die Nachricht verbreitet sich rasch im Regierungsgebäude. Es wird getuschelt – und hin und wieder verhalten gejubelt. SP-Präsident und Landrat Adil Koller, der die Wirtschaftskammer in der Vergangenheit immer wieder kritisiert hat, sagt: «Dieses Resultat ist symptomatisch für den heutigen Wahlsonntag. Die Baselbieter Stimmbürger wollen keine Machtkonzentration mehr – weder in der Regierung noch im Parlament.»

CVP-Präsidentin Brigitte Müller versteht Busers Abwahl auch als Quittung für seine Politik und Auftritte. Es habe zu viele Negativschlagzeilen gegeben. «Und seine Ansprache am letztjährigen Neujahrs-Apéro haben auch noch nicht alle verdaut.» Der Wirtschaftskammer-Direktor redete sich vor 500 Gästen in Rage. Er wetterte gegen die kantonale Wirtschaftsförderung, die seit fünf Jahren erfolglos agiere. Die Reaktion auf diesen Angriff liess nicht lange auf sich warten: Die Basellandschaftliche Kantonalbank distanzierte sich von der Wirtschaftskammer.

Nationalratswahl kaum ein Thema

Voller Tatendrang und mit vielen Versprechen hatte der erfolgreiche Landrat Buser 2012 die Leitung der Wirtschaftskammer Baselland übernommen. Er wolle das Unternehmen ausleuchten und transparent machen, sagte er. Doch schon drei Jahre später ging es wieder abwärts mit ihm. Er kandidierte für den Ständerat und scheiterte dabei kläglich. Dem Freisinnigen aus Füllinsdorf gelang es nicht, die Bevölkerung von seinen Vorteilen zu überzeugen; sie entschied sich für den Bisherigen Claude Janiak von der SP. Mehr noch: Buser verärgerte auch viele FDP-Mitglieder, weil er mit einer Doppelkandidatur versuchte, Daniela Schneeberger als Nationalrätin zu verdrängen.

Mit dem Wechsel an der Parteispitze folgte wenig später ein weiterer Schlag für den selbstsicheren Politiker. Zuvor hatte er mit Christine Frey als Präsidentin eine Verbündete, jemanden, der kompromisslos hinter ihm stand und seine Entscheide auch bei Gegenwind mittrug. Unter Paul Hofer änderte sich Busers Position innerhalb der Partei und nach dessen Abgang vor wenigen Monaten erst recht.

Busers politische Karriere dürfte nach seiner Abwahl vor dem Aus stehen; eine Kandidatur bei den bevorstehenden Nationalratswahlen im Herbst kommt eher nicht infrage. «Die Findungskommission wird die Resultate der Landratswahlen in ihre Entscheidung einbeziehen müssen», sagt denn auch die künftige FDP-Präsidentin Saskia Schenker. Mit Buser verabschiedet sich ein Stück weit auch die Wirtschaftskammer aus dem Landrat. Sie macht der Handelskammer beider Basel Platz, die mit ihrem Direktor Martin Dätwyler neu prominent vertreten sein wird.

Basler Zeitung

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