Das lange gehegte Ziel vor Augen

Thomas de Courten (SVP) will den Sprung in die Baselbieter Regierung schaffen. Als Baudirektor würde er sich für den Autobahnausbau und das Herzstück der Basler S-Bahn einsetzen.

Thomas De Courten sieht sich nicht als Parteisoldat der SVP.
Alex Reichmuth

Es gibt Fragen, bei denen Thomas de Courten kurz innehält und nach Worten sucht. Das Resultat ist dann meist ein geschliffener Satz mit ziemlich wenig Inhalt. Ein paar Beispiele: Nach seiner grössten Leistung als Nationalrat gefragt, antwortet er: «Dass ich als Leader in den komplexen Sozial- und Gesundheitsthemen Resultate liefere, die auch im Plenum eine Mehrheit finden.» Auf die Frage, ob er in der Regierung für Status quo stehen würde, sagt er: «Die Bürgerlichen haben den Kanton aus der finanziellen Misere geführt und wieder auf Kurs gebracht. Auf diesem Weg gilt es die Zukunft weiter zu gestalten.» Wollte er schon lange Regierungsrat werden? «Ich bin in allen Aufgaben und Tätigkeiten, die ich übernommen habe, früher oder später in eine Lead-Funktion gekommen, ohne dass ich das gesucht habe.»

In die Baselbieter Regierung zu kommen, das hat Thomas de Courten allerdings längst aktiv gesucht. Zwölf Jahre ist es her, seit er in der SVP-­internen Ausmarchung gegen den späteren Regierungsrat Jörg Krähenbühl unterlag. 2013 trat er erneut an, zog sich dann aber unter etwas dubiosen Umständen zugunsten von Thomas Weber zurück, der den Sprung in die Regierung danach ebenfalls schaffte. Jetzt, mit dem Rücktritt der FDP-Frau Sabine Pegoraro aus der Regierung, sieht Thomas de Courten seine Stunde gekommen. Er spricht von einer der ­seltenen Chancen, ein lang gehegtes Ziel zu erreichen.

Rechte Hand von Gysin

Die Voraussetzungen für das Amt bringt er sicher mit. Acht Jahre gehörte der ausgebildete Betriebsökonom dem Baselbieter Landrat an und führte dabei mehrere Jahre die SVP-Fraktion. 2011 wurde de Courten in den Nationalrat gewählt, wo er nun ebenfalls seit fast acht Jahren sitzt. Er präsidiert die ­nationalrätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. In Bern gehört er zwar nicht zu den tonangebenden Stimmen der SVP-Fraktion, gilt aber als gut vernetzt.

Beruflich agierte de Courten jahrelang als rechte Hand von Hans Rudolf Gysin, dem ehemals mächtigen Präsidenten der Wirtschaftskammer. Er brachte es bis zum Vizedirektor des Verbands. 2005 aber verliess de Courten die Wirtschaftskammer aus Gründen, die nie an die Öffentlichkeit kamen. In den Jahren darauf führte er eine eigene Agentur für politische Kommunikation und Public Affairs. 2012 wurde er vom damaligen Regierungsrat Peter Zwick zum Leiter der kantonalen Wirtschaftsförderung ernannt – eine Funktion, die er etwas mehr als drei Jahre lang ausführte. 2015 wählte de Courten dann erneut die Selbstständigkeit.

Nach Führungserfahrung gefragt, führt er unter anderem seine Mandate in der Wirtschaft an. Thomas de Courten ist Präsident von Spedlogswiss, dem Verband der Speditions- und Logistikunternehmen, sowie von Intergenerika, dem Verband der Generikahersteller. Zudem sitzt er im Verwaltungsrat mehrerer Unternehmen, wie der Autobus AG Liestal und der Elektra Baselland.

SP drängt in die Regierung

Trotz aller Erfahrung ist es fraglich, ob Thomas de Courten am 31. März den Sprung in die Baselbieter Regierung schafft. Denn die SP, die 2015 aus der Regierung flog, drängt mit Kandidatin Kathrin Schweizer zurück in das Fünfer­gremium. Als zweitgrösste Partei hat die SP rechnerisch Anspruch auf einen Sitz. Und die Baselbieter Stimmbürger haben immer wieder ihren Sinn für Konkordanz an den Tag gelegt.

Zudem hat die CVP Thomas de Courten ihre Unterstützung versagt. Im letzten Herbst beschloss sie, nebst ihrem Regierungsrat Anton Lauber nur die bürgerlichen Regierungsräte Monica Gschwind (FDP) und Thomas Weber (SVP) zu unterstützen. «Mit seinen ex­tremen Positionen würde de Courten dem Baselbiet mehr schaden als nützen», begründete CVP-Parteipräsidentin Brigitte Müller-Kaderli den Entscheid.

Thomas de Courten kennt den Vorwurf: Er sei ein politischer Hardliner, weil er umstrittene Volksinitiativen s­einer Partei wie die Masseneinwan­derungs-Initiative oder die Selbstbestimmungs-Initiative unterstützte. «Ich stehe halt verlässlich zu meinen Werten und Überzeugungen.» Die Unterstützung der CVP wäre zwar wertvoll gewesen, meint er. Verbiegen würde er sich aber nicht, nur um seine Wahlchancen zu erhöhen.

Anspruch auf zweiten SVP-Sitz

Persönlich arbeite er seit jeher oft und erfolgreich mit CVP-Exponenten zusammen, stelle aber fest, dass sich die Partei heute bewusst vom bürgerlichen Lager distanziere. Den Anspruch der SP auf einen Sitz in der Regierung anerkennt de Courten, betont aber gleichzeitig, dass auch die SVP wahlarithmetisch einen Anspruch auf einen zweiten Sitz habe.

Genauso wie die Bezeichnung «Hardliner» verfolgt de Courten der Ruf, ein Parteisoldat zu sein. «Diese Bezeichnung stört mich, da sie abwertend ist», entgegnet er. So werde suggeriert, dass er keine eigenen Impulse ­einbringe, sondern blind seiner Partei hinterherlaufe. Das treffe in keiner Art und Weise zu.

De Courten lobt den Baselbieter Regierungsrat für seine Arbeit in der zu Ende gehenden Legislatur: «Die Regierung hat vier schwierige Jahre hinter sich, in der sie auch unbequeme Entscheide treffen musste.» Aber diese ­Entscheide hätten sich gelohnt, denn der Kanton habe den Weg aus den roten Zahlen gefunden. «Jetzt ist wieder Spielraum zum Investieren vorhanden.» Der Kanton sei gut unterwegs. Die Wirtschaft sei stabil und die Wohnqualität hoch. Kein Verständnis habe er für «Miesepeter», die am Kurs der bürgerlichen Regierung ständig etwas zum Nörgeln fänden. Auf die Frage, inwieweit er diesen Kurs ändern möchte, antwortet de Courten vage: «Die Marschrichtung stimmt bereits. Ich kann frischen Schub, neue Ideen und ein starkes Netzwerk in Bundesbern mit einbringen.»

Für Westring-Lösung

Bei einer Wahl würde de Courten mit hoher Wahrscheinlichkeit die frei werdende Bau- und Umweltschutz­direktion (BUD) übernehmen. Als BUD-Chef würde er Infrastruktur-Projekte vorantreiben, so de Courten. Insbesondere bei der Verkehrsinfrastruktur sei einiges ins Stocken geraten. «Priorität muss dem Rheintunnel eingeräumt werden.» Darüber hinaus würde er sich «auf jeden Fall» für eine Westring-­Lösung unter Baselbieter und Basler Boden einsetzen. Beim öffentlichen Verkehr müsse das sogenannte Herzstück in der Basler Innenstadt der nächste Meilenstein sein. Dass dieses bis jetzt keinen Eingang in die Ausbauschritte der SBB gefunden hat, müsse die Region Basel sich selber zuschreiben. «Solange man sich hier nicht auf eine Linien­führung einigen kann, wird man dieses Bauwerk beim Bund auch nicht durchbekommen», kritisiert de Courten.

Nach einem persönlichen Gegenstand gefragt, nimmt Thomas de ­Courten ein rotes Victorinox-Sackmesser hervor. «Dieses Werkzeug ist einfach, alltagstauglich und vielfältig zugleich. Es hilft in vielen Situationen», erklärt er. Man könne Wurst und Brot aufschneiden, eine gelockerte Schraube wieder anziehen oder eine Büchse öffnen. «In der Politik braucht es ebenfalls einfache, aber taugliche Instrumente», sagt er, «um hin und wieder einen Flaschenhals zu öffnen oder einen gordischen Knoten zu durchtrennen.» Im Falle einer Wahl kann man gespannt sein, was die politischen Werkzeuge von Thomas de Courten taugen.

Basler Zeitung

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