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Das Kantonsspital wird sich nach einer neuen Spitalliste ausrichten müssen

Zu den Strategieempfehlungen des Verwaltungsrats des Kantonsspitals Baselland.

Zurzeit erwirtschaftet das Kantonsspital jährlich ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe und arbeitet dabei in maroden Gebäulichkeiten, deren Erneuerung nicht finanzierbar ist.
Zurzeit erwirtschaftet das Kantonsspital jährlich ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe und arbeitet dabei in maroden Gebäulichkeiten, deren Erneuerung nicht finanzierbar ist.
Keystone

Fünf Monate sind seit dem Nein aus Basel-Stadt zur ­Fusion des Universitätsspitals Basel mit dem Kantonsspital Baselland vergangen. Seither hat der Verwaltungsrat des Kantonsspitals unter der Leitung von Interimspräsidentin Madeleine Stöckli nach einer Strategie gesucht, die das Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen führt.

Die Szenarien und deren Beurteilung sollten sich dabei auf medizinische und wirtschaft­liche Überlegungen stützen. Doch die vier Varianten, die der Verwaltungsrat diese Woche vorgeschlagen hat, lassen zweifeln, ob sie tatsächlich ausschliesslich medizinisch und wirtschaftlich motiviert sind. Seine Empfehlung, auf das Szenario mit stationären Leistungen in Liestal und auf dem Bruderholz zu setzen, lässt den Verdacht aufkommen, dass der Verwaltungsrat mutlos agiert hat.

Defizit in zweistelliger Millionenhöhe

Mehr als einige wenige Stichworte zu den Szenarien hat der Verwaltungsrat der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. Deshalb ist es auch nicht möglich, die Vorschläge seriös zu beurteilen. Doch allein der Umstand, dass sich der Ver­waltungsrat kaum bewegt hat, lässt darauf schliessen, dass seine Empfehlung eben doch eine politische ist. Dabei wäre es an der Regierung und am Landrat, abzuwägen, was ­politisch mehrheitsfähig sein könnte.

Allein der Umstand, dass es der Verwaltungsrat nicht einmal gänzlich ausschliesst, wie bisher mit allen drei Spitälern weiterzuarbeiten, lässt daran zweifeln, dass er sich der pre­kären Lage wirklich bewusst ist, in der sich das Kantons­spital Baselland befindet. Zurzeit erwirtschaftet das Kantonsspital jährlich ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe und arbeitet dabei in maroden Gebäulichkeiten, deren Erneuerung nicht finanzierbar ist.

«Nein» aus Basel-Stadt

Dass das Spital Laufen dabei in der heutigen Dimension keine Zukunft hat, versteht sich eigentlich. Es müsste zwingend nach Alternativen zur Gesundheitsversorgung des Laufentals gesucht werden. Dabei darf auch eine Zusammenarbeit mit den Nachbarspitälern in Dornach oder Delémont nicht länger ein Tabu sein.

Eine Fortsetzung der heutigen Strategie ist für das Kantonsspital keine Option. Auch die Träume neuer Fusionspläne mit dem Universitätsspital Basel, welche die Regierung hegt, sind unrealistisch: Eine zweite Periode der Unsicherheit ist dem Kantonsspital nicht mehr zuzumuten, zumal sich das Nein aus Basel-Stadt auch mit angepassten Fusionsplänen wiederholen könnte. Das Basler Nein am vergangenen 10. Februar war zu einem guten Teil nicht gegen das Spital, sondern gegen den Kanton Baselland gerichtet, den man aus Sicht vieler ­Städterinnen und Städter auf keinen Fall in irgendeiner Form finanziell begünstigen wollte.

Gemeinsame Gesundheitsregion

Immerhin hat der Verwaltungsrat des Kantonsspitals der Kantonsregierung auf Rang zwei auch eine Variante eines zentralen Standorts «grüne Wiese» präsentiert. Schon zuvor empfahlen die Ärzte­gesellschaft Baselland und der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte einen Neubau auf grüner Wiese im Gebiet Salina Raurica in Pratteln. Diese Variante dürfte es zwar schwierig haben, eine politische Mehrheit zu finden, doch aus medizinischer und wirtschaft­licher Sicht spricht vieles für diese Lösung.

Die Stimmberechtigten haben am 10. Februar nämlich auch für eine gemeinsame Gesundheitsregion votiert. Dies schliesst eine Fortsetzung der bisherigen Konkurrenzstrategie aus. Diese Gefahr bestände jedoch mit einer Weiterführung der stationären Leistungen an den beiden Standorten Liestal und Bruderholz. Zu erwarten ist aber jetzt, dass die Kantonsregierungen der beiden Basel sich auf eine gemeinsame Spitalliste einigen – mit all ihren Folgen.

Konzentration auf ein einziges Spital

Für eine gemeinsame Spital­liste müssten die Regierungen im Interesse der Qualitätssicherung und der Begrenzung der Gesundheitskosten die Mindestfallzahlen respektieren. Dies hätte zur Folge, dass auch den kantonseigenen Spitälern Leistungsaufträge entzogen würden. Entsprechend könnte sich ein neues Spital in Pratteln besser auf die verbleibenden Leistungen des neuen Leistungskatalogs konzentrieren und zudem die Entwicklung weg von stationären hin zu ambulanten Behandlungen vorwegnehmen.

Die Konzentration auf ein einziges Spital wäre mit Sicherheit mittel- und langfristig kostengünstiger. Die dafür nötige Investition wäre kaum höher als für die sonst nötigen Umbauten in Liestal und auf dem Bruderholz. Es müsste allerdings eine Möglichkeit gefunden werden, den Bau rasch zu realisieren – vielleicht auch unter Beteiligung des Unispitals, wie dies die Ärztevereinigungen vorschlagen. Ein Neubau hätte auch den Vorteil, dass er vollkommen auf die heutigen Bedürfnisse ausgerichtet würde und etwa stationäre und ambulante Behandlungseinheiten trennen könnte.

Selbstverständlich müsste für eine Lösung auf der grünen Wiese die politische Realisierbarkeit abgewogen werden. Diese Hürde wäre vermutlich hoch, aber nicht unüberwindbar. Im Falle der ausstehenden Spitalliste sind die Regierungen beider Basel gefordert. Eine restriktive Spitalliste entspräche einer Tendenz auch in anderen Regionen. Mehrere Kantone, darunter Zürich und Bern, haben erkannt, dass Überkapazitäten abgebaut und spezialisierte Behandlungen im Interesse der Qualitäts­sicherung konzentriert werden müssen. In den beiden Basel, der teuersten Region, wäre dies besonders nötig.

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