Dem Margarethenstich droht das Referendum

In Stadt und Land regt sich Widerstand gegen das 20-Millionen-Tramprojekt. Die paar Minuten Zeitersparnis seien das Geld nicht Wert und Binningen drohe der Verkehrskollaps.

Streit um den Margarethenstich: Nach den langen Diskussionen wer die Linie betreiben dürfe, droht nun ein Referendum.

Streit um den Margarethenstich: Nach den langen Diskussionen wer die Linie betreiben dürfe, droht nun ein Referendum.

(Bild: Roland Schmid)

Noch sind die Schienen des Margarethenstichs längst nicht verlegt. Noch wird zwischen Baselland und Basel-Stadt, zwischen BLT und BVB gefeilscht um Fahrpläne, Linienführung und Geld. Das wenige Hundert Meter lange Tram-Teilstück soll dereinst die Linie 17 vom Leimental über den Bahnhof SBB nach Kleinhüningen führen. Noch aber haben die beiden Kantons­parlamente nicht einmal den nötigen Baukredit abgesegnet. Und doch droht dem 20-Millionen-Projekt bereits das Referendum.

Zu den erbittertsten Gegnern zählt Roger Moll: «Wenn das Tram die Baslerstrasse kreuzt, bevor es den Margarethenstich hinauffährt, wird Binningen im Verkehr erstickt», sagt der parteilose Einwohnerrat. Zu Stosszeiten werde es zum Rückstau bis über den Bottminger Kreisel hinaus kommen. Aber auch in die anderen Richtungen bis zur Heuwaage und oberhalb des Margarethenstichs bis zum Neuweilerplatz und zur IWB würde der Verkehr stehen, ist der pensionierte Tiefbauingenieur überzeugt, der Grossprojekte wie den Basler Centralbahnplatz betreut hatte. Für das bereits stark belastete Binningen sei das eine Katastrophe. Die nötige Ampelanlage bei der Baslerstrasse würde den Verkehrsfluss zusätzlich behindern. Moll: «Wahrscheinlich sind bei den Planungen die Auswirkungen auf den Strassenverkehr gar nicht untersucht worden.»

Nutzen grösser als Nachteil

Wolle man an der Linienführung festhalten, brauche es einen Tunnel oder eine Rampe. Das sei zwar teurer, behindere aber den Strassenverkehr nicht. Auch der Binninger Gemeinderat würde sich eine unterirdische Variante wünschen. Molls drastische Befürchtungen teilte er bisher aber nicht. Gar kein Verständnis hat Andreas Büttiker: «Man hat darauf geachtet, die Behinderung des Strassenverkehrs zu minimieren», sagt der BLT-Direktor. Ganz ohne jedoch gehe es nun mal nicht. Auf der Achse gebe es aber schon heute mehrere Ampeln. «Es käme dann eben noch eine weitere hinzu.» Der Nachteil sei aber marginal im Vergleich zum Kundennutzen. So sei durch die Direktverbindung nicht nur ein Zeitgewinn von vier bis fünf Minuten zu erreichen, auch könne umsteigefrei vom Leimental an den Bahnhof SBB gefahren werden. Das entlaste die Basler Innenstadt. «Die Vorteile überwiegen klar», sagt Büttiker. «Ein Referendum wäre völlig unverhältnismässig.»

Widerstand gegen den Margarethenstich regt sich aber nicht nur auf dem Land. Auch Basler Politiker zeigen sich skeptisch. Zu den Gegnern zählt etwa Peter Bochsler: «Das Projekt ist lediglich ‹nice to have›. Ich sehe nicht ein, warum wir für einen Zeitgewinn von wenigen Minuten so viel Geld ausgeben sollten», sagt der FDP-Grossrat. Er könne sich daher gut vorstellen, bei einem Referendumskomitee mitzumachen. Entsprechende Überlegungen würden gemacht, heisst es beidseits der Kantonsgrenze.

«Fehllösung verhindern»

Bedenken hat auch der ehemalige LDP-Grossrat Hans Rudolf Bachmann: «Es sollte eigentlich bessere Möglichkeiten geben. Um eine Fehllösung zu verhindern, wäre ein Referendum eine Op­tion.» Noch habe er sich aber keine abschliessende Meinung gebildet. Ein Referendum ist erst möglich, wenn in Stadt und Land der Baukredit gesprochen ist. «Wir sind überhaupt nicht gegen den ÖV», versichert der Binninger Einwohnerrat Moll. «Es muss aber andere Möglichkeiten geben, die den Strassenverkehr weniger behindern.» Das Projekt sei zur Überarbeitung an die beiden Kantonsregierungen zurückzuweisen.

Davor fürchtet sich BLT-Direktor Büttiker überhaupt nicht. «Ich glaube nicht, dass ein Referendum eine Chance hätte. Ich sehe kein schlagendes Argument gegen den Margarethenstich», zeigt er sich gelassen. «Eigentlich kann man sich das Referendum sparen.»

Basler Zeitung

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